Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Heute wäre Werner Tübke 90 Jahre alt geworden
Nachrichten Kultur Regional Heute wäre Werner Tübke 90 Jahre alt geworden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:08 29.07.2019
Besucher besichtigen das Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen. Quelle: Martin Schutt/dpa
Anzeige
Leipzig/Clausthal-Zellerfeld

Ein bisschen wie ein Raumschiff thront das Panorama Museum auf dem Nordthüringer Schlachtberg in Bad Frankenhausen. Was sich in dem runden Beton-Bau, im Volksmund aufgrund des Äußeren auch „Elefantenklo“ genannt, verbirgt, stammt zumindest aus einer anderen Zeit: das riesige Bauernkriegspanorama des Leipziger Malers Werner Tübke (1929-2004), der auch im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld seine Spuren hinterließ. Zehn Jahre arbeitete er an dem Monumentalbild, das vor 30 Jahren, kurz vor dem Ende der DDR eröffnet wurde, und bis heute über drei Millionen Besucher angezogen hat. Tübke, einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart, wäre am Dienstag (30. Juli) 90 Jahre alt geworden.

Werner Tübke wurde am 30. Juli in Schönebeck an der Elbe geboren und ging dort zur Schule. Früh wurde seine Begabung erkannt: Im nicht weit entfernten Magdeburg erhielt er schon als Kind privaten Zeichenunterricht. 1948 ging er zunächst zum Studium nach Leipzig an die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), und wechselte dann 1950 zum Studium der Kunsterziehung und Psychologie an die Universität Greifswald. Nach dem Staatsexamen 1952 kehrte er nach Leipzig zurück, war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralhaus für Laienkunst, Assistent und schließlich Oberassistent im Grundlagenstudium an der HGB. Aus diesem Amt wurde er 1957 aus politischen Gründen entlassen, aber einige Jahre später wieder eingestellt.

Umfangreiches Werk hinterlassen

1972 wurde er zum HGB-Professor ernannt und war von 1973 bis 1976 Rektor der Leipziger Kunsthochschule. Tübke hat ein umfangreiches Werk hinterlassen: rund 6 000 Zeichnungen, 500 Aquarelle, 350 Gemälde und mehr als 200 Druckgrafiken. Von seinem Amt als Hochschulrektor ließ sich Tübke 1976 beurlauben, um an seinem größten Werk zu malen: Bis 1987 arbeitet er an der „Frühbürgerlichen Revolution in Deutschland“ - so lautete der Titel des Bauernkriegspanoramas in Bad Frankenhausen als Auftragswerk der SED-Regierung. Dieses 120 Meter lange und 14 Meter hohe „Welttheater“ mit seinen mehr als 3.000 Figuren auf einer Fläche von mehr als 1.700 Quadratmetern beeindruckt bis heute mit seiner Größe und seinem Detailreichtum. Bad Frankenhausen war 1525 Schauplatz der letzten großen Schlacht des Bauernkrieges.

Tübke zählt mit den ebenfalls bereits gestorbenen Malern Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer zu den Begründern der sogenannten Leipziger Schule. Kritiker warfen dem DDR-Maler vor, zu staatsnah gewesen zu sein und von Privilegien profitiert zu haben, die andere Künstler damals nicht hatten. Andere Stimmen verweisen wiederum auf Tübkes Abkehr vom sozialistischen Realismus.

Flügelaltar für die St. Salvatoris-Kirche in Clausthal-Zellerfeld

Eines seiner letzten großen Werke war der achtteilige Flügelaltar für die evangelische St. Salvatoris-Kirche in Clausthal-Zellerfeld im westlichen Harz, in dem mehr als drei Jahre Arbeit stecken und der 1997 eingeweiht wurde. Am 27. Mai 2004 starb Werner Tübke im Alter von 74 Jahren in Leipzig.

