Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Akademische Orchester-Vereinigung gibt Konzerte in Göttingen und Northeim
Nachrichten Kultur Regional Akademische Orchester-Vereinigung gibt Konzerte in Göttingen und Northeim
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:48 27.01.2015
Konzentriert: die Musiker der Akademischen Orchester-Vereinigung mit ihrem Dirigenten Lorenz Nordmeyer. Quelle: EL
Northeim

Nur zwei Symphonien? Da ist das Wort „nur“ fehl am Platz: Bruckners Siebte ist geradezu ein Koloss, dazu ein Werk, an das sich die AOV in ihrer 108-jährigen Geschichte bislang noch nicht herangewagt hatte.

Man kann sehr wohl angesichts der hohen Ansprüche, die diese Symphonie an die Musiker stellt, Bedenken tragen, ob ein Liebhaberorchester diese Herausforderung bestehen kann. Doch solche Befürchtungen blieben gegenstandslos. Nordmeyer hatte gründliche Arbeit geleistet: Das reich besetzte Orchester spielte hochkonzentriert, ungemein präzise, beachtlich sauber in der Intonation auch in den Bläsergruppen, leidenschaftlich, lyrisch, dramatisch, entspannt, voranstürmend, mit großer Ruhe, mit anrührender Trauer und mit keckem Witz. In der Tat waren die Ausdrucksqualitäten erstaunlich vielfältig. Der Dirigent forderte sie auf ganz selbstverständliche Weise ein: Er ließ den musikalischen Phrasen Zeit zum Ausklingen und gestaltete die Tempi derart organisch, dass man den Eindruck gewann, die Musiker würden gemeinsam atmen.

Mit den Klangfarben ging Nordmeyer ähnlich sorgfältig um, ließ den Melodiestimmen gebührend Raum, dass sie vor dem Hintergrund der Begleitharmonien aufblühen konnten, forderte von den Streichern immer wieder einen ganz besonders vollen Ton ein. Der satte Sound der 13 Violoncelli dürfte den Zuhörern noch lange balsamisch im Ohr nachgeklungen haben, nicht minder der gewaltige und zugleich überaus weiche Klang der vier Wagnertuben, die das Klangbild dieser Wagner zugeeigneten Symphonie ganz charakteristisch färben.

Schuberts „Unvollendete“ war beileibe nicht auf die Rolle des Einspielstücks reduziert. Auch hier strömten die Melodien wunderbar organisch, die Tempi besaßen Ruhe, blieben aber nicht stehen, sondern strebten immer zielgerichtet voran. Eine besonders hübsche Idee Nordmeyers war es, auch das 20-taktige Fragment des dritten Satzes vorzustellen: So gewann man eine Ahnung, mit welchem Kontrast die Musik fortgesetzt worden wäre, hätte der Komponist die Gelegenheit zur Vollendung gehabt.

Der begeisterte, lang anhaltende Schlussapplaus des Publikums war hochverdient. Mit lautem Trampeln bedankten sich auch die Orchestermusiker bei ihrem Dirigenten: ein gelungener Abend, der in herzlichster Stimmung ausklang.

Von Michael Schäfer

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!