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Regional Am 16. Juli wäre der Schriftsteller Jörg Fauser 70 Jahre alt geworden
Nachrichten Kultur Regional Am 16. Juli wäre der Schriftsteller Jörg Fauser 70 Jahre alt geworden
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17:34 11.07.2014
Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Göttingen

Mit der freien Mitarbeit beim Göttinger Tageblatt, beginnt die Karriere Jörg Fausers, laut Harry Rowohlt ein „Profi, der alles schreiben konnte“. Vor allem Romane wie den mit Marius Müller-Westernhagen verfilmten „Schneemann“, die Fauser Kultstatus verschafften.

In den Jahren 1969-71 lebte der am 16. Juli 1944 geborene Autor in Göttingen, wo er mit seiner Freundin „eine Bleibe in der Düsteren Straße“ fand: „Ein graues, windschiefes Häuschen direkt aus dem Mittelalter. Das Klo lag im Hof in einem Bretterverschlag und unser Zimmer oben an der Treppe.“ Dort tippte er Kritiken: „Meine Kritik des Publikumserfolgs von ‚Die Resl vom Wörthersee‘ erschien in der Samstagsausgabe des Tageblatts. Am Mittwoch brachte der Postbote mir das Honorar: 7,80 DM.“

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Von der GT-Mitarbeit, Abenden in der Kneipe „Just“, „wo immer dieselben sechs, sieben Stammgäste ihr Bier nuckelten und in ihrem Platt höhnische Kommentare über die Kommunalpolitik, den Sittenverfall und den drohenden Abstieg von Göttingen 05 von sich gaben“, sowie von der Arbeit an seinem ersten Roman erzählt Fauser nicht nur in seinem autobiografischen Roman „Rohstoff“ (1984), sondern auch in Erzählungen, in denen er sich an Göttingen als „kleine Stadt in Norddeutschland“ erinnert, umgeben von einem Land, das er als „Ausgeburt eines menschenfeindlichen Phantasten“ sieht: „Rübenfelder zwischen Kuhweiden und Brennesselstauden“.

Fausers erstes Buch verlegte 1971 der Göttinger Verleger Udo Breger: „Aqualunge“, ein Text über Rauscherfahrungen, geschrieben im Geist der amerikanischen Beat-Generation, deren Rezeption in Deutschland der mit Charles Bukowski befreundete Fauser förderte. Auf tragische Weise spiegelt sein Leben deren only-the-good-die-young-Mythos wider: Drogen, Alkohol, überbordende Kreativität, früher Tod. Am 17. Juli 1987 wurde Fauser auf der A 94 bei München von einem LKW erfasst.

Kurz vor seinem Tod war Fauser noch einmal in Göttingen. An seine Eltern schrieb er eine letzte Karte: „Liebe Mami, lieber Paps: eine immer noch teils idyllische, romantische Landschaft. Aber die Zivilisation in den kleinen Städtchen … oh Heine. Und Göttingen schmiß mich regelrecht in tiefe Depression. Laßt es Euch gut gehen, Euer Jörg.“

Von Thomas Schäfer