Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Auf der Suche nach dem Inneren der Zwiebel
Nachrichten Kultur Regional Auf der Suche nach dem Inneren der Zwiebel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:16 23.03.2012
Anzeige
Göttingen

Fast tonlos, weiß und gräulich sind Bühne und Kostüme. Nur an wenigen Stellen im Stück setzen Farben Akzente, und dann oft nur in Pastelltönen. Bloß nicht auffallen, bloß kein Profil zeigen, scheint das Motto zu sein.  Regisseur Tim Egloff und Ausstatterin Janine Werthmann haben mit diesem Kniff farblich das wiedergegeben, was Peer Gynt in seinem rastlosen Leben wird: Nur ein „So la la“, kein Engel, kein Teufel, kein Ich. Und damit genau das, was er eigentlich nie sein wollte.

Als weiteres Bild der Inszenierung findet sich die Zwiebel. Auch das heftigste Wühlen und Beißen durch die Schalen fördert nicht das Innere der Zwiebel zutage, ebenso wenig wie die lebenslange Suche Peer Gynts nach seinem Selbst. Die Zerrissenheit und Vielschichtigkeit der Figur Peer Gynt spielt das Vier-Personen-Ensemble der Inszenierung besonders heraus. Agnes Giese, Verena Saake, Dirk Böther und Jan Reinartz – sie alle sind Peer Gynt, sie alle zeigen Facetten seines Wesens, Rollentausch und Klischeebrüche inklusive. Der Träumer Peer ist alles, Mensch und Troll, Mann und Frau, alt und jung und er ist zwischen all dem doch nicht viel, eben ein „So la la“.

Die Zuschauer treffen die Wucht von Peers verzweifelter Suche und die Bitterkeit seiner Enttäuschung durch den auf die extrem schlichte Gestaltung reduzierten Rahmen besonders hart. Hier schreit die Seele eines getriebenen Menschen. Da erscheint das lichte Grau der Kostüme schon fast fröhlich und hoffnungsvoll. Am Ende steht die Frage: Hat man Mitleid mit Peer, der am Ende feststellt, dass es mit dem Glück und der Selbstfindung eigentlich ganz einfach gewesen wäre? Oder ist das Kitzeln in den Augen doch nur ein Effekt des Zwiebelöls?

Termine: 24. und 28. März, 3., 12., 17. und 28. April um 20 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Karten: Telefon 05 51 /  49 50 15.

Von Isabel Trzeciok