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Regional Streit in der Familie
Nachrichten Kultur Regional Streit in der Familie
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21:17 24.02.2017
Von Peter Krüger-Lenz
Alle versammelt: Antigone (C. Jung), der Wächter (B. Kauff), Kreon (F. Eppinger), Ismene (D. Neff), Haimon (F. Donath) und Eurydike (G. Dey) (von links). Quelle: Thomas Müller
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Göttingen

Kreon herrscht über die Stadt. So war das damals in Griechenland, die Männer hatten das Sagen. Daran hat sich Sophokles orientiert. Regisseur Friedel, der die Fassung für das DT geschrieben hat, allerdings lebt heute in einem Land, in dem eine Frau Bundeskanzlerin ist. Warum also nicht Eurydike entscheiden lassen, die Ehefrau Kreons? Würde sich dadurch etwas ändern an der Geschichte?

Antigone wird sterben wie schon vorher einige andere Mitglieder ihrer Familie. So sieht es die Ursprungsfassung vor. Die Auseinandersetzung geht vom Streit ihrer beiden Brüder aus. Polyneikes und Eteokles sollten Theben wechselweise regieren. Als Eteokles sich weigert, den Thron zu räumen, kommt es zum Krieg. Beide fallen in der Schlacht. Doch nur Eteokles soll bestattet werden, denn Polyneikes griff ja die Stadt an. So entscheidet in der Sophokles-Fassung König Kreon, in Friedels Text lastet die Verantwortung auf den Schultern von Eurydike. Ihr Ehemann Kreon dient Eurydike als Seher, der das Unglück der Familie und den drohenden Tod voraussieht. Denn Antigone stellt sich dem Urteil entgegen, begräbt ihren Bruder Polyneikes und wird dafür angeklagt, je nach Fassung entscheiden Kreon oder Eurydike über ihr Leben.

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85 Minuten hat Eurydike an diesem 90-minütigen Theaterabend, die Entscheidung für oder gegen den Tod Antigones zu treffen. In dieser Zeit passiert vieles auf der Bühne, die sich quer durch den Theaterraum zieht. Ein Wächter (Benedikt Kauff) berichtet angsterfüllt und doch ein wenig keck von Antigones Frevel. Projektionen auf eine historische Hauswand versetzen Menschen in den zugemauerten Turm. Nebel umhüllt ein grausiges Totenballett. Die Schwestern Antigone (Christina Jung) und Ismene (Dorothée Neff) streiten, Eurydike (Gay Dey) und ihr Sohn Haimon (Florian Donath) streiten, Kreon (Florian Eppinger) und Eurydike streiten - und alle tun das irgendwann sehr laut. Das ist ein bisschen schade, denn im Gebrüll gehen eben auch Feinheiten verloren.

Am Schluss dieses wilden Abends stellt sich Eurydike schließlich die Frage, ob sie hart bleiben soll oder nachgeben. Viel spielt beim Abwägen hinein, schließlich geht es um ihre Autorität und um das Leben ihrer Verwandten. Doch wer weiß schon, ob Eurydike anders entschieden hätte als Kreon.