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Regional „Zeit-Schnitte“ von Tamara A.Y. Wahby in der Wasserscheune
Nachrichten Kultur Regional „Zeit-Schnitte“ von Tamara A.Y. Wahby in der Wasserscheune
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12:00 18.03.2019
Unter dem Titel "Zeit-Schnitte" stellt Tamara A.Y. Wahby derzeit in Erbsen aus. Quelle: Lisa Hausmann
Erbsen

Die Vergänglichkeit der Architektur hat Tamara A.Y. Wahby auf ihren Werken der Ausstellung „Zeit-Schnitte“ verewigt. Seit Sonntag sind die Bilder im Studio Wasserscheune in Erbsen zu sehen.

Über drei Etagen hinweg sind die rund 35 Werke von Wahby im Studio Wasserscheune ausgestellt. Übergreifend mit dem Thema „Zeit-Schnitte“ benannt, unterscheiden sich die Werke thematisch in den einzelnen Etagen. Folien, Teefilter und geborstene Steine sind in der unteren Etage zu sehen. „Wie die Zeit vergeht“, bezieht sich Günther Quentin bei seiner Einführungsrede auf eine Fotografie, die den Prozess des Verwelkens eines Alpenveilchens zeigt. Die eigentlichen Alltagsgegenstände wurden von Wahby zu einem Thema aufgegriffen, dass oftmals durch Adjektive beschrieben wird. „Glänzend und geborsten“ heißt eines der Werke, das zersprungene Steine zeigt. Sogar ein Wespennest ist in Nahaufnahme zu sehen.

Ziel vor Augen beim Erstellen

Die Werke sind sogenannte Scans als fotografische Arbeiten. Manche Ideen überkommen Wahby nach eigenen Angaben spontan. „Das Wespennest habe ich gesehen und bin sofort zu meinem Scanner gelaufen“, erzählt die Fotografin. Sie habe immer ein Ziel vor Augen, sodass sie von vorneherein wisse, wie das Bild am Ende aus zu sehen habe. Scans sind fotografische Bilder, die ohne Kamera aber mithilfe eines Flachbettscanners entstehen. Über einem Kamin hängt ein Scan, das den Titel Foliengletscher trägt, der den Betrachter die Kühle des Eises beinahe spüren lässt. Auf den zweiten Blick ist jedoch zu erkennen, dass kein Eis, sondern Frischhaltefolie abgelichtet wurde. „Ich möchte den Betrachter aufs Glatteis führen“, meint Wahby.

Früher war alles besser?

„Zeit-Schnitte“ ist der Titel der Ausstellung, weil nach Angaben von Wahby ein Foto nicht das Fotografierte, sondern die Zeit festhält. Die mittlere Etage zeigt jeweils zwei Zeit-Schnitte gegenübergestellt. Zu sehen sind bekannte Göttinger Straßen: Bildausschnitte von vor rund 100 Jahren wurden in Bilder aus der Gegenwart eingefügt. Nicht nur die schlechtere Qualität und farblose Darstellungen machen die Kontraste von früher und heute deutlich. Besonders ins Auge fällt der Bahnhof, der früher aufgrund seiner flächenübergreifenden Bepflanzung an eine grüne Oase erinnert, während heute die Steinfassaden Überhand gewonnen haben. „Die Frage, die bei der Betrachtung der Bilder mitschwingt, ist: Sieht so das Stadtbild aus, das wir uns wünschen? Alles gleicht mittlerweile einander“, sagt Quentin. Die Steine der Innenstadt seien die gleichen wie in anderen Innenstädten. Früher sei die Stadt chaotisch gewesen, aber da habe sie immerhin einen Wiedererkennungswert gehabt.

Ausstellung bis 19. Mai

Die dritte Etage zeigt Bauwerke in ihrer Vergänglichkeit. „Es wird vergangene Zeit in gelungener Komposition gezeigt, die zum Bewundern und Nachdenken anregt“, sagt Quentin zu den rund 60 Anwesenden. „Kunst zu erkennen, ist wirklich eine Kunst.“ Die Kunst von Wahby öffne die Augen und bewege die Herzen. „Mein Fokus liegt auf dem Bild, ob das dann Kunst ist, muss jeder für sich selbst entscheiden“, erklärt Wahby.

Die Ausstellung „Zeit-Schnitte“ ist bis zum Sonntag, 19. Mai, im Studio Wasserscheune, Alte Dorfstraße 4 in Adelebsen, Ortsteil Erbsen, einsehbar. Die Galerie hat sonntags zwischen 15 und 18 Uhr sowie nach telefonischer Anfrage geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Die Ausstellungsstücke kosten zwischen 80 und 700 Euro.

Nach Angaben der Betreiber des Studio Wasserscheune wird die Ausstellung „Zeit-Schnitte“ von Tamara A.Y. Wahby eine der letzten Ausstellungen der Galerie sein. Ende des Jahres wird die Galerie schließen. „Zeit-Schnitte“ ist die 168. Ausstellung. Seit 20 Jahren stellt die Wasserscheune Werke aus. „Es muss einfach mal ein Zeitschnitt gemacht werden“, sagt Günther Quentin.

Von Lisa Hausmann

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