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Hannover Klaus-Peter Wolf ist mit Ostfriesenkrimis auf Erfolgskurs
Nachrichten Hannover Klaus-Peter Wolf ist mit Ostfriesenkrimis auf Erfolgskurs
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18:36 20.05.2019
Klaus-Peter Wolf, Erfolgsautor und Beirat der Friedrich-Bödecker-Stiftung, nach seiner Lesung auf Einladung von Leuenhagen & Paris. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Um mit Zahlen zu beginnen, sie sind für Autoren und Händler ja nicht der unwichtigste Faktor: Klaus-Peter Wolf, 65, geboren in Gelsenkirchen, gezogen nach Norden an der Nordsee, am Wochenende zu Gast in Hannover, hat bislang mehr als zehn Millionen Bücher verkauft. Der jüngste Kriminalroman „Ostfriesennacht“ startete vor wenigen Wochen mit einer Auflage von 260.000 Exemplaren und belegte damit unverzüglich den ersten Platz auf einer maßgeblichen Bestsellerliste, Rubrik Taschenbuch. Wenn Wolf von jedem verkauften Stück in seiner Karriere nur einen Euro bekommen hat, dann frühstückt hier in einem soliden Dreisterne-Superior-Hotel in der, tatsächlich: Friesenstraße, ein sehr vermögender Schriftsteller.

„Wir sagen Du, oder?“, fragt Wolf gleich zu Beginn über den Resten eines Obstsalats. Was auffällt: Er spricht kein Norddeutsch, kein Plattdeutsch, nur manchmal hört man Ruhrpottdialekt. Auf dem Tisch liegt eine Kladde. Er schlägt sie auf und zeigt auf dicht gedrängte Zeilen. Wolf schreibt seine Bücher mit dem Füller, manche sind Geschenke von Lesern. Sein Auftritt in der Apostelkirche war ausverkauft. Sogar zwei Gäste aus der Schweiz saßen im Publikum, das Paar hatte sich zuvor in Ostfriesland Schauplätze seiner Romane angesehen, um von dort nach Hannover zur Lesung zu fahren. Aber, ach was, Lesungen, „das sind eher Fantreffen“, sagt Wolf. Die Nähe zum Leser preist er stets als beste Schule für einen Schriftsteller.

„Böse Menschen haben einen Scheißgeschmack“

Vom Schreiben leben zu können war sein Traum von Jugend an. Er wuchs in einer Malocherstadt auf, wo Männer unter Tage schufteten, „das ist eigentlich Knechtschaft“. Mit 14 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Text. Eine Tageszeitung druckte die Geschichte über seinen Vater, einen vom Krieg beschädigten Mann, der als Bademeister arbeitete und zum Trinker wurde. „Das Kind spielt da keine Rolle, sondern immer nur der Alkohol.“ Später bekam er Kontakt zu Arbeiterschriftstellern und Kommunisten, eine Zeit lang war er Mitglied der DKP. Wolf recherchierte für ein Buch unter Gelsenkirchener Jugendbanden. Um Geschäfte von Mädchen- und Frauenhändlern zu durchleuchten, gründete er eine eigene Firma und deckte schlimme Dinge auf. Eine Erkenntnis am Rande war: „Richtig böse Menschen haben einen Scheißgeschmack. Die hatten ein Büro, das sah aus wie ein Küstenmuseum.“

