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Regional Ausstellung in Göttinger Galerie „Alte Feuerwache“
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17:00 11.09.2019
Jens Thiele arbeitet etwa 14 Tage an einem Bild. Intensiv, wie er sagt. Der heute in Münster lebende Künstler hat in Göttingen studiert. Quelle: R
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Göttingen

Es gibt Dinge, die werden zusammen gedacht. Zigarette und Feuerzeug etwa. Oder Sonntag und frei. Beim Wort Gemälde drängt sich Farbe auf, auch Pinsel. Dass Bilder außerdem mit Hilfe der Collagetechnik entstehen können, kommt beim weiteren Nachdenken in den Sinn. Die zusammengefügte Schnipselei kann zu interessanten Motiven führen. Die Collagen aber, die derzeit in der Göttinger Galerie „Alte Feuerwache“ zu sehen sind, beeindrucken in außergewöhnlicher Weise. Bis zum 20. September sind hier, im Ritterplan 4, Werke des in Münster beheimateten KünstlersJens Thiele ausgestellt.

„So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Mit diesem Satz drückt Galerist Jörg Dreykluft nicht nur sein eigenes Erstaunen aus. Er gibt auch die Reaktionen vieler Ausstellungsbesucher wieder. Thieles Bilder, tatsächlich „nur“ zusammengesetzt aus hunderten Papierschnipseln, wirken ohne einen einzigen Pinselstrich wie Malerei. Erstaunlich, welche Ausdrücke, welche gegenständlichen Formen, welche Gesichtsausdrücke, welche Licht- und Schatteneffekte Thiele hervorbringt. Die ausgeklügelten Kompositionen sind ins Detail hinein arrangiert. „Der stille Augenblick“ ist die Exposition überschrieben. Da ist in der Tat Stille in seinen Bildern, ein Ruhen, ein Verharren. Die Collagetechnik kommt dem zu vermutenden Anliegen, das Wesentliche zu zeigen, Überflüssiges zu vermeiden, entgegen.

Im Atelier von Max Liebermann

Da ist zum Beispiel das Bild, das das Atelier des Malers Max Liebermann zeigt. Der große Künstler selbst ist als Bild im Bild anwesend, er scheint auf sein nächstes Modell zu warten, den Betrachter. Da sind die Bilder der Reihe „Melancholie“. Unterschiedliche Gesichter, der Blick nach unten gerichtet, gedeckte Farben, Grautöne vor allem. Da sind Bilder, die Gemälde von Rembrandt, von Emil Nolde, von Wilhelm Leibl aufgreifen und den Ausdruck des Originals transportieren und transformieren. Auch von Fotografien lässt sich Thiele inspirieren.

Auf die Frage, wo er seine Ideen findet, sagt er: „Am Hauptbahnhof in Köln.“ Dort, an einem Kiosk, greift er bei Modezeitschriften und Magazinen über Architektur und Kunst zu. „Das sind tolle Fotos für meine Zwecke. Die schlachte ich aus.“ Stern und Co. kommen nicht in Frage, die Papierqualität ist nicht hochwertig genug.

50 bis 100 Seiten aus den Illustrierten

In der Reihe „Melancholie“ entstand unter anderem dieses Bild. Quelle: R

Um ein Bild zu kreieren, braucht Thiele 50 bis 100 Seiten aus den illustrierten Publikationen. An die Arbeit gehe er eher emotional, ein politischer Künstler sei er nicht. Thiele, findet Dreykluft, wähle einfach einen anderen Zugang zur Collage, als es das geneigte Publikum allgemein gewohnt ist. An Kollision, Provokation oder Parodie sei er nicht interessiert.

Thiele, der an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Braunschweig Grafik studiert und drei Jahre in Göttingen als Kunsterzieher am Felix-Klein-Gymnasium gearbeitet hat, promovierte 1974 an der Georg-August-Universität in Kunstwissenschaft. Auf seine eigene künstlerische Arbeit konzentrierte er sich erst wieder ab 2004. Die Hinwendung zur Collage habe sich zufällig ergeben, sagt der gebürtige Potsdamer. „Ich suchte einfach einen Einstieg“, blickt er zurück. Die Motivation, Collagen zu erarbeiten, sei ungebrochen. „Ich bin selbst gespannt, was mir die Lifestyle-Zeitschriften noch so bieten“, scherzt der Künstler, der sich eher als fröhlichen Menschen sieht.

Hochwertigkeit der Collagen

Thiele schafft es, den Betrachter seiner Bilder von der Hochwertigkeit von Collagen zu überzeugen. Alles nur Schnipsel – stimmt. Aber gerade das fasziniert in diesem Fall besonders. Bei gemalten Bildern sind es letztlich auch alles nur Farbkleckse, die auf der Leinwand prangen und mit Abstand betrachtet einen Blick in andere Welten eröffnen. Das schafft Thiele, der sich erfreut über das „lebendige Interesse“ des Göttinger Publikums an seiner Ausstellung äußert, auf seine Weise.

Zurück am Ort seiner Kindheit

Jens Thiele erblickte das Licht der Welt 1944 in Potsdam. Er wuchs in Göttingen auf. Hier begann er auch ein Studium der Kunstwissenschaft. In Braunschweig studierte er freie Grafik, schloss sein Studium aber in Göttingen ab. Seine wissenschaftliche Karriere begann an der Bergischen Uni Wuppertal. Von dort wechselte Thiele 1980 an die Uni Oldenburg, wo er bis 2008 als Professor für visuelle Medien lehrte und die Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur leitete. Seit 2009 arbeitet er in seinem Atelier in Münster. In den vergangenen Jahren hatte der Künstler mehrere Einzel- und Gruppenausstellungen. Mit der Exposition in der Galerie Alte Feuerwache ist er mit seinen Bildern nach rund 40 Jahren wieder am Ort seiner Kindheit vertreten. Sein erstes Buch „Jo im roten Kleid“ erhielt den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis. Sein „Erlkönig“ ist 2007 mit dem Titel „Die schönsten Bücher Österreichs“ ausgezeichnet worden. Für die musikalische Untermalung der Vernissage in Göttingen sorgten Josef Hilker und Hans-Peter Hucke mit Blues-Titeln.

Von Ulrich Meinhard

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