Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional „Möchten Sie einen Zauberstab?“
Nachrichten Kultur Regional „Möchten Sie einen Zauberstab?“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:35 19.07.2019
Auftakt zum Improv Summer Madness im ThOP: Nele Kießling und Improsant improvisieren zu Buch-Texten Quelle: Udo Hinz
Anzeige
Göttingen

Mit Büchern in der Hand, in Rucksäcken oder Taschen kommen die Besucher an diesem Sommerabend in das Theater im OP (ThOP). Genau das war für das gespielte Improvisationstheater auch gewünscht: Passagen aus den Lieblingsbüchern der Zuschauer bestimmten die von den Darstellern improvisierten Szenen. Mit der Auftakt-Show „Lyrik auf den ersten Blick“ startete der „Improv Summer Madness“ am Donnerstag im ThOP – eine Reihe von elf Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Formate, deren Gemeinsamkeit das Genre des Improvisationstheaters ist.

In einem Bücherregal auf der leeren Bühne stehen die mitgebrachten Werke der Besucher – gebundene Bücher, Taschenbücher, Klassiker und Unbekanntes. Ein Buch der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren steht neben Werken von Charles Bukowski und der feministische Existenzialistin Simone de Beauvoir. Aus diesen Schriften bedienen sich abwechselnd Nele Kießling, Schauspielerin aus Hannover, und die drei Göttinger Beatriz Beyer, Thius Vogel und Jan Huttanus vom Improvisationstheater Improsant. Das Publikum bestimmt an diesem Abend noch mehr: Sie rufen den Schauspielern Seitenzahlen zu, Passagen der gewählten Seiten werden dann vorgetragen.

Zeilen werden aufgegriffen und dargestellt

Aus „Harry Potter und der Stein der Weisen“ von Joanne K. Rowling lesen die Schauspieler eine Stelle, die zufällig aus kryptisch aneinander gereihten Wörtern besteht. Das greifen die Schauspieler auf und sprechen in stichwortartig abgehackten Sätzen. Die Szene kulminiert den zum Fantasie-Roman passenden Satz: „Möchten Sie einen Zauberstab?“ Das Publikum lacht. Herausfordernd war der Griff zu einem eher langweiligem Französisch-Lehrbuch: Doch die Schauspieler spinnen daraus in französischem Akzent eine herrlich abstruse Story bei der sie eine Apotheke gründen, um näher an der Zivilisation zu sein. Lukas Liebich, erfindungsreicher Pianist bei Improsant, begleitet am Keyboard mit einer imaginären Pariser Musette.

Die Schauspieler inszenieren die Texte in unterschiedlichen Genres. Mal entsteht ohne vorherige Absprache ein Krimi, dann eine Liebesgeschichte, eine erotische Traumfantasie, ein Fantasie-Stück, eine gruselige Horror-Szene oder eine Komödie. Dabei vermeiden sie, in die reine Albernheit des Slapsticks abzugleiten. Ihren improvisierten Szenen haben stets auch etwas von der Tiefe des klassischen Theaters. Manche Szenen sind ganz kurz und pointiert. Bei anderen erleben die Zuschauen wie sich die Schauspieler die Handlung erkämpfen müssen, sich selbst gegebene Namen wieder vergessen oder mit dem gelesenen Text nichts anfangen können. Aber gerade diese Momente sind besonders amüsant, gehören zu improvisiertem Theater sowieso dazu und bekommen den meisten Applaus.

Szenen mit Tiefgang auf der Bühne

Besonders beeindruckend sind die Szenen, in denen die Schauspieler gemeinsam mehrere Bedeutungs- und Handlungsebenen erreichen. Aus einem Buch wird nur der spannungsgeladene Satz „Um Gottes Willen, Nein!“ als Grundlage für die theatralische Improvisation genommen. Was die vier Schauspieler aber daraus entwickeln ist großartig und tiefgründig: Spontan bilden sich zwei gespielte Mann-Frau-Beziehungspaare. Ein Paar wirkt hasserfüllt und scheitert an einem Heiratsantrag. Das andere Paar spielt parallel eine Bettszene bei der ein sexwilliger Mann auf eine desillusionierte Frau trifft. Wie die Schauspieler dies aus dem Stegreif spielen, ist ernst, bitter, erschreckend realitätsnah – und doch zugleich zutiefst witzig. Ein Ausschnitt aus Morten Rhues bedrückendem Roman „Die Welle“, der ein Experiment über die Manipulation durch Faschisten beschreibt, inspiriert alle vier Akteure auf der Bühne zu einer Szene in der die AfD neue Mitläufer rekrutiert – mit einer wunderbaren Nele Kießling im Kasernenhof-Tonfall.

Neben den fünf Akteuren auf der Bühne gab es an diesem vom Publikum gefeierten Abend noch eine sechste Person, die die Szenen entscheidend formte. Charlotte Kaletsch, verantwortlich für die Lichtregie, bestimmte die Länge der jeweiligen Szenen und sorgte immer wieder für unerwartete Momente: Mal lies das Licht eine längere Episode zu, mal brach Dunkelheit eine Szene nach wenigen Minuten ab – unvorhersehbar für Zuschauer wie Schauspieler.

Genau das war der Reiz dieses Abends: Überraschungen auf mehreren Ebenen.

Von Udo Hinz

Regional Leistungshüten in Duderstadt Zusammenarbeit von Hund und Schäfer

Harzer Füchse, Gelbbacken und Schafpudel gehören zu den Hunden, die mit Wanderschäfern durch die Landschaft ziehen. Gemeinsam hüten sie Schafherden, um die Landschaft zu pflegen und erhalten.

19.07.2019
Regional Zwei Open-Air-Konzerte in Göttingen Wochenende: Live-Musik im Börnerviertel

Gleich zwei Open-Air-Konzerte richtet das „Dots“ am 20. und 21. Juli im Börnerviertel in der Göttinger City aus: Zu Gast sind das Brady Winterstein Trio sowie Black Bear Basement und JuJu Rogers.

19.07.2019
Regional Cornwall im Sommer 1939 - Neuer Roman von Nikola Scott

Die in Göttingen aufgewachsene Schriftstellerin Nikola Scott schreibt in ihrem neuen Roman „Das Leuchten jenes Sommers“ über Frauen, die sich der zerstörerischen Kraft der Liebe entziehen.

19.07.2019