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Regional Autorin bekennt sich als Angsthase
Nachrichten Kultur Regional Autorin bekennt sich als Angsthase
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17:35 08.11.2011
Jubu-Crew (vorn links) spricht mit Autoren: Martin Klein, Krystyna Kuhn, Ursel Scheffler, Dietlof Reiche, Cornelia Franz, Ute Krause und Angela Gerrits (sitzend, von rechts). Quelle: Heller
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Die Situation selbst ist im echten Leben niemals schön. Aber die Erzählung im Nachhinein kann durchaus zum genüsslichen Nervenkitzel werden. Das wissen auch die Autoren der 43. Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sie sind Experten in Sachen Spannung. „Grauenvolle Seiten“ lautet in diesem Jahr das Thema. Die Jubu-Crew hat die Autoren Cornelia Franz, Angela Gerrits, Martin Klein, Ute Krause, Krystyna Kuhn, Dietlof Reiche und Ursel Scheffler zur „grauenvollen Fragestunde“ in die Esoterik-Ecke der Buchhandlung gebeten.

Scheffler bringt das Faible für schaurig-aufregende Geschichten auf den Punkt: „Gruseