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Kultur Am Sonnabend Premiere in neuer Spielstätte
Nachrichten Kultur Am Sonnabend Premiere in neuer Spielstätte
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00:21 17.02.2019
Ahmad Kiki, Lina Zaraket und Matthias Damberg bei den Vorbereitungen für das Stück „Grenzfall Europa“. Quelle: Richter
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Göttingen

Grenzfall Europa ist ein interaktives Theaterspiel für alle, die sich einmischen und mitentscheiden möchten“, sagt Regisseur Reimar de la Chevallerie über die Inszenierung, die am Sonnabend, 16. Februar, um 19 Uhr Premiere feiert. Die Zuschauer stellen sich vor, Portugal, Ungarn oder Griechenland zu sein. Sie müssen ihre Interessen bei Themen wie Migration, Klimaschutz oder einer Bedrohung vertreten. Dabei gilt es im Plenarsaal einen Konsens mit den Nachbarstaaten zu finden. Hat Europa eine Überlebenschance?

„Theater Gaming nennt sich der Trend, den wir umsetzen wollen“, erklärt de la Chevallerie. Gemeinsam mit seinem Regisseurskollegen Christopher Weiß hat er das Stück konzipiert. Beim Game-Design half ihnen Jonas Feller. Dazu geholt haben sie sich außerdem Dramaturgin Sofie Ruffing, die beim Kopenhagener Künstlerkollektiv Signa Erfahrungen mit interaktiven Theater-Performances gesammelt hat.

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Schauspieler Matthias Damberg, Ahmad Kiki und Lina Zaraket

„Für die drei Schauspieler Matthias Damberg, Ahmad Kiki und Lina Zaraket ist das Stück eine Herausforderung“, erklärt Ruffing. Sie müssten sich von festen Skripten verabschieden und ihre Charaktere so verinnerlichen, dass sie spontan auf das Publikum reagieren könnten. Erschwert werde das, weil jeder Schauspieler mehrere Rollen spiele. Seit sieben Wochen arbeiteten sie am Stück, spielen verschiedene Publikumsreaktionen durch.

„Für Theatermacher ist das ein spannender Ansatz“, findet de la Chevallerie. Sie bekämen, von Applaus und Unmutsäußerungen einmal abgesehen, kaum mit, was die Zuschauer mitgenommen hätten, was sie beschäftige, wo sie ins Nachdenken gekommen seien. Gerade für eine politische Theatergruppe wie ihre sei das unbefriedigend.

Lebhafte Diskussion erwünscht

Worum genau es im Stück gehen will, verrät der Regisseur nicht. Fünf Spielstätten wird es geben. Im Plenarsaal kommen die bis zu 60 Zuschauer zur Aussprache und zur Abstimmung zusammen. Daneben gibt es vier weitere Räume, die nacheinander von Kleingruppen besucht werden: einen Raum zur Entspannung, ein Museum, die Universität und die freie Natur.

„Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist ein passives Publikum“, meint de la Chevallerie. Es gebe ein Grundgerüst an Szenen, das stur heruntergespielt anderthalb Stunden dauere. Er würde sich über lebhafte Diskussionen freuen, in der unterschiedliche Meinungen aufeinander prallten. Das Ensemble werde das aber nicht provozieren. Sollte die Vorstellung aus dem Ruder laufen, gehe das Licht an und das Stück sei zu Ende.

Vom Ostviertel nach Grone

Das Boat People Projekt gibt es seit zehn Jahren. Zuletzt war es in der Flüchtlingsunterkunft im früheren Institut für den Wissenschaftlichen Film im Ostviertel untergekommen. Dort zog es im vergangenen August gemeinsam mit den letzten Geflüchteten aus. Das Gebäude wird abgerissen. Der Vermieter bot der Theatergruppe die Gewerbeimmobilie an der Stresemannstraße an. Vom Vormieter, einem Reisebüro, hängen noch Schilder von Fluglinien an der Wand. Das Gebäude hat auch schon eine Werkstatt, einen Supermarkt und auch mal ein Varieté beheimatet.

„Hier in Grone und der nahen Weststadt leben viele Geflüchtete“, freut sich der Regisseur. Einrichtungen, die sich um diese Menschen kümmerten, seien in der Nähe. Das helfe bei soziokulturellen Projekten, die die Theatergruppe ebenfalls durchführe.

Von Michael Caspar

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