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Regional Aufwühlende Szenen auf umkämpfter Erde
Nachrichten Kultur Regional Aufwühlende Szenen auf umkämpfter Erde
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19:18 25.09.2011
Von Christiane Böhm
Energiegeladene Tanzszenen: Jets und Sharks (v. l.) kämpfen um die Vorherrschaft im Viertel. Quelle: Winarsch
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Arthur Laurents (Buch), Leonard Bernstein (Musik) und Stephen Sondheim (Gesangstexte) haben in der „West Side Story“ für all dies mitreißende und berührende Szenen und Melodien gefunden. Die beiden Einwanderergangs Jets und Sharks bekämpfen sich im New York der 1950er Jahre. Tony (Jets) und Maria (Sharks) verlieben sich ineinander und wollen die Feindschaft beenden. Am Sonnabend eröffnete das Deutsche Theater (DT) Göttingen die Spielzeit mit dem Musical in der Inszenierung von Mark Zurmühle und der Choreographie von Ayman Harper.

Es ist schon ein Wagnis, ein solches Musical, von dem es hunderte Aufführungen, einige Verfilmungen und wunderbare Einzelaufnahmen gibt, auf einer Sprechbühne aufzuführen. Das DT ist das erste Sprechtheater, das dafür überhaupt die Rechte bekommen hat. Nur mit der Unterstützung von DT-Förderverein und Sparkasse war das Vorhaben finanziell zu stemmen. Rund 40 Akteure bringen die West Side Story auf die Bühne, darunter neben Ensemblemitgliedern und Profitänzern einige Göttinger Jugendliche aus verschiedenen Tanzschulen und Vereinen.

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Ein Wagnis, ja, aber es hat sich gelohnt. Tänzerisch agiert das Ensemble auf hohem Niveau, ist unter der Anleitung von Choreograph Harper zu einer Einheit gewachsen. Das schlichte Bühnenbild von Eleonore Bircher und clevere Ideen ermöglichen auch auf dieser für Tanzverhältnisse kleinen Bühne viele starke Szenen.

Ein glänzend aufgelegtes Orchester liefert den Sound dafür. Der musikalische Leiter Albrecht Ziepert entschied sich für eine 19-köpfige Besetzung, die auch Bernstein favorisiert haben soll. Die Musiker müssen zwar im Bühnenhintergrund spielen. Der fehlende Orchestergraben ermöglicht aber auch einige schöne Szenen. So können die Bläser etwa beim Tanz auf die Bühne kommen, drei Streicher drehen sich bei einem der Duette von Tony und Maria mit auf der Drehscheibe.

Alois Reinhardt gibt einen herrlich gockelhaften Bernado, Michael Meichßner überzeugt in seiner ersten Rolle für das DT als aufgewühlter, hektischer Riff eben so wie Paul Enke als Action und Nadine Nollau als mal aufrührerische, mal mitfühlende Anita.
Gesanglich bleibt die Göttinger West Side Story allerdings manches schuldig. Einzig Sarah Schermuly als Maria kann stimmlich komplett überzeugen. Dass sie im zweiten Teil des Abends einige wenige Male die ganz hohen Töne nicht erreicht, liegt an einer gerade überstandenen Erkältung. Wojo van Brouwer als Tony braucht etwas Anlaufzeit, zeigt dann aber sein großes Potenzial. Die Duette geraten den beiden ausgesprochen berührend.

Insgesamt eine gelungene Aufführung, die vom Publikum ausgiebig gefeiert wurde.

Die nächsten Vorstellungen sind am 28. und 30. September um 19.30 Uhr und am 9. Oktober um 16 Uhr. Karten unter Telefon 05 51 / 49 69 11.