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Regional Großes Interesse an SchumannAusstellung in Göttingen
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13:57 12.08.2019
Der größte Raum in der Oberen Galerie des Göttinger Künstlerhauses war zu klein, um alle Gäste der Vernissage aufzunehmen. Groß war das Interesse an der Ausstellungseröffnung. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Eine Ausstellung mit Bildern der Berliner Künstlerin Sarah Schumann ist am 11. August im Künstlerhaus Göttingen in der Gotmarstraße 1 eröffnet worden. Rammelvoll war der kleine Saal in dem alten Lichtenberghaus, die Stühle reichten nicht aus. Knapp 100 Menschen waren gekommen, um bei diesem Moment dabei zu sein. Ihre Geburtstagsausstellung hätte es werden sollen – Sarah Schumann ist am 3. Juli verstorben. Unerwartet, wie es aus ihren Freundeskreis heißt. Die Malerin wäre am 12. August 86 Jahre alt geworden. „Die zerstörte japanische Botschaft und andere Malereien und Collagen“, ist die Exposition überschrieben, die bis 8. September in der Oberen Galerie zu sehen ist.

Die zum Teil großflächigen Bilder sind in der Oberen Galerie des Göttinger Künstlerhauses ausgestellt. Quelle: Meinhard

Für das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt/Main, das zu den bedeutendsten deutschen Kunstmuseen in Deutschland gehört, zählt Schumann zu den 70 wichtigsten Protagonisten der ersten Kunstszene in der Bundesrepublik. Die 1933 in Berlin geborene Tochter eines Bildhauer-Ehepaares war mehrfach in Göttingen. Christel Irmscher vom Künstlerhaus erinnert sich nur zu gut an die Begegnungen mit dieser „unglaublich beeindruckenden Persönlichkeit“. Irmscher verbindet mit ihr ein „großes Charisma“ und ein „großes Engagement für die Kunst“. „Eine Weltbürgerin“, nennt sie die Künstlerin, die sie Anfang der 1980er Jahre in der damaligen Apex-Galerie kennen- und schätzenlernte.

Viele Wegbegleiter bei der Vernissage

Zu den Gästen der Vernissage gehören viele Wegbegleiter von Sarah Schumann: Freunde, Unterstützer. Etwa Alexander Garcia Düttmann, der Berliner Professor für Philosophische Ästhetik und Kunstphilosophie, der die Laudatio hält. Auch Renate Goldmann vom Auktionshaus Van Ham Art Estate aus Köln gehört zu den Anwesenden, dazu Monika Schöller und Jörg Bong von der Geschäftsführung der S. Fischer Verlage, das Ehepaar Ströhle aus Berlin – Leihgeber allesamt. „Ohne sie wäre diese Ausstellung nicht möglich“, betont Irmscher.

Die Pose als Selbstbehauptung

Madonna der Barmherzigkeit aus Florenz hat die Künstlerin dieses Bild genannt. Quelle: Meinhard

Auf die Posen in ihren Bildern weist Düttmann hin. Posen der Zuwendung, auch Posen der Abwendung. „Warum hat sie darauf zurückgegriffen und nicht die Natürlichkeit aufgegriffen“, fragt der Professor in die Runde. Er weiß die Antwort: „Durch Posen hebt sich ein Körper von einem anderen ab.“ Die Pose sei eine Selbstbehauptung des Körpers, andererseits auch eine Zurücknahme für einen beabsichtigten Ausdruck. „Sarah zeigt uns die Stärke des Körpers – und damit ihren Geist“, verrät Düttmann die Herangehensweise der Künstlerin.

Zur Schönheit gehört der Schrecken

In einem kurz vor ihrem Tod aufgezeichneten Gespräch mit der Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger sagt Schumann, dass sie Schönheit mag, dass sie aber nicht ausreiche. Es müsse mehr werden. Deshalb der Schrecken, der immer wieder in ihren Bildern auftaucht, etwa das von Bombenangriffen zerstörte Dresden zeigt. Auf die Frage, warum vor allem Frauen zentrale Figuren in ihren Bildern sind, erklärt Schumann: „Keine Absicht. Wahrscheinlich, weil die Frau mir vertrauter ist, weil ich mich mit ihren Bedürfnissen auskenne.“

Frauenmotive verwendete Schumann häufig für ihre Bilder, die teilweise aus Collagen bestehen. Quelle: Meinhard

Der Film zeigt Sarah Schumann als alte Frau. Das Alter ist ihrem Gesicht anzusehen – ihr Geist ist hellwach. Und spürbar ist auch ihre Würde – ganz so wie auf dem Foto, das in der Ausstellung zu sehen ist. Aufgenommen vielleicht in den 1970er Jahren. Es zeigt Schumann als noch junge Frau. Dunkle Bluse, dunkler Rock, die dunklen Haare am Hinterkopf zusammengesteckt, eine Zigarette in der rechten Hand. Ihr Blick ist offen, direkt, klar, ein bisschen spöttisch. Im Hintergrund hängen Bilder an den Wänden, ihre Bilder. Sie zeigen Frauen, spürbar Persönlichkeiten, die den Betrachter anschauen, direkt, klar. Es könnten Abbilder ihrer selbst sein, Schwestern, Alter Ego – ein anderes Ich. Da gibt es eine Übereinstimmung in allen Gesichtern, ein Ausdruck, der sagt: Ich mache, was ich meine machen zu müssen. Bei Sarah Schumann ging das mit 15 los, als das Mädchen das Elternhaus verließ. Auch ihren Namen gab sie sich selbst.

Kriegs- und Nachkriegszeit prägte ihre Arbeit

Sarah Schumann wurde 1933 in Berlin als Tochter des Bildhauerpaares Dora und Kilian Schirner geboren. Sie war früh selbständig, verließ das Elternhaus bereits mit 15 Jahren. Ihre erste Ausstellung ist 1953 in Frankfurt/Main ausgerichtet worden, der Titel der Exposition hieß „Schock-Collagen“. Darin verarbeitete sie Erlebnisse aus Kriegs- und Nachkriegszeit. Sarah Schumann bereiste, lebte und arbeitete in anderen Ländern und kehrte 1968 nach Berlin zurück. Anfang der 1970er Jahre war sie aktiv in der feministischen Bewegung; große Aufmerksamkeit erfuhr die Ausstellung „Künstlerinnen international 1877 –1977“, an der Schumann maßgeblich beteiligt war. Bei dieser von Protesten begleiteten Ausstellung wurden erstmalig in Deutschland bedeutende Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts präsentiert, darunter Paula Modersohn-Becker, Frida Kahlo, Eva Hesse, Maria Lassnig, Mary Bauermeister, Ulrike Rosenbach und Diane Arbus.

Ein Stipendium führte Schumann 1977 bis 1978 in die Villa Massimo nach Rom. Anfang der 1990er Jahre bereiste sie Russland. Die Malerin lebte viele Jahre mit der Schriftstellerin Silvia Bovenschen zusammen. Bovenschen schrieb mit „Sarahs Gesetz“ ein Buch über ihre Lebensgefährtin. Seit 2018 wird der künstlerische Vorlass durch Van Ham Art Estate betreut – und jetzt der Nachlass. Die Malerin galt als eine der wichtigen Vertreterinnen der Nachkriegsmoderne.

Werke von Sarah Schumann finden sich in deutschen und internationalen Privatsammlungen sowie in der Berlinischen Galerie, im Museum Wolfsburg, im Museum Morsbroich in Leverkusen sowie im Museum of Modern Art in New York.

Während der Ausstellung im Künstlerhaus Göttingen werden Filme über Sarah Schumann gezeigt. Führungen durch die Ausstellung gibt es am 24. August, ab 11 Uhr, mit Klara Wagner (wenn gewünscht in englischer Sprache) und am 4. September, ab 17 Uhr, mit Alexander Leinemann.

 

Von Ulrich Meinhard

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