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Hannover „Ohne Preiserhöhung kommen wir nicht aus“
Nachrichten Hannover „Ohne Preiserhöhung kommen wir nicht aus“
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20:06 29.09.2019
Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff, hier mit Eisbär Sprinter, will künftig auch Riesenschildkröten zeigen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Herr Casdorff, der Zoo soll in den kommenden sechs Jahren insgesamt Zuschüsse von 18,9 Millionen Euro für den laufenden Betrieb bekommen. Geht es dem Unternehmen so schlecht?

Dem Zoo geht es sehr gut. Wir sind im bundesweiten Vergleich einer der umsatzstärksten Zoos, und wir gehören zu den Zoos mit den stärksten Besucherzahlen in den vergangenen Jahren. Für Hannover ist der Zoo ein wichtiger Marketingfaktor. Und er ist bei den Menschen hier gut etabliert. Aber einen Zoobetrieb, der sich aus eigenen Erlösen komplett finanziert, hat es nie gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben. Wir wollen auch Geld ansparen, um in Zukunft Projekte selbst zu finanzieren.

Mehr Besucher gibt der Markt nicht her

Wie stehen Sie finanziell im Vergleich mit anderen Zoos da?

Ich habe mir sämtliche Bilanzen angeschaut, die ich bekommen konnte. Im Durchschnitt zeigen diese einen Zuschussbedarf für das operative Geschäft von jährlich etwa 4 Millionen Euro. Der Kostendeckungsgrad in Hannover gehört zu den höchsten.

Zoo-Geschäftsführer seit 2013

Andreas M. Casdorff wurde 1964 in Hamburg geboren, er kam als 17-Jähriger nach Hannover. Nach einer Bankausbildung studierte er Betriebswirtschaft, anschließend ging er für ein weiteres Wirtschaftsstudium nach Los Angeles. 1995 begann Castorff bei der Tui, zuletzt als Marketingchef. Im Sommer 2013 wurde er Zoo-Geschäftsführer.

Wenn mehr Besucher kämen, würde sich das Finanzproblem doch lösen lassen, oder?

Das gibt der Markt einfach nicht her. Wir kalkulieren für die kommenden Jahre mit 1,1 Millionen bis 1,2 Millionen zahlenden Besuchern. Das ist eine realistische Zahl und im Vergleich mit den großen deutschen Städten ein sehr guter Wert.

Freizeitparks sind meist teurer

Wie viele Besucher werden es in diesem Jahr?

Es hat uns geholfen, dass der Sommer nicht so heiß war, wie im vergangenen Jahr. Am Jahresende werden wir voraussichtlich 50.000 Besucher mehr haben als 2018. Wir werden wohl 1,05 Millionen erreichen. Trotzdem bin ich nie mit dem Erreichten zufrieden. Deshalb denken wir immer über neue Angebote nach, zum Beispiel für Schulen.

Bei vielen Menschen sind die hohen Eintrittspreise für den Zoo immer wieder ein Thema. Ist der Zoo zu teuer?

Seit vielen Jahren haben wir die Preise konstant gehalten, aber wir sind tatsächlich der Zoo mit den höchsten Eintrittspreisen. Der Abstand zu den anderen Zoos ist aber inzwischen sehr gering geworden. Wir haben mittlerweile auch viele andere Angebote, wie das Feierabendticket oder ermäßigte Preise für junge Erwachsene. Aber die Diskussion werde ich trotzdem nicht los. Nur: Um die Zoopreise zu beurteilen, ist ein Vergleich mit den Freizeitparks spannend. Die sind in der Regel alle teurer.

Die Kosten steigen

Wird es denn nächstes Jahr eine Anhebung der Eintrittspreise geben?

Wir müssen auch in der Zukunft wirtschaftlich arbeiten. Wir rechnen gerade, wie wir die Planungen für das nächste Jahr hinbekommen. Ohne eine leichte Erhöhung werden wir wohl nicht auskommen, versuchen aber, diese so gering wie möglich zu halten. Durchschnittlich wird eine mögliche Preisanpassung aber nie höher als die Inflationsrate ausfallen. Und der Preis für das Onlineticket soll stabil bleiben. Übrigens kostet dieses heute noch immer genauso viel wie der Eintritt vor sieben Jahren. Und das bei deutlich gestiegenen Kosten, zum Beispiel durch Steigerungen bei den Personalkosten oder Handwerkerrechnungen.

Braucht der Zoo neue Attraktionen, um mehr Besucher zu locken?

Wir investieren ständig. Derzeit geht das Geld auch in die Sanierung der Anlagen, die zum Teil 20 Jahre oder älter sind. Außerdem sind wir gerade dabei, den Elefantenbullenstall umzubauen, dann ist die Außenanlage für die Elefantenkühe an der Reihe. Es folgt die Elefantenlaufhalle. Die Planungen für die Erweiterung von Sambesi hinter dem Eingang haben begonnen. Wir tun sehr viel für das Tierwohl. Ich möchte noch mehr Vielfalt der Tierwelt zeigen. Deshalb will ich unter anderem Riesenschildkröten wieder in den Zoo holen. Und wir wollen in Yukon Bay auch Baumstachler zeigen.

Thema Regenwald ist jetzt ganz aktuell

Bei der Eröffnung des Panoramas ging der Zoo auch von einer neuen Attraktion aus. Daraus ist nichts geworden…

Das Thema Regenwald, das im Panorama gezeigt wird, hat in den vergangenen Monaten eine ganz andere Aktualität bekommen. Wir haben Amazonien in den Zoo integriert, was für uns mit Blick auf die Themen Naturschutz und Arterhaltung eine ganz wichtige und richtige Entscheidung war. Wir bieten zum Beispiel für Schulklassen spannende Führungen zum Thema Regenwald an. Die Menschen, die hierherkommen, sind überrascht und begeistert. Das Panorama entschleunigt.

Der Zoo soll künftig eine gemeinnützige Gesellschaft sein – warum das?

Das ist ein ganz bedeutender Schritt für die zukünftige Ausrichtung. Wir wollen damit auch nach außen deutlich machen, welche wichtige gesellschaftliche Bedeutung der Zoo hat. Für Tiere begeistern heißt auch, Kenntnisse über die Biologie von Wildtieren oder die Komplexität von Ökosystemen zu vermitteln, in Zusammenarbeit mit anderen Zoos die Forschung zu unterstützen und Artenvielfalt durch Artenschutz, auch In-Situ, also im Freiland, zu betreiben. Daneben soll es weiterhin viel Spaß machen, zu uns zu kommen. An der thematisierten Gestaltung unseres Zoos halten wir fest. Natürlich ist es dann auch leichter, Unterstützung durch Spender und Sponsoren zu bekommen.

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