Zwei unglaubliche Geschichten führten Klaus-Peter Wolf als Schriftsteller endgültig in die Erfolgsspur. Beide liefen nach dem Motto ab, man könne es ja einfach mal probieren. Er schickte ein Drehbuch an Herbert Reinecker, der Vorlagen für Serien wie „Der Kommissar“ und „Derek“ lieferte. Reinecker empfahl ihn einem Produzenten, darüber kam der Kontakt zum Fernsehen zustande. Wolf hat mittlerweile Drehbücher für den „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ verfasst. Doch er wollte auch Kriminalromane schreiben, weil er glaubt, dass sie am besten geeignet sind, um in menschliche Abgründe zu schauen. Also gründete er einen Verlag und bezahlte dieses Abenteuer mit hohen Schulden, nachdem der Laden pleite gegangen war. Und im Moment höchster Not, es war nicht zu fassen, rief doch noch ein Verlag an und kaufte ihm ein Manuskript ab, kurz bevor sein Telefon abgeschaltet wurde. Er konnte weiter schreiben. Wolf kichert, sein Zöpfchen wackelt im Rhythmus, als er das erzählt, irre Geschichte.

Inzwischen lebt der gebürtige Gelsenkirchener mit seiner Frau in Ostfriesland. Schon als Kind war er oft an der Nordsee, weil er Probleme mit den Bronchien hatte. Beim Drehbuchschreiben zog er sich häufig an die Küste zurück, und irgendwann packte ihn das Empfinden: „Vielleicht gehörst du da ja einfach hin.“ In Norden, nur einen Fischbrötchenwurf entfernt vom Fähranleger Richtung Juist und Norderney, entstehen seitdem seine Romane, wenn er nicht gerade in Zügen schreibt. Wolf ist oft auf Tournee. 13 Ostfriesenkrimis um die Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen sind veröffentlicht, in der Summe „ein Röntgenblick auf die Gesellschaft“, sagt Wolf. Einige werden demnächst vom ZDF verfilmt.

Die Romanfiguren gibt es wirklich

Die regionale Nische funktioniert prächtig. Wer nach Ostfriesenkrimis googelt, kommt gleich auf die Website von Wolf. Die Schauplätze in seinen Romanen gibt es wirklich, Figuren tragen ihre tatsächlichen Namen auch in seinen Büchern. Wolf freut sich beim Kaffee sehr, „dass der Maurer Peter Grendel Touristen manchmal Autogramme gibt“. Zu Ehren des Schriftstellers hat ein Hotel in Norden eine Suite nach ihm benannt. Watt und Meer und Stürme gibt es sowieso. „Ich liebe sehr, was ich tue“, sagt Wolf, der so begeistert von seiner Arbeit und seinen Romanen spricht, als wäre er selbst ein Fan.

Doch trotz allen Erfolgs – und welcher Autor hat in Deutschland zehn Millionen Bücher verkauft – wird Klaus-Peter Wolf in den Feuilletons großer Zeitungen weitgehend ignoriert. Er erinnert sich, wie der Fernsehkritiker Denis Scheck ein Buch von Nele Neuhaus verächtlich in eine Tonne warf. Neuhaus schreibt Krimis, die im Taunus spielen. Wolf spürte, dass im Grunde wohl auch seine Art zu schreiben gemeint war. Die Aufgabe von Kritikern ist es, gute von schlechter Literatur zu unterscheiden. Er glaubt dagegen, dass sich wesentliche Teile der Literaturkritik von den Menschen entfernt haben. „Hochnäsig“, findet er Menschen, „die verdächtig finden, wenn ein Autor viele Leser hat. Aber das ist nicht mein Problem. Die Abstimmung findet im Buchladen statt.“

Bleibt noch die für Normalverdiener interessante Frage offen, ob Wolf tatsächlich pro verkauftem Buch einen Euro bekommt. Man kann darauf keine direkte Antwort erwarten, doch sein ökonomischer Status quo scheint sehr zufriedenstellend zu sein. „Sagen wir so: Seit einiger Zeit bin ich ein wirklich freier Autor. Niemand kann mir sagen, was ich zu tun habe.“ An diesem Tag will er noch das Flugzeug nach Wangerooge erreichen und in seiner Ferienwohnung weiterschreiben. Mit Blick aufs Meer, dorthin, wo sich Schifffahrtslinien kreuzen.

Von Gunnar Menkens

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