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Regional Abschluss des Projekts zur Grenzöffnung im Kulturkloster Duderstadt
Nachrichten Kultur Regional Abschluss des Projekts zur Grenzöffnung im Kulturkloster Duderstadt
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09:23 16.11.2019
Musikalische Lesung mit (v. l.) Jan-Philipp Möller und Lukas Dreyer. Quelle: Niklas Richter
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Duderstadt

Die Ausstellung „Heimat und Grenze“ hat am Freitagabend die Ergebnisse von Workshops des KulturKlosters Duderstadt und mehreren Schulen eindrucksvoll vorgestellt. In der Aula der St. Ursula-Schule stand eine musikalische Lesung auf dem Programm. So begeisterten die Hello Grand Band, die Blaskapelle Effelder und die Musikschule Duderstadt die Besucher mit grenzübergreifenden Klängen. Doch Zuschauer waren nur etwa 20 gekommen, „vermutlich sind alle Duderstädter beim Karneval“, mutmaßte Schwester Ingeborg Wirz.

Die Initiatorin des KulturKlosters war sichtlich enttäuscht über die geringe Besucherzahl. „Ich finde es schade, dass die Schüler der Astrid-Lindgren-Schule heute nicht hier sind“, sagte sie, schließlich stammten viele Bilder zum Thema von ihnen. Kulturreferentin Katrin Oldenburg nahm es mit Humor: „Dann wird das heute eine kuschelige Runde.“

Katrin Oldenburg und Schwester Ingeborg Wirz begrüßen das Publikum. Quelle: Niklas Richter

Bilderdrucke zur Wende

Etwa 80 Bilderdrucke waren im Zeitraum von September bis Mitte November an den Duderstädter Schulen entstanden. Die Künstlerin Annette Funke aus Halle, eine gebürtige Eichsfelderin, hatte mit den Schülern im Gelatinedruckverfahren Kunstwerke gestaltet. Die Ergebnisse sind starke Impressionen zum Thema Grenze und deren Öffnung, die über einen Beamer im Verlauf des Abends auf die Leinwand projiziert wurden. Auch musikalisch wurde einiges geboten: Besonders die Cellisten entfalteten einen Klangteppich, der seinesgleichen suchte.

Jan Philip Möller übernahm des Lesepart des Abends. Der Journalist führte darin die DDR-Vergangenheit und die Wende zusammen und erzählte eine interessante Geschichte.

Briefe erzählen die Geschichte der DDR

In Form von Briefen ehemaliger DDR-Bürger erzählte Möller die Geschichte, die mit der Gründung des sozialistischen Staats nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Die BBC habe damals Briefe aus Ostdeutschland in einer ihrer Sendungen verlesen, erläuterte er. In den Schreiben ging es meist um die Entbehrungen, mit denen die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik leben mussten. Die Briefe drehten sich um die Mauer, Grenze und Heimat – sie bildeten den roten Faden des Abends.

Obwohl die Briefe anonym verlesen wurden, setzte die Stasi alles daran, die Absender zu finden. In den Augen der DDR-Politiker hätten diese Bürger Landesverrat betrieben. „Es wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt.“ Schriftvergleiche und Fingerabdrücke wurden genommen, und unter anderem ein 16-Jähriger ermittelt. „Er wurde aus dem Klassenzimmer abgeführt“ und musste „in den Knast“, erklärte Möller.

Aus Leid wird Hoffnung

Doch die Geschichte, die mit viel Leid begann, nahm mit der Grenzöffnung doch noch ein gutes Ende. Passend dazu wurde die Musik im Verlauf der Lesung immer heiterer. Während anfangs noch kaum erkennbar „The Wall“ von Pink Floyd die rebellische Kultur vieler Ostdeutscher Bürger symbolisierte, setzte „Freiheit“ von Marius Müller Westernhagen den Zeitpunkt der Grenzöffnung perfekt in Szene. Überhaupt passte die Musik immer geradezu perfekt zur jeweiligen Zeitperiode, die Hoffnung schwang immer mit.

Die Impulse aus unterschiedlichsten künstlerischen Richtungen führte der Leipziger Musiker Lukas Dreyer zu einem passenden Gesamtwerk zusammen. Die besondere Begegnung von Ost und West im Eichsfeld 30 Jahre nach der Grenzöffnung war bei jedem Atemzug zu erkennen und zu spüren. „Das gesamte Eichsfeld findet sich zusammen, West und Ost bilden eine Einheit“, freute sich Kulturreferentin Katrin Oldenburg über die „große Bandbreite“, die gespielt und gelesen wurde.

Die Zukunft des KulturKlosters ist noch unsicher

Finanziell ist die Zukunft des KulturKlosters Duderstadt für die nächsten drei Jahre gesichert – es fehlt nur noch ein Träger für die Institution. „Die Stadt hat die Gelder für meine Stelle für die nächsten drei Jahre bereitgestellt“, sagt Kulturreferentin Katrin Oldenburg. Ihre Anstellung über die Stadt Duderstadt ist auf zwei Jahre befristet, diese Frist läuft Ende des Jahres ab. Eine Verlängerung aus dem Stadtsäckel ist nicht möglich, da die Stelle sonst entfristet werden müsste. Also wird ein Träger für die Institution gesucht, der die Kulturreferentin dann einstellt. „Zwei Interessenten gibt es derzeit“, erläutert Oldenburg. Die Stadt müsse sich nun für einen von ihnen entscheiden, doch die Zeit drängt: „Es wird langsam knapp.“

Das KulturKloster Duderstadt will Kinder und Jugendliche für Musik, Theater und Tanz begeistern. Es werden Workshops, Kulturvermittlungsformate und Aufführungen angeboten. Die Institution versteht sich als Motor für die Entwicklung von Kulturprojekten.

Von Tobias Christ

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