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Regional Walleck und Geister zeigen prägende Erinnerungen aus der Kindheit
Nachrichten Kultur Regional Walleck und Geister zeigen prägende Erinnerungen aus der Kindheit
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13:00 15.02.2020
Ausstellungseröffnung in der Torhaus-Galerie: Einführung von Hans-Jürgen Leffler (l.). Rechts (v. l.) Johanna Diener (Musik) sowie Holger Walleck und Charlotte Geister. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Erinnerungen an die Kindheit werden im Alter immer präsenter — das Langzeitgedächtnis ersetzt das Kurzzeitgedächtnis. Die Göttinger Künstler Holger Walleck und Charlotte Geister thematisieren beide seit ein paar Jahren in ihren Werken Erinnerungen aus ihrem Leben. Unter dem Titel „Weit entfernt und doch so nah“ finden sie jetzt zu einer sehenswerten Doppelausstellung in der Torhaus-Galerie zusammen. Am Freitag, 14. Februar, wurde die Ausstellung im Beisein vieler Kunstinteressierter eröffnet — musikalisch umrahmt von Johanna Diener mit Miniaturen für Solo-Violine.

„In diesen Bildern geht es um Erinnerungen aus der Kindheit, die uns geprägt haben“, so der Göttinger Kunstpädagoge Hans-Jürgen Leffler in seiner Einführung. „Ferne und Nähe lassen sich als eine dialektische Einheit sehen.“ Die Künstler hätten in einem Gespräch eher zufällig erfahren, dass sie sich mit der gleichen Thematik beschäftigen — da bot sich eine gemeinsame Ausstellung an.

Eigene Erinnerungen wecken

Holger Walleck verrät auf seinen hellen Bildern viel über seine Kindheit: Da taucht die Elbe seines Geburtsorts Hamburg auf, Hund und Katze, Wald, Kleingarten. „Durch das Medium der Kunst werden Erinnerungen vergegenwärtigt — das Malen ist ein Dialog mit dem Bild und mit mir selber“, erzählt Walleck im Gespräch. „Das Collagierte steht bei den Bildern im Vordergrund, die verschiedene Erinnerungen vereinen. Die Bilder sollen auch die Fantasie des Betrachters anregen und eigene Erinnerungen hervorrufen.“

Der Künstler vereint abstrakt wirkende Farbflächen mit figurativen Formen und fügt collagenhaft Textfragmente hinzu. Beispielhaft sein Werk „Schale der Erinnerung“: Um einen großen Kopf mit geschlossenen Augen gruppieren sich skizzenhafte Motive wie Blume, Haus, Hund oder Vogel sowie deutlich lesbar der Satz „Es gibt keinen Weg zurück“ — wie eine rückblickende Quintessenz, das Leben zu akzeptieren, wie es war und ist.

Strukturen aus Nähgarn

Charlotte Geister bringt in ihre Bilder Strukturen aus Nähgarn ein. „Seit zwei Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Erinnerungen und stelle neue Arbeiten vor“, erzählt Geister. „In meinen Bildern arbeite ich mit Schichten, weil auch Erinnerungen wie Schichten übereinander liegen.“

Ausstellungseröffnung in der Torhaus-Galerie mit Arbeiten von Charlotte Geister und Holger Walleck. Quelle: Niklas Richter

Ihre Serie „Kein Kinderspiel“ setzt sich mit der Kindheit auseinander: Das Bild „Flora“ kombiniert Zeichnungen von Blüten wie in einem Schulheft mit aus Nähgarn gebildeten Linien. Das Bild „ABC“ besteht aus schwarzen Buchstaben, blutroten Nähgarn-Linien, einem durchscheinenden, karierten Papier und einer Kinderzeichnung. Von Poesie durchdrungen ist ihre Serie „Im Versteck“. Die vier Kunstwerke wirken dreidimensional schwebend. Als Basis dient ein mit Gespür für Farben gefärbtes Papier in leuchtendem Rot, dezentem Violett sowie Blau und Grün. Darauf ist ein papiernes Kleid gelegt, dass ein Kind symbolisiert. Darüber ist eine Schicht aus transparentem Organza-Gewebe gelegt, in das florale Formen wie Blätter und Blüten gestickt sind. Eine Kunst gewordene Geschichte, die davon erzählt, wie sich ein Kind hinter Jasmin-Pflanzen versteckt.

Beide Künstler ergänzen ihre Bilder durch Objekte. Geister zeigt beispielsweise ein von der Decke hängendes „Wolkenkuckucksheim“ aus Holz, Federn, Papier und Zinnfiguren. Walleck präsentiert Fundgegenstände auf einem Kalksandstein. Zum Beispiel symbolisieren eine Kartoffel und eine Rohrzange sein Vater-Sohn-Verhältnis.

Ausstellungseröffnung in der Torhaus-Galerie mit Arbeiten von Charlotte Geister und Holger Walleck. Foto: Thomas und Kristina Schirmer mit der Arbeit von Holger Walleck: „Schale der Erinnerung“. Quelle: Niklas Richter

Die Werke der beiden Künstler berühren den Besucher der Ausstellung: Plötzlich tauchen eigene Kindheitserinnerungen auf. Die große Kunst dieser Bilder ist es, den Betrachter auf einer emotionalen und persönlichen Ebene zu erreichen.

Die Ausstellung ist bis zum 15. März 2020 zu sehen in der Torhaus-Galerie, Kasseler Landstraße 1, Göttingen. Öffnungszeiten: freitags bis sonntags, jeweils von 15 bis 17 Uhr.

Von Udo Hinz

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