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Regional Anke Stelling liest in Göttingen aus ihrem preisgekrönten Roman
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12:30 07.06.2019
Anke Stelling liest im Literarischen Zentrum aus ihrem Roman „Schäfchen im Trocknen“. Quelle: Beisert
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Göttingen

Für diesen Roman erhielt die Autorin den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse. Die Schriftstellerin wagt sich zu derzeit hitzig diskutierten Themen vor: Wohnungsnot, steigende Mieten, Enteignung von Wohneigentum.

Die Autorin verbindet diese Themen allerdings mit sozialen Fragen. Bei ihr prallt das Milieu von Künstlern am Rande der Armutsgrenze auf eine im Wohlstand erstarrte Mittelschicht. Sie selber nennt ihr Werk ein „böses Buch“.

Biederes Leben in der Mitte Berlins oder Wohnen am Rande der Stadt

Stellings Grundsatzfrage: Prenzlauer Berg oder Marzahn? Gutbürgerliches und biederes Leben in der Mitte Berlins oder Wohnen am Rande der Hauptstadt in einem Milieu, das ums Überleben kämpft? In ihrem Roman steht die Hauptprotagonistin Resi zwischen diesen zwei Lebensentwürfen. Der Schriftstellerin und Mutter wurde von einem Freund der Untermietvertrag gekündigt. Damit steht ihr weiteres Leben im beliebten bürgerlichen Stadtteil infrage. Der Umzug an den Stadtrand steht an.

Plötzlich gehört sie als hochgebildete Frau nicht mehr zur wohlsituierten Bildungsbürger-Schicht – Unterschicht statt Mittelschicht. Der Roman liest sich wie eine Wutrede einer desillusionierten, innerlich verletzten Mutter an ihre Tochter – durchsetzt mit spitzen Formulierungen und einem Sinn für subtilen Humor.

Stelling arbeitet die Brutalität zwischen Schichten heraus

Im gut besuchten Literarischen Zentrum liest die in Ulm geborene und in Berlin lebende Anke Stelling mit klarer Stimme zwei Passagen aus ihrem Roman. Die Stimme der 47-Jährigen passt zur verständlichen Sprache in der sie schreibt. Ihren anschaulichen Schreibstil nutzt sie, um Menschen und die Gesellschaft detailversessen zu sezieren. So arbeitet sie die Brutalität zwischen Schichten heraus in Zeiten eines Kampfes um jeden Wohnquadratmeter. Es ist auch ein Wettstreit um Statussymbole: Miele- oder Privileg-Waschmaschine, PVC- oder Parkettfußboden?

Stellings Roman darf man auf mehreren Ebenen deuten. Zum einen beschreibt sie sehr anschaulich die dramatische Situation auf dem Wohnungsmarkt und die Abstiegsängste von Mietern. Zum anderen bietet das Buch Persönlichkeitsstudien unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten.

Gesellschaftliche Macht und Deutungshoheit

Anschaulich beschreibt sie, wie sich Menschen verändern, wenn sie „ihr Schäfchen ins Trockene“ gebracht haben. Dabei charakterisiert die Autorin das „gute Leben“ des aus der 68er-Generation erstandenen Milieus durchaus als kaltherzig und erstarrt. Am Beispiel eines Elternabends an der Schule schildert die Autorin detailliert, wie es beim Kampf um den Wohnort auch um gesellschaftliche Macht und Deutungshoheit geht.

Die Autorin erzählt in der Diskussion mit der Literaturwissenschaftlerin Anke Detken über den Ursprung zu ihrem Roman: Eigentlich wollte sie nicht über die Wohnungsfrage schreiben, doch sie habe erkannt, dass das Thema äußerst geeignet sei für einen Roman. Zudem sei es ihr wichtig gewesen, weibliche Protagonisten in Szene zu setzen und über den Lebensalltag von Frauen zu schreiben.

Perspektive als Autorin – um der Gesellschaft zu dienen

Im Gespräch erzählt die Autorin, dass erst ihr Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig ihr eine Perspektive als Autorin eröffnete und sie den Wunsch hatte, der Gesellschaft damit zu dienen. Ihre schriftstellerische Anerkennung mit steigenden Verkaufszahlen sei dann nach einem Wechsel von einem großen zu einem kleinen Verlag erfolgt. Dabei spüre sie, dass die Bedeutung der Bloggerszene im Internet steigt und das klassische Feuilleton an Boden verliert.

Das Literarische Zentrum hatte ein gutes Gespür, eine Autorin einzuladen, die sich mit einem politisch nicht gelösten Thema beschäftigt – und dabei der Literatur auch eine größere Relevanz gibt. Die Einladung nach Göttingen erfolgte noch vor der Preisverleihung in Leipzig. So erlebte das Publikum eine Autorin, die in der deutschsprachigen Literatur rasant an Bedeutung gewinnt: Am Sonntag erhält sie bereits ihren nächsten Literatur-Preis – den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg für ihr bisheriges Gesamtwerk.

Von Udo Hinz

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