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Regional 55. Gandersheimer Domfestspiele: Start mit Musical „Cabaret“
Nachrichten Kultur Regional 55. Gandersheimer Domfestspiele: Start mit Musical „Cabaret“
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18:06 16.06.2013
Von Peter Krüger-Lenz
Drei Grazien aus dem Kit-Kat-Club: Sally Bowles (Franziska Schuster, Mitte) mit Kolleginnen (Julia Hiemer, links, und Alice Hanimyan).
Drei Grazien aus dem Kit-Kat-Club: Sally Bowles (Franziska Schuster, Mitte) mit Kolleginnen (Julia Hiemer, links, und Alice Hanimyan). Quelle: EF
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Bad Gandersheim

Doch sie wäre auch ohne dieses Kunsthaar eine temperamentvolle, sanges- und ausdrucksstarke Sally. Das hat die Premiere des Musicals am Sonnabend zum Auftakt der Festspiele vor der Stiftskirche im Zentrum Bad Gandersheims gezeigt. Regie führte der in Berlin lebende US-Amerikaner Craig Simmons.

Mit Schreibmaschine durch die Welt

Sally treibt voller Lebenshunger durch das Berliner Nachtleben der wilden 20er Jahre. Im angesagten Kit-Kat-Club trifft sie den erfolglosen US-amerikanischen Schriftsteller Cliff (Dirk Schäfer), der mit seiner Schreibmaschine durch die Welt reist und doch nicht schreiben kann. Sie verleben zusammen verliebte Wochen in der Pension von Fräulein Schneider (Petra Welteroth), dem Mikrokosmos, in dem sich das Leben spiegelt. Hier empfängt Frl. Kost (Rebecca Simoneit-Barum) ihre Matrosenfreier, hier buhlt Obsthändler Herr Schulz (Hans-Jörg Frey) um die Gunst der Pensionswirtin. Und dann marschieren die Nationalsozialisten auf, es wird finster am Horizont.

Das Musical „Cabaret“ hat Weltruhm erlangt, weil es getragen wird von Welthits. „Willkommen“ beispielsweise, gleich zum Einstieg gesungen von dem Conférencier (Jens Schnarre). Oder „Money Money“. Oder „Maybe this time“. Oder „Two Ladies“. Oder „Sitting Pretty“. Die Geschichte zeigt große Gefühle und schafft es auch noch, eine politische Aussage unterzubringen. Genau das bildet die Gandersheimer Produktion ab. Sie erfindet das Werk nicht neu, sie fügt der langen Liste der Aufführungen eine weitere hinzu.

Eine gestandene Lebedame

Hier singt und tanzt ein gut aufgelegtes Ensemble, dessen Protagonisten überwiegend im Musicalfach weit mehr zuhause sind als im Schauspiel. Spielerische Glanzlichter setzt aber Petra Weltenroth als Pensionswirtin Schneider mit Herz und Schnauze. Und eine gestandene Lebedame bringt „Lindenstraßen“-Akteurin Rebecca Simoneit-Barum auf die Bühne, für die Ausstatterin Kati Kolb zwei Podeste rechts und links des Kirchenportals entworfen hat. Und unter dem mächtigen Portalsbogen hat der musikalische Leiter Heiko Lippmann mit seiner Band Platz genommen – ein bemerkenswert präzises und professionelles Festspiel-Orchester. Viel Applaus spendete schließlich das Premierenpublikum – und stand dafür sogar auf.

► Bis 4. August zahlreiche weitere Vorstellungen bei den Gandersheimer Domfestspielen. Kartentelefon: 0 53 82 / 73 777.