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Regional Jeßing feiert mit Stück über Wilhelm Busch Premiere in Ebergötzen
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08:00 27.09.2019
Schauspieler Andreas Jeßing präsentiert das Stück "Wilhelm Busch - Ein Querkopf auf dem Dorf" erstmals in der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen. Quelle: Rüdiger Franke
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Ebergötzen

Schon früh in seinem Leben haben die Geschichten von Wilhelm Busch Andreas Jeßing in den Bann gezogen. „Das hat sich als Kind bei mir schon total eingehakt“, erzählt der mittlerweile 56-Jährige. Busch sei praktisch sein Gruselpate gewesen. „Ich habe die Geschichte vom Eispeter bestimmt tausendmal gelesen und immer Blut und Wasser geschwitzt.“ Die Geschichte des Jungen, der entgegen aller Warnungen aufs Eis geht, einbricht und zum Eisklotz gefriert, später schmilzt und dann im Keller im Einmachglas zwischen Gurken und Käse aufbewahrt wird, habe ihn nicht losgelassen. Aber auch die anderen Bildergeschichten fanden sein Interesse.

Vom Eispeter zu den Gedichtzyklen

Später habe er sich dann mit den Gedichtzyklen beschäftigt, die Busch für Erwachsene schrieb, so Jeßing. „Und es gibt einen unfassbar großen Nachlass an Briefen“, so der Schauspieler. „Was mich an Busch reizt, ist seine große Naturverbundenheit und die Zerrissenheit zwischen dem ländlichen Leben und der weiten Welt.“ Er sei in München, Antwerpen und Düsseldorf gewesen und wieder zurück in die Heimat gekommen. „Man spürt die Sehnsucht, die ihn durchtränkt.“

Wilhelm Busch nennt seine Gestalten Konturwesen“, sagt Jeßing. „Er holt die ins Licht, die sonst im Schatten stehen.“ Er sei in der Lage gewesen, in seinen Zeichnungen, mit wenigen Strichen viel Emotion zu zeigen. Auf der anderen Seite habe er aber auch großartige Ölbilder gemalt.

Volkstümlich, aber auch zornig

Der Schauspieler könnte sich bei vielen Texten von Busch vorstellen, dass sie heute von einem 17-Jährigen kommen könnten. „Da sehe ich nicht den alten Mann mit Bart. Viele sehen in ihm den griesgrämigen Mann, der am Tresen sitzt“, so Jeßing weiter. „Da hat er auch viele Bonmots rausgehauen.“ Bei der Umsetzung dieser Texte für das Stück komme ihm das Akkordeon extrem zu Hilfe, sagt Jeßing, „weil es volkstümlich ist und Busch auch volkstümlich ist“. Das Instrument könne aber auch zornig sein.

Schauspieler Andreas Jeßing präsentiert das Stück "Wilhelm Busch - Ein Querkopf auf dem Dorf" erstmals in der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen. Quelle: Rüdiger Franke

Jeßings Idee ist, Wilhelm Busch in kleinen Orten auf dem Land zu spielen. Das Stück „Wilhelm Busch – Ein Querdenker auf dem Dorf“ zeigt er eine bunte Mischung aus dem Gesamtwerk des Künstlers: als Lesung, als theatralen Vorgang und auch als musikalische Einlagen. „Einige Gedichte sind auch Lieder, zu denen ich die Musik komponiert habe.“ Die Premiere am Sonnabend, 28. September, wird als Wandertheater in der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen stattfinden. Da die Zuschauerzahl begrenzt ist, gibt Jeßing zwei Vorstellungen um 17 und um 19 Uhr.

Eigene Ideen umsetzen

Jeßing ist freischaffender Schauspieler. Bis vor zwei Jahren zählte er zwölf Jahre lang fest zum Ensemble des Deutschen Theaters in Göttingen, von dem er auch bei diesem Stück unterstützt wird. „Ich habe in dieser Saison auch noch im Stück Philoktet mitgespielt“, erzählt er. Allerdings wollte er beruflich unterschiedliche Sachen machen, weshalb er sich zum Schritt in die Freiberuflichkeit entschied. „Ich habe mir die Marke gesetzt, es in drei Jahren zu schaffen.“

„Es war schon eine kühne Vorstellung“, sagt Jeßing über seine Entscheidung. „Aber es ist super, dass es sich jetzt bewahrheitet.“ In diesem Jahr habe er zusätzlich zu seinem eigenen Stück und dem Stückvertrag für „Philoktet“ bereits ein Hörbuch und einen Erklärfilm eingesprochen. Darüber hinaus befindet er sich in der Fortbildung zum systemischen Berater. „Dabei geht es darum, dass man gewohnte Muster aufbricht“, erläutert er. Die Anregung kam aus dem Team am Theater. „Ich bin ein Mannschaftsspieler, der immer ein Auge auf die Situation hat.“

Tour durch die Landkreise

Schauspieler Andreas Jeßing ist seit seiner Kindheit fasziniert vom deutschen Humoristen, Dichter, Maler und Zeichner Wilhelm Busch. Jetzt geht er mit dem Stück „Wilhelm Busch - Ein Querkopf auf dem Dorf“ auf Tour. Das Stück hat er selbst konzipiert. Gefördert wird das Stück vom Landschaftsverband Südniedersachsen. Die Premiere erfolgt am Sonnabend, 28. September, um 17 Uhr in der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen. Die Aufführung ist bereits ausverkauft. Um 19 Uhr findet eine zweite Aufführung statt. Jeßings Plan ist, mit dem Stück durch die Landkreise zu touren. Für Oktober wird ein Termin in Hann. Münden geplant. Am 3. November tritt er um 14 Uhr im Feuerwehrhaus in Etzenborn auf, am 13. November um 18 Uhr in der Historischen Spinnerei Gartetal und am 12. Dezember im Gasthaus zu Fähre in Hemeln. Interessenten an einem Gastspiel melden sich per Mail an kbb@dt-goettingen.de oder per Telefon unter 0551 / 49 69 351.

Von Rüdiger Franke

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