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Regional Ausstellung im Künstlerhaus Göttingen: „Kopf und Hand“
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung im Künstlerhaus Göttingen: „Kopf und Hand“
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17:13 12.07.2013
Künstlerin und Philosophin: Anne Haring (l.) und Babette Martini.
Künstlerin und Philosophin: Anne Haring (l.) und Babette Martini. Quelle: CR
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Göttingen

Auf dem Boden liegen übergroße Handformen aus Bronze. „Kopf und Hand“ heißt die Ausstellung der Künstlerinnen Babette Martini und Anne Haring. Hinter dem Titel verbirgt sich mehr als das Zusammenspiel der Objekte: ein philosophisches Forschungsprojekt.

Das Wechselspiel der beiden Künstlerinnen kommt vor allem durch die unterschiedlichen Materialien zum Ausdruck: die schweren, stabilen Bronzeskulpturen einerseits und die leichten, zerbrechlichen Gips- und Terrakottaobjekte andererseits. Wirklich verstehen kann der Besucher die Ausstellung, die die Kunsthistorikern Ute Freyer zur Vernissage mit „Sinnlichkeit für die Augen und Sinnhaftigkeit“ kommentiert, aber erst, wenn er sich auf das philosophische Thema einlässt.

„Der Prozess bestimmt das Kunstwerk“, erläutert Freyer den rund 20 Besuchern. Genau diese Auffassung vereint die beiden Künstlerinnen. „Der künstlerische Schaffensprozess wird als eine körperliche Erfahrung und in Kommunikation mit dem Medium erlebt“, erklärt Martini, die den künstlerischen Prozess zur Forschungsgrundlage ihrer Doktorarbeit in Philosophie machte.

Unfertige Arbeiten

Auf der Suche nach einer Fallstudie stieß sie auf die Künstlerin Haring aus Bath und deren Skulpturen, die „Prozesshaftigkeit“ ausstrahlen. Besonders interessierten Martini die unfertigen Arbeiten: So zeigt Harings Bronzeskulptur „Elektroden“ eine Kopfform mit einem zum Schrei verzerrten Gesicht, an dem noch die Zuläufe der flüssigen Bronze noch sichtbar sind, die Elektroden.

„Kopf und Hand“ hat aber auch eine weitere inhaltliche Komponente, die das Zusammenspiel von Denken, Handeln und Fühlen verdeutlicht. Laut Haring gehe es um den Zusammenhang zwischen beiden Körperteilen, darum, dass die Hand ausführt, was der Kopf will – wie beim künstlerischen Prozess. So stellt sie Bronzehände, in verschiedenen Formen in Holz gefasst, unter dem Titel „Werkzeug II“ aus. Sieben Jahre dauerte es, bis die beiden Künstlerinnen ihr Vorhaben umsetzten und eine gemeinsame Ausstellung kreierten.

Bis Mittwoch, 7. August, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1.

Von Noreen Hirschfeld