Das Panorama Museum in Bad Frankenhausen zeigt anlässlich des 90. Geburtstages des Künstlers und des eigenen 30-jährigen Bestehens noch bis zum 3. November die Sonderausstellung „Unter fremden Menschen. Werner Tübke - Von Petersburg bis Samarkand“. Gezeigt werden rund 100 Werke, die im Kontext seiner Reisen durch die damalige Sowjetunion entstanden sind, darunter Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken. Und auch in seiner sachsen-anhaltischen Heimatstadt wird zum 90. Geburtstag an den berühmten Künstler und Sohn der Stadt erinnert: Im Schönebecker Industrie- und Kunstmuseum sind noch bis zum 1. September in einer Ausstellung Grafiken, Zeichnungen und Aquarelle von Tübke zu sehen.

Drei Millionen Besucher sehen Tübkes Bauernkriegspanorama

In den rund 30 Jahren seit seiner Eröffnung haben nun drei Millionen Gäste das Panorama Museum in Bad Frankenhausen besucht. Die Marke sei am Donnerstag geknackt worden, sagte Silke Krage, die Leiterin des Museumsmanagements. Als dreimillionste Besucherin bekam Maren Mechthild Meyer-Wünsch aus Hannover unter anderem den Eintritt und Museumkataloge geschenkt.

Das Kernstück des Museums ist das riesige Bauernkriegspanorama, das der Leipziger Maler Werner Tübke 1987 fertig stellte. Das 14 mal 123 Meter große Rundgemälde hatte die DDR-Regierung 1976 zum 500. Geburtstag des Theologen und Reformators Thomas Müntzer (1489-1525) in Auftrag gegeben. Es sollte an die Bauernaufstände in Deutschland vor damals 450 Jahren erinnern, die Müntzer anführte. Tübke lieferte dann aber ein geschichtsträchtiges Werk im Stil alter Meister, das von Sündenfall, Weltuntergang und Erneuerung erzählt.

Das Museum steht auf dem Schlachtenberg, wo die aufständischen Bauern einst gegen fürstliche Heere kämpften. Es eröffnete 1989. „Im Durchschnitt besuchten uns seitdem jährlich 100 000 Gäste - nicht schlecht für ein Museum fernab der großen Kulturstraßen, die etwa nach Weimar führen“, sagte Krage.

Das sei aber eine rechnerische Größe. Tatsächlich seien 1990 auf Grund des Mauerfalls 170 000 Besucher gezählt worden. „Wir sind grenznah gelegen, viele Besucher kamen etwa aus dem Westharz und kamen vom Kyffhäuser zu uns.“ In den 90er Jahren bewegten sich die Besucherzahlen bei jährlich 110 000. Seit dem Tod Tübkes (1929-20049 gingen die Zahlen merklich zurück, pendelten sich aber bei stabilen 70 000 bis 75 000 pro Jahr ein, sagte Krage.

Das 30-jährige Bestehen feiert das Museum nicht am eigentlichen Eröffnungsdatum, sondern beim Museumsfest im Oktober. Dafür sei etwa ein großes Kinderprogramm mit Laternenumzug, Live-Musik und Führungen geplant, so Krage. Auch eine Sonderausstellung, die nur an diesem Tag zu sehen sein wird, sei angedacht.

Tübke wäre am 30. Juli 90 Jahre alt geworden. Aktuell zeigt das Museum eine Sonderschau mit Werken, die unter anderem auf seinen Reisen durch die Sowjetunion entstanden. dpa

Von Romy Richter

Am 3. Juli verstarb die Malerin Sarah Schumann. Im Künstlerhaus Göttingen soll ab Sonntag, 11. August, die letzte Ausstellung gezeigt werden, die sie noch selbst konzipiert hat.

28.07.2019

Ein Dorf, die Clique, der Alkohol: Wie es war, in der Provinz aufzuwachsen, erzählt der gebürtige Göttinger Rex Richter in seinem neuen Roman. Dem ehemaligen Musikstar ist mit „Bierkind“ ein bemerkenswert authentischer Coming of Age-Roman gelungen.

26.07.2019
Regional Konzert auf Burg Hardeg - Pit Budde nach 40 Jahren zurück

Es muss eines der ersten Konzerte auf Burg Hardeg gewesen sein. Pit Budde war Ende der 70er-Jahre mit seiner damaligen Band Cochise zu Gast im Muthaussaal. Jetzt kommt er mit Karibuni.

26.07.2019