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Kirche Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden
Nachrichten Kirche Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden
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13:00 09.05.2020
Superintendent Friedrich Selter.
Superintendent Friedrich Selter. Quelle: R
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Göttingen

Gestern, am 8. Mai, haben wir zum 75. Jahrestag dankbar der Befreiung vom Nationalsozialismus durch die Alliierten gedacht. Mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation ging in Europa der Zweite Weltkrieg zu Ende. Als einer der Nachgeborenen bin ich zusammen mit vielen anderen meiner Generation zutiefst dankbar, dass ich in einer Zeit des Friedens und wachsenden Wohlstandes aufwachsen durfte und mein Leben in großer Freiheit gestalten kann.

Mit dieser Dankbarkeit geht die Trauer über die Verfolgung und Ermordung von über sechs Millionen Juden und all die anderen unsäglichen und menschenverachtenden Verbrechen des NS-Regimes einher. Mit dieser Trauer wiederum ist für mich die Scham angesichts der Schuld großer Teile der deutschen Bevölkerung verbunden, die sich allzu lange hinter einem „Wir haben von nichts gewusst“ zu verstecken suchten. Dabei tut es besonders weh, dass auch solche, die sich als Christinnen und Christen verstanden, auch in den theologischen Fakultäten und Kirchen, Schuld auf sich geladen haben, indem sie stillschweigend oder ausdrücklich die Ideologie der Nazis befürworteten, ihren Untaten tatenlos zusahen und die Begeisterung am Krieg teilten.

Als einer, der bezweifelt, dass er damals selbst mutig Widerstand geleistet hätte, schreibe ich diese Zeilen in aller Demut. Als Christinnen und Christen bekennen wir uns zu Jesus, der „unsere Füße auf den Weg des Friedens richte“ (Lukas 1, 79) und der die Friedensstifter seligpreist. In einem beliebten Choral heißt es: „Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.“ Der umfassende Friede unter den Menschen und Völkern bleibt genauso wie der Friede mit der Schöpfung unser Hoffnungsziel. Lassen Sie uns dafür in jeder Hinsicht eintreten.

Der Autor ist Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen

Von Friedrich Selter