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Regional Ausstellung „Kippenberger Catwalk“ in Duderstadts Kunsthalle HGN
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung „Kippenberger Catwalk“ in Duderstadts Kunsthalle HGN
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00:17 28.10.2013
Von Angela Brünjes
Bilderwand im Stil der Paris-Bar: Werk von Ann-Kathrin Otto. Quelle: Thiele
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Duderstadt

Auf den Fotografen Kippenberger konzentriert sich die am Freitagabend in der Kunsthalle HGN eröffnete Ausstellung „Kippenberger Catwalk“.

1976 entstand der Catwalk im Berliner Atelier „Fabrikneu“ der Modeschöpferin Claudia Skoda. „Er war immer mit der Leica unterwegs“, erzählt Skoda. Und für eine bestimmte Modenschau und Performance zum Thema Picasso sei der Flurboden auf zwölf mal sechs Metern mit Kopien von 1300 Fotografien aus „einer Woche Intimleben der Familie Skoda“ von Kippenberger gestaltet worden.

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„Wir haben den Boden elf Jahre bewohnt und dann überdeckt“, erzählt Skoda, die zur Eröffnung von „Kippenberger Catwalk“ eine Schau ihrer Kollektionen aus 40 Jahren zeigte.

Das einstige Gebrauchskunstwerk Catwalk ist 2003 entdeckt worden. Nach der Restaurierung sind die Flurelemente nun in Modulen unter Glas sicher verwahrt. Die Fotografien, von Gebrauchsspuren geadelt, sind ein Kaleidoskop des Berliner Alltags der Jungen Wilden.

Catwalk in der Kunsthalle

In der Kunsthalle HGN ist das Erdgeschoss für den Catwalk freigeräumt. Seine Dimension erkennt man vom Obergeschoss aus betrachtet, seine Geschichten aus der Nähe. Es sind Themenkomplexe, keine zufällige Abbildung einer Woche. Kippenberger, dem lange Zeit ein Konzept abgesprochen wurde und die Wahl seiner zahlreichen Mittel der Kunstkritik suspekt war, hatte immer einen Plan.

Auch in der Installation Catwalk ist der Alltag eine Komposition von Menschen und Themen: Mode und Musik, Arbeit und Leben dokumentiert oder verfremdet.

In der Ausstellung ist der Plan des Künstlers nicht nur am Boden nachvollziehbar, sondern erst recht in den konzeptuellen Bildpaaren, die Catwalk-Motive weiterdrehen. Sie sind Copy Art und stechen durch starke Kontraste hervor. Abstrakt auf andere Art sind die verwischten Polaroids mit Szenen aus dem Modeatelier. Und dann gibt es da noch die klaren Serien, die beispielsweise Claudia Skoda zeigen.

Eindrücke am Vortag der Ausstellung "Kippenberger Catwalk" in der Kunsthalle HGN.

„Halte deine Strickmaschine mal wie eine E-Gitarre, hat er gesagt“, erinnert sich Skoda an die Fotosession im Berliner U-Bahnhof Kottbusser Tor.

Eng verbunden mit Kippenberger, aber auch anderen Künstlern, ist in Berlin die „Paris Bar“. Die ist ein Teil der Ausstellung und wurde von Ann- Kathrin Otto auch auf Leinwand nachgestellt. Das Bild ist eine Hommage an Kippi, wie der Künstler auch genannt wurde, an die Kunstszene und ihre Gönner. So hat diese Paris-Bar-Bilderwand auch Motive, die mit Hans Georg Näder in Verbindung stehen.

Die Präsentation in der Kunsthalle HGN ist ein Schlaglicht auf Kippenbergers Zeit in Berlin. Fotos und Filme aus der Sammlung HGN und Privatsammlungen, aber mehr nicht aus dem großen Werk von Kippi. Das war in diesem Jahr bis August in seiner ganzen Vielfalt im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen: 300 Objekte zu einem Parcours aufgereiht. In Duderstadt ist weniger Kippi mehr.

Kippenberger Catwalk“: Die Ausstellung in der Duderstädter Kunsthalle HGN, Karl-Wüstefeld-Weg, ist sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet (bis 26. Januar 2014).