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Regional Aufführung der Oper „Samson und Delila“ in der Staatsoper Kassel
Nachrichten Kultur Regional Aufführung der Oper „Samson und Delila“ in der Staatsoper Kassel
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17:33 14.10.2013
Opernchor, Extrachor und Orchester: große Besetzung bei der konzertanten Aufführung in der Staatsoper. Quelle: Klinger
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Kassel

Der Schluss ist sogar ein Selbstmordattentat, bei dem gleich 3000 Menschen ums Leben kommen. Die Bösen natürlich. Eigentlich wollte der französische Komponist Camille Saint-Saëns (1835-1921) aus diesem Stoff ein Oratorium machen – dass so etwas funktioniert, hat Händel vielfach bewiesen.

Doch Saint-Saëns ließ sich von seinem Librettisten zu einer Opernfassung überreden. Diese Oper „Samson et Dalila“ hatte jetzt in Kassel in einer konzertanten Produktion Premiere. Die Begeisterung in der nur knapp gefüllten Staatsoper war groß.

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Tatsächlich teilt sich die Dramatik des Geschehens auch ohne szenische Hilfe mit. Und es treten die musikalischen Qualitäten der wunderbar farbigen Partitur noch deutlicher zutage, wenn das Orchester mit auf der Bühne sitzt und die Hörer ihm dementsprechend größere Aufmerksamkeit widmen.

Zündende Wirkung

Da gibt es fein flirrende Klänge, repetierte Akkorde, die klingen, als kräusele sich eine glatte Wasseroberfläche bei Wind. Des Komponisten Hang zum Orientalischen passt hervorragend zum Sujet. Manche lautstarken Blechbläser-Explosionen mögen vielleicht etwas äußerlich sein, aber ihre zündende Wirkung können sie nicht verfehlen.

Eingebettet in diesen spannenden Orchesterklang sind die Solo- und Chorstimmen. Die Choristen haben eine Menge zu tun, sogar mit fugierten Passagen, worin sich die Reste des ursprünglichen Oratoriumsplans manifestieren.

Dem wurden Chor und Extrachor der Kasseler Staatsoper – einstudiert von Mario Zeiser Celesti – in großem Umfang gerecht. Einzig bei besonders raschen Tempi stießen sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Unter den Solisten haben die beiden Titelfiguren, der starke Hebräer Samson und die schöne Philisterin Dalila, die größten Aufgaben. Johannes An bringt für Samson einen prächtigen, höhenfreudigen Tenor mit, setzt seine vokale Kraft klug ein, so dass er nirgends forcieren muss, und vermag emotionale Nuancen mit unterschiedlicher stimmlicher Farbgebung zu verdeutlichen.

Ansteckend feuriges Temperament

Das gilt ebenso für Ulrike Schneider als Dalila. Fast könnte man meinen, die Oper sei eigens ihretwegen in den Spielplan aufgenommen worden: Ihr Mezzosopran reicht von erstaunliche Tiefen bruchlos bis in hohe Lagen, ihr Registerausgleich ist perfekt, ihre Stimmkultur bestechend.

Espen Fegrans edler Bariton kann sich in der Rolle des Oberpriesters wunderbar entfalten. Auf gleich hohem Niveau ergänzen Hee Saup Yoon, Krzysztof Borysiewicz, Paulo Paolillo, Musa Nkuna und Marc-Olivier Oetterli das männerlastige Solistenensemble.

Yoel Gamzou musste einer Erkrankung wegen im Sitzen dirigieren. Doch nirgends litt darunter seine Leidenschaftlichkeit, sein ansteckendes feuriges Temperament. Ein zum Schwärmen schöner Opernabend.

Von Michael Schäfer

Termine: 19. und 26. Oktober, 6., 8. und 17. November um 19.30 Uhr im Kasseler Opernhaus. Spieldauer gut zweieinhalb Stunden. Karten unter Telefon 05 61 / 10 94 222.