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Regional 32 Bands spielen in der heißesten Nacht des Jahres
Nachrichten Kultur Regional 32 Bands spielen in der heißesten Nacht des Jahres
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19:07 28.08.2011
Worst: Das Gegenmittel gegen leichte Ermüdungserscheinungen lässt zu später Stunde das Exil vibrieren.
Worst: Das Gegenmittel gegen leichte Ermüdungserscheinungen lässt zu später Stunde das Exil vibrieren. Quelle: Vetter
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In der Diva Lounge an der Kurzen-Geismar-Straße machte das Duo „Delicate Plant“ den Anfang mit gefühlvollem Singer-/Songwriter Pop. Miriam Buchhagen und Christian Nölke boten in der stimmungsvollen Atmosphäre des Kellergewölbes harmonisch intonierten, zweistimmigen Gesang und Ohrwurm-Melodien untermalt von Akustik-Gitarre und Percussion. Allein die leicht naive Agitpop-Brise, die die zarten Pflänzchen umwehte („General Steelheart is watching for you“), kitzelte etwas im Ohr.

300 Meter weiter in der St. Johanniskirche erfüllte derweil die klassisch ausgebildete Sängerin Heidi Köpp in Begleitung des Piano-Virtuosen Christoph Labitzke das Gotteshaus mit weltlichen Klängen. Ihr Programm „Pearls, Grace & Money“ beinhaltete neben selbstkomponierten Titeln wie „Can‘t stop“ oder „4000 Years“ auch eine Interpretation von Marlene Dietrichs „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ und Rezitationen von Liebesgedichten aus dem pharaonischen Ägypten. Die rund 100 Zuhörer begeisterte diese extravagante Mischung mindestens genauso wie das kulinarische Angebot mit Getränken und Stockbrot auf dem Kirchhof.

Eine schnellere Taktart hatte das „Earl Mobile Orchestra“ im Apex an der Burgstraße angeschlagen. Auch wenn die Gäste der ersten Etage sich schon nach zehn Minuten fühlen mussten wie dampfgegartes Gemüse, fuhr die „Mobile-Mischung“ in die Tanzbeine. Die siebenköpfige Band produzierte eine experimentelle Kombination aus Charleston, Dixieland, Swing, Balkan und Gypsy, die es in sich hatte. Bläserfraktion, Geige, E-Piano, Jazzgitarre und Kontrabass ergaben einen satten, dynamischen Sound, der das Publikum schwitzen ließ.

Für musikalische Verköstigung vom Feinsten sorgte im Irish Pub die „Blues-‘n‘-Boogie-Küche“. Freie Plätze im Parterre füllten sich schneller, als man „Ein Guinness, bitte“ sagen konnte. Die Göttinger Kultband um Gregor Kilian und Bernd Knappe tummelte sich mit zwei E-Pianos, Saxophon, Gitarre, Schlagzeug und Goldkehlchen Sarah Schuster auf der kleinformatigen Bühne. Mit Klassikern wie Fats Dominos „I‘m walking“, ausgedehnten instrumental-Strecken und Soli, die das Bier zur Nebensache werden ließen, begeisterte die „Haute Cuisine“ das Publikum.

Ein Gegenmittel gegen leichte Ermüdungserscheinungen gab es zu später Stunde im Exil: Die Osteroder Metalcore-Gruppe „Worst“ ließ die schwarz-weißen Fliesen inklusive „Exilanten“ vibrieren. Die melodiöse Mischung aus Thrash-, Nu- und Heavy-Metal strafte den Bandnamen Lügen und sorgte für frei gepustete Gehörgänge. „Worst“ gelang trotz hartem Bass und manischen Gitarrenläufen ein fluffiger Song-Aufbau, der mit Growls, Screams und Shouts perfekt garniert wurde.
Alles in allem ein gelungenes und gut besuchtes Altstadtfest, das dank Indoor-Konzept auch durch den abendlichen Regenguss nicht getrübt werden konnte. Allein der Blick nach Duderstadt, das am Sonnabend beim „Bürgerfest“ unter freiem Himmel feien durfte, bot Nährboden für leichten Neid.

Von Anna Kleimann