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Regional Sterneküche von Gandersheim
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16:55 11.07.2019
Fehmi Göklü in „Al dente - Ich bin hier Le Chef“. Das Theaterstück wird im Kloster Brunshausen während der Domfestspiele 2019 gezeigt. Quelle: r
Gandersheim

Die Sterneküche ist ein Wildgehege. Es geht ehrgeizig, ruppig und hastig zu, wenn das Wettrennen um eine der höchsten Auszeichnungen läuft. So stellt es Albert Dente dar in „Al Dente! - Ich bin hier Le Chef“.

Schauspieler Fehmi Göklü und Regisseurin Sarah Speiser haben fast ein Jahr das in der Klosterkirche Brunshausen aufgeführte Kammerspiel vorbereitet. Dafür befassten sie sich mit der Gastroszene, mit Fast Food, Hausmannskost, Diäten und allem was zu den Themen passt. Und so ist einiges dem Darsteller Göklü auf den Leib geschrieben und er braucht nicht viel mehr als die Kleidung eines Kochs, scharfe Messer, die Menütafel und ein paar Geschirrtücher.

Der große Traum vom Stern

Göklü spielt nicht nur den Chefkoch Al Dente, sondern auch Influencer verschiedener Nationalitäten, einen französischen Restaurant-Kritiker oder die Klartext redende Restaurant-Chefin. Aber groß raus kommt er als Al Dente. Nicht nur liebenswert erzählt der von seiner Profession und von seinem großen Traum, einen Stern zu ergattern, um endlich Menü mit einem eà la vor seinem Namen servieren zu dürfen.

Szenenfotos von „Al Dente! – Ich bin hier le Chef“ mit Fehmi Göklü

Das geht ab mit Zutaten wie Rosmarin und Rosen, Roastbeef und Hühnchen, Saibling und Labskaus, mit Weinen aus Italien und Frankreich und hat dazu immer wieder Musik, Musik, Musik. Göklü, der auch für die Musik des Schauspiels verantwortlich ist, macht zu Beginn der Vorstellung Lust aufs kulinarische Theater mit einem Potpourri, das von Carbonara bis Himbeereis zum Frühstück reicht. Das stimmt seicht ein, um dann immer wieder die Wende zu schaffen von witziger Unterhaltung zu nachdenklichen Monologen und wieder zurück.

Die Wandlungsfähigkeit des Schauspielers wird von dem mit wenigen Utensilien bestückten Bühnenbild noch betont. Eine Kochstation, ein schwarz-weißer Plastikboden, ein paar kleine weitere Utensilien - und fertig ist die Küche, in der Al Dente vom Stern träumt. Die Szenenfolge bestimmt das Menü, das er Gang für Gang eigentlich immer erklären will, um dann abzuschweifen. Erinnerungen an Familie und Freunde, an Missgeschicke und die Ideen von Möglichkeiten bringen das Schauspiel auf Touren. Dazu singt Göklü mal mitreißend Schlager und mal hinreißend Fado, fällt von einem Akzent in den nächsten, wenn er Influencer aus aller Welt mimt, die mit Koch-Blogs von sich reden machen.

Göklü in Höchstform

Nicht nur für die Fans von Fehmi Göklü ist das ein herrlicher Abend. Eineinhalb Stunden Göklü in Höchstform, wenn er professionell einen Koch mit Passion ausspielt.

Der Schauspieler, der in Berlin lebt, ist bereits „sechs glorreiche Spielzeiten“ im Ensemble der Gandersheimer Domfestspiele. In dieser Spielzeit lässt er als Albert nichts anbrennen und ist in den Stücken „Der Zauberer von Oz“ und „Der Glöckner von Notre Dame“ auf der Bühne vor dem Dom zu sehen.

Schöne Schau, schlichte Sättigung

Al Dente – ich bin hier Le Chef“ kocht gar, was man mit der Welt der Spitzenküche in Verbindung bringt: Dabei geht es um das alltägliche Essverhalten, um die schöne Schau im Restaurant und die schlichte Sättigung in mancher heimischen Küche, um die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie und die Eigenheiten von Köchen auf dem Weg zum und als Star.

Das hat Regisseurin Sarah Speiser mit Göklü so unterhaltsam wie kritisch in Szene gesetzt. Die Kochkunst kommt an. Sie macht auch Appetit auf ein Menü a la Albert, aber das wurde im Nachgang in der Klosterküche nicht serviert. Al Dente tischt nicht auf, kocht aber noch einige Male im Kloster Brunshausen. Die weiteren Vorstellungen sind ausverkauft. Schade, denn die Grüße aus der Küche von Al Dente würden sicher noch mehr Abnehmer finden.

Festspiele vor der Stiftskirche seit 1959

Seit 1959 gehen im Sommer vor dem Dom in Bad Gandersheim die Festspiele über die Bühne. Die Stiftskirche bietet eine imposante Kulisse. Was nur mit Bühnenklassikern wie „Jedermann“ oder „Faust I“ begann, ist inzwischen eine Sommerbühne für Sprech- und Musiktheater. Insbesondere die Musicals, teilweise extra für die Domfestspiele geschrieben, waren in den vergangenen Spielzeiten die Publikumsrenner. Wenn das Wetter mitspielt, sind die Vorstellungen unter freiem Himmel meist ausgebucht. Wer die Festspiele besucht, sollte sich warm anziehen und bei entsprechender Wetterprognose auch regenfest. Während die Zuschauer sich vor Wetterunbilden schützen dürfen, ist von den Schauspielern meist Durchhaltevermögen gefordert. Und so manche heiße Szene ist auch schon bei strömenden Regen dargeboten worden.

Den besonderen Einsatz einer Schauspielerin kann das Publikum auszeichnen. Seit 1998 entscheiden die Zuschauer über die Verleihung des Roswitha-Rings, der zuvor seit 1975 von einer Jury vergeben wurde. 2018 erhielt Florentine Kühne den Ring, der an die Stiftsdame Roswitha von Gandersheim (935-1002) erinnert.

Weitere Vorstellungen vom Glöckner und von Hair

Bad Gandersheim. Wegen der großen Nachfrage nach Tickets für die Gandersheimer Domfestspiele haben die Veranstalter weitere Vorstellungen angekündigt. Das Schauspiel „Der Glöckner von Notre Dame“ wird zusätzlich am 23. Juli und am 6. August gespielt, teilte die Festspiele-Gesellschaft am Donnerstag mit. Das Kult-Musical „Hair“ kommt am 30. Juli noch einmal auf die Bühne. Bislang sind für das bis zum 11. August laufende Festival bereits rund 44000 Karten verkauft worden.

Auf dem Programm der Domfestspiele stehen in diesem Jahr außerdem das Schauspiel „Spatz und Engel“ – es thematisiert die Freundschaft zwischen der Sängerin Edith Piaf und der Schauspielerin Marlene Dietrich –, das Kinder- und Familienstück „Der Zauberer von Oz“ und das kulinarische Schauspiel „Al dente! - Ich bin hier Le Chef“. Die Gandersheimer Domfestspiele zählen bundesweit zu den bedeutendsten Theaterfestivals unter freiem Himmel. Sie finden dieses Jahr zum 61. Mal statt. 2018 kamen rund 55.000 Besucher.

Von Angela Brünjes

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