Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional An der Grenze zwischen Comic und Bildender Kunst
Nachrichten Kultur Regional An der Grenze zwischen Comic und Bildender Kunst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:36 20.07.2009
Gedruckt: „Liebesikonen“, darunter auch ein Handwagen mit Vogelwesen, die an Max Ernsts alter ego „Loplop“ erinnern.
Gedruckt: „Liebesikonen“, darunter auch ein Handwagen mit Vogelwesen, die an Max Ernsts alter ego „Loplop“ erinnern. Quelle: Mischke
Anzeige

Immer wieder tauchen Tiere auf in den Bildern des Italieners Stefano Ricci, ein Affe beispielsweise oder Bruno, der Bär. Als Meister Petz in Italien auftauchte und dort für Medienrummel sorgte, war Ricci in der Nähe und verfolgte die Berichterstattung. In einer Bildserie in der Galerie Apex taucht der Bär auf, der in Bayern von einem Jäger schließlich erlegt wurde. Für Ricci soll das Tier eine Art alter ego geworden sein, meinen Laudatoren des Ricci-Werkes.

Ein alter ego taucht auch in den Bildern von Anke Feuchtenberger auf, das des Surrealisten Max Ernst. Der hatte das Vogelwesen Loplop, ein nicht zu entschlüsselnder Phantasiename, Ende der 1920er Jahre in seiner Bildwelt auftauchen lassen, in den 1930er Jahren folgte ein ganzer Loplop-Zyklus. Ein ähnliches Wesen ist auch in einer Feuchtenberger-Arbeit zu sehen, dort gleich im Rudel in einem offenen Handwagen. Dass es sich tatsächlich um ein Max-Ernst-Zitat handeln könnte, legt ein anderes Bild der Künstlerin nahe. Feuchtenberger hat dort eine Frau mit zum Schlag erhobenen Hand gezeichnet. Die Figur ähnelt verblüffend jener berühmt gewordenen Jungfrau Maria von Max Ernst, die das Jesuskind züchtigt.

Dem Surrealismus, dessen Protagonisten das Unterbewusstsein zum Sprechen bringen wollten, verwandt ist auf jeden Fall das, was Feuchtenberger und Ricci zu Papier bringen. Ihre erzählerischen Bildgeschichten nehmen eigenwillige Wendungen, schlagen Haken und kräuseln sich meist zu pointenstarken Episoden.

Zufall und Spontaneität

Beide sind starke Zeichner, Feuchtenberger mit einem kraftvollen Strich, Ricci fast malerisch mit ausgeprägten Strukturen, die er bisweilen bis zum Relief auftürmt. Beider Handschrift, so unterschiedlich sie auch ist, strebt nicht nach Perfektion, sondern lässt Raum für Zufall und Spontaneität, was sie deutlich von der des üblichen Comic-Handwerks unterscheidet. Und genau hier passiert das, was Kunst spannend macht: Feuchtenberger und Ricci verwischen Genre-Grenzen, lassen sie undeutlich werden. Comic? Bildende Kunst? Eine Frage, die dadurch überflüssig wird.

Die Ausstellung läuft bis 20. September in der Göttinger Galerie Apex, Burgstraße 46. Sie ist mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Von Peter Krüger-Lenz