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Regional Mit Dotterblumen und Eiszunge
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00:17 25.03.2017
Liedermacher Fred Timm in der "Bar Celona" in Aktion.
Liedermacher Fred Timm in der "Bar Celona" in Aktion. Quelle: Wenzel
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Göttingen

Die Uhr läuft und der Zeitplan des Comedy-Marathons wird auch genau eingehalten. 25 Minuten dauert eine Show. Das Publikum bleibt einfach sitzen. Die Künstler wechseln das Lokal, wo in dreieinhalb Stunden jeweils fünf Auftritte stattfinden. Don Clarke ist der erste auf der Bühne im ausverkauften Café „Bar Celona“. Zeitgleich eröffnet die geballte Humor-Offensive im Apex, Nörgelbuff, Monro’s Park, La Locanda, Musa und Weender Hof in Göttingen sowie im De Medici in Rosdorf.

Kaum auf der Bühne, hat Clarke auch gleich die erste Vorlage aus dem Publikum ins Programm eingebaut. Der Mann aus Manchester, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt, ist ein Vollblutkomiker. Und so wie der 61-Jährige über Eheprobleme, Alters-Wehwehchen und sein Übergewicht mit viel Selbstironie parliert, kann man sich bestens vorstellen, wie er schon zig Bühnen gerockt und manches Publikum zum Toben gebracht hat. Herrlich britisch trocken und immer eine Spur skurril überdreht.

Vor allem sich selbst nimmt auch Liedermacher Fred Timm auf die Schippe. So singt der „große Winterfan“ aus Hamburg zur Akustikgitarre davon, wie er bei minus 20 Grad mit der Zunge an einer Laterne festklebt, über das Älterwerden und seine Ex. Zur Abwehr von Groupies bekennt der sympathisch-freche Mittvierziger, der auch Mitglied der „Monsters of Liedermaching“ ist: „Ich bin schlecht im Bett, aber sonst ganz nett“. Und das Publikum singt lautstark und gutgelaunt mit.

Stand-Up-Kabarett mit schwäbischem Idiom und reichlich schwarzhumorig kommt mit Götz Frittrang auf die Bühne. Eigenarten der Jungen und der Alten sind ebenso sein Thema wie rigide Kindererziehungsmethoden („Angst und Einschüchterung sind Fundament eines geordneten Lebens“). Und eine Erklärung für das demografische Problem liefert der Träger zahlreicher Kabarettpreise auch: „Ganze Generationen endeten in der Rolltreppe bei Karstadt.“

„Ich mag Frauen mit gelben Zähnen. Dann habe ich das Gefühl, ich sehe eine Wiese voller Dotterblumen.“ Kabarettist und Comedian Klaus Bandl setzt einen ganz eigenen Farbtupfer an diesem Abend. Ganz leise erzählt der Wiener mit wunderbarem Akzent seine etwas schrägen Geschichten, dass es eine rechte Freude ist und man ganz gebannt seinen Worten lauscht. Schließlich ist er ein wahrer Meister der wohl gesetzten Pausen. Im Hauptberuf als Krankenpfleger tätig, entführt der Österreicher natürlich in den „Spitalsbereich“.

Nach den leisen Tönen schwappt mit Heinz Gröning noch mal reichlich Testosteron ins Lokal. Auch von einer gerissenen Gitarren-Saite lässt sich der Comedian, Musiker und studierte Mediziner, der nach eigenem Bekunden aussieht „wie ein grobschlächtiger, kaukasischer Karussell-Bremser“, nicht aus dem Konzept bringen. Mit kleinen Gedichten, Alltagspoesie und seinen Ultrakurz-Liedern lässt „der unglaubliche Heinz“ das Publikum noch einmal so richtig steil gehen.

Zahlreiche essende Zuschauer und ein schwierig zu bespielender Raum – die Künstler zeigten ihr großes Können. Ein sehr unterhaltsamer Abend mit einer tollen Mischung.

Von Karola Hoffmann