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Kultur Klang-Delikatessen
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00:20 26.09.2018
Temperamentvolles Zusammenspiel: Daniel Stelter & Tommy Baldu. Quelle: Linnhoff
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Göttingen

Auch zur 16. Göttinger Gitarrennacht strömten mehr als dreihundert Besucher ins Alte Rathaus, so dass sich die Organisatoren Peter Funk und Herbert Wegener über ein ausverkauftes Haus freuen konnten.

Da Wegener kurzfristig erkrankt ist, eröffnet Funk den Abend allein mit Stücken aus seinem neuen Solo-Programm „From Maui to Memphis“. Im Hawaii-Stil auf einer Lap-Steel-Gitarre aus dem Jahre 1926 schafft Funk gleich zu Beginn wunderbar fließende Klanggebilde. Mit dem „Fishing-Blues“ geht die Reise direkt von den Stränden Hawaiis in das Herz des Blues. Im Laufe seines stimmungsvollen Vortrags nutzt Funk ein „vielsaitiges“ Instrumentarium. Zum Ende ist es die Ukulele (übersetzt „Hüpfender Floh“), die für gute Laune sorgt und die sich umgehend auch auf das Publikum überträgt.

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Bekennender Bach-Fan

Der musikalisch vielseitige israelische Mandolinist, Lautenist und Komponist Alon Sariel hat schon auf vielen großen Bühnen dieser Erde konzertiert und war als Solist und Dirigent bei renommierten Orchestern engagiert. Zu Göttingen hat er eine spezielle Beziehung, da er hier von 2010 bis 2013 das „Camerata Medica“ Orchester geleitet hat.

Sariel möchte nach eigener Aussage an diesem Abend die Mandoline in ihrer großen farbigen Palette vorstellen. Dazu hat er als bekennender Bach-Fan die „Partita Nr. 2 d-Moll“ von Johann Sebastian Bach mit ihren ersten vier Sätzen ausgewählt. Aufbrechen wird er diese jeweils mit teils exotischen Werken wie Isaac Albéniz´ „Asturias“, einem türkisch osmanischen Tanz von Ali Ufukî, sowie der Fantasie „Jangara“ des japanischen Komponisten Yasuo Kuwahara.

Virtuos auf der Mandoline

Mit geschlossenen Augen und unglaublicher Fingerfertigkeit bearbeitet Sariel virtuos die vier Saitenpaare seiner Mandoline. Dabei geht in den lebhaften Passagen fast wie ein Rockmusiker zu den Rhythmen mit. Andächtig lauscht das Publikum seinem durchgehenden 40-minütigen Vortrag, um dann in rauschenden Applaus auszubrechen.

Auch Jazzgitarrist Daniel Stelter und Perkussionist Tommy Baldu haben schon große auch internationale Spuren hinterlassen. Stelter tourte mit Al Jarreau, Ringsgwandl oder der NDR-Bigband. Baldu, einer der gefragtesten Schlagzeuger Europas, war auch als Produzent für Künstler wie Laith Al Deen oder André Heller tätig.

Instrumentale Solo-Performance

Den Jazz-Klassiker „My Favorite Things“ präsentiert Stelter zu Beginn als instrumentale Solo-Performance. Ihn habe der Text des Stückes fasziniert, auch wenn er ihn an diesem Abend nicht singen wird, merkt er augenzwinkernd an. Zu „Jorge Da Fusa“ steigt Baldu an der Rahmentrommel mit ein und was die beiden Musiker dann im Laufe ihres Vortrags an Ideen und Stimmungen erzeugen, ist schlicht mitreißend.

Ihr temperamentvolles Zusammenspiel basiert viel auf improvisatorischen Momenten, offen in der Umsetzung und bisweilen in wunderbare Dialoge zwischen verspielt-melodischer Gitarre und impulsiver, wie auch feinfühliger Perkussion verfallend. Wenn sie dann zum Ausklang in „Taxi Driver“ humorvoll zwischen jedem Ton abrupt kurz innehalten, kennt der anschließende Applaus der Besucher kein Ende mehr.

Mit „Mo´Betta´ Blues“ aus dem gleichnamigen Film von Spike Lee, zu dem alle vier Künstler noch mal die Bühne erklimmen, endet ein abwechslungsreicher Abend voller klanglicher Delikatessen.

Von Jörg Linnhoff

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