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Regional Alexander Schimpf spielt Aulakonzert in Göttingen
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19:10 26.03.2019
Alexander Schimpf vergleicht beim Aulakonzert Contrapunkti von Bach mit klassischen und romantischen Variationswerken. Quelle: Foto:R
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Göttingen

Es ist ein kunstvolles Spiel mit Tönen: Variationen über melodische Themen haben Komponisten aller Musikepochen inspiriert. Der Pianist Alexander Schimpf ging der Grundidee von Variationswerken auf den Grund: Im fünften Aulakonzert der Saison 2018/19 der Göttinger Kammermusikgesellschaft in der Aula der Universität stellte er Bezüge zwischen Komponisten und deren Kompositionsprinzipien her – und ließ so bekannte Werke neu hören und verstehen.

Vier Contrapunkti Bachs aus der „Kunst der Fuge“

Der in Göttingen geborene Pianist hatte folgende Grundidee: Vier Contrapunkti aus der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach stellte er in den Vergleich mit klassischen und romantischen Variationswerken. Der 37-Jährige beginnt mit Bachs Contrapunktus I – das Originalthema dieser Fugen-Variationen. Versunken spielt der Pianist das kontemplative Thema. Mit musikalischem Gespür schafft er eine magische Spannung zwischen den wenigen Tönen. Er steigert die Intensität der Variationen und lässt sie zurückhaltend ausklingen. Direkt anschließend kommt der Sprung in die Klassik: Joseph Haydns „Andante mit Variationen f-Moll“ aus dem Jahr 1793 klingt in diesem Kontext wie ein entferntes Echo auf Bach. Doch Haydn gestaltet das Variationsprinzip weit komplexer, indem er zwei Themen abwechselnd variiert und dabei zwischen Moll und Dur springt. Schimpf spielt die Variationen mit unterschiedlicher Lautstärke – so lebendig, als wären sie im Dialog mit einander. Virtuos sind seine schnellen Läufe auf den Tasten. Er findet eine passende Balance zwischen Emotion und Werktreue.

Anschließend setzt Schimpf Bach mit einem Romantiker in Bezug: Emotional distanziert geht er den komplexen Contrapunctus III an, in dem das Thema umgekehrt ist. Dies kontrastiert er mit Johannes Brahms „Variationen über ein eigenes Thema op. 21 Nr. 1 D-Dur“ – ein Werk, das erneut zwischen Dur und Moll changiert.

Hervorblitzen einzelner Töne

Zur Romantik hat Schimpf spürbar einen besonderen Bezug. Mit vollen Körpereinsatz fühlt er sich in die Melodien und Harmonien ein: Er träumt Tönen hinterher, betont vehement Passagen oder lässt einzelnen Töne hervorblitzen. Berührend zart lässt er das Stück ausklingen. Diese emotionale Interpretation ist ein Glanzpunkt des Abends.

In der Mitte des Konzertprogrammes steht die Uraufführung einer Auftragsarbeit für diesen Abend: Die „Variationen über einen Abgesang“ des anwesenden Komponisten Adrian Sieber (geb. 1975). Er gelangt über Variationen erst zum Thema. Das Werk lebt von der Abwechslung zwischen einem mystisch-ruhenden Pol und energiegeladenen Passagen. All das mündet in ein Thema impressionistischer Aura, das auf den Klaviertasten höchster Höhen und tiefster Tiefen ausklingt.

Ausreizen der Lautstärke

Anschließend intoniert Schimpf den Contrapunctus VII von Bach. Hier reizt er die rhythmischen Veränderungen aus – verwischt aber durch die Klangfülle des modernen Flügels etwas die Klarheit dieses Werkes. Hieran schließt der Pianist „Vers la flamme“ von Alexander Skrjabin an. In diesem vielschichtigen Stück zeigt er emotional die vom Komponisten vertonten imaginären Bewegungen eines gleißenden Lichtes.

Bachs Contrapunctus X führt zur „Konzertparaphrase über Verdis ‚Rigoletto’“ des Romantikers Franz Liszt. Der Komponist variiert hier Gesangs- und Orchesterstimmen für Solo-Piano – ein Virtuosen-Stück für Pianisten. Schimpf verleiht den schnellen Läufen auf den Tasten eine fließende Leichtigkeit. Er lässt die Musik aufschäumen, reizt die Lautstärke des Flügels selbstbewusst aus und führt die Interpretation gekonnt zu den wuchtigen Schlussakkorden.

Für den begeisterten und langanhaltenden Applaus des Publikums bedankte sich Alexander Schimpf mit dem gefühlvoll gespielten langsamen Satz aus Beethovens Klaviersonate „Pathétique“. Eines offenbarte dieser besondere Abend ganz nebenbei: Bei manchen Themen dient Bach noch heute als richtungsweisender und beispielhafter Maßstab.

Von Udo Hinz

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