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Kultur Improvisations-Event vereint Musiker aus fünf Ländern
Nachrichten Kultur Improvisations-Event vereint Musiker aus fünf Ländern
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06:00 21.04.2019
Der Göttinger Saxofonist und Klarinettist Ove Volquartz Quelle: BEISERT&HINZ
Göttingen

„Seit Jahrzehnten arbeiten Jazzmusiker verschiedener europäischer Ländern zusammen – früher war dies ein Ereignis, heute ist dies normal“, so der Göttinger Saxofonist und Klarinettist Ove Volquartz. Der gut vernetzte Jazzmusiker kooperiert heutzutage ständig mit Musikern aus ganz Europa. Vor der Europa-Wahl präsentiert er sein Projekt „European Echos“. Am Freitag, den 10. Mai 2019 improvisieren sechs Musikern aus fünf europäischen Ländern gemeinsam in der Marienkirche – ein klingendes und politisches Plädoyer für Europa.

Der Göttinger konnte für sein Projekt fünf Kollegen aus fünf Ländern gewinnen: die britische Violinistin Alison Blunt, die französische Akkordeonistin Karine Germaix, den belgischen Bassisten Jean Demey, den italienischen Saxofonisten Gianni Mimmo sowie den deutschen Organisten Peer Schlechta.

Rücksicht auf länderspezifische Eigenheiten

Alle bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Jazz, frei improvisierter Musik und Neuer Musik. Initiator Volquartz: „Aus einer langen Liste von Musikern habe ich Freunde ausgewählt, die vom Instrument passen und mit der besonderen Akustik des Kirchenraumes sensibel umgehen können.“

Die Musiker des Projekts sehen sich als Mustereuropäer. Volquartz: „Wir arbeiten respektvoll mit Rücksicht auf Traditionen und länderspezifischen Eigenheiten kreativ und konstruktiv zusammen – das Gegenteil von nationalistischen Tendenzen und Dominanzverhalten.“ In Zeiten von Brexit und aufkommenden Nationalismen sei es für ihn als Jazzmusiker notwendig, ein klares Zeichen zu setzen gegen solche Entwicklungen.

Freiheit, Gleichheit und individueller Ausdruck

Bei dem Konzert möchte er die europäische Zusammenarbeit präsentieren, die über Grenzen hinweg problemlos funktioniere. Die Violinistin Alison Blunt ergänzt. „Die frei improvisierte Musik in Europa ist schon immer mit Ideen über Freiheit, Gleichheit und individuellem Ausdruck innerhalb eines Kollektivs verbunden gewesen. Diese Musik umfasst viele Einflüsse, da jeder frei spielende Künstler unausweichlich seine eigene künstlerisch-ästhetische Geschichte hat.“

Die Echos der „European Echos“ gehen musikalisch in zwei Richtungen: In die USA als Ursprungsland des Jazz und in die europäischen Länder. „Der Jazz Europas ist über die Jahrzehnte unabhängiger geworden – neben amerikanischen Vorbildern wie John Coltrane beziehen wir uns auch auf Komponisten wie Karlheinz Stockhausen oder Olivier Messiaen“, so Volquartz.

Spontane Improvisation

„Aber es gibt auch Echos zwischen den einzelnen Ländern – wir sind offen für folkloristische Traditionen.“ Das spontan improvisierende Ensemble möchte in unbekannte Klanggebilde vorstoßen: Keiner der Musiker kenne alle Erfahrung und musikalischen Hintergründe der anderen Beteiligten – so öffnen sie sich gegenseitig und reagieren aufeinander.

Die Musiker treten für ein vereintes Europa ein. Politische Irritationen wie der befürchtete Brexit sind für sie kontraproduktiv. Die Britin Alison Blunt: „Sollte der Brexit eintreten, brauche ich vielleicht einen europäischen Pass und einen europäischen Wohnsitz, um fast alle meine Projekte und Kooperationen weiterzuführen.“

Gut für Europa

Ove Volquartz stellte vor wenigen Tagen sein Projekt auf der internationalen Tagung „Jazz Journeys Conference“ in Graz vor. Das Konzept von „European Echos“ könnte Nachahmer finden. Das ist gut für die Musik – und gut für Europa.

Das Ensemble „European Echos“ konzertiert am Freitag, 10. Mai 2019 ab 19 Uhr in der St. Marienkirche, Neustadt 21 in Göttingen. Weitere Auftritte: 11. Mai um 19 Uhr in der Auferstehungskirche in Kassel und am 12. Mai um 18 Uhr in der Wallfahrtskirche Gottsbüren.

Von Udo Hinz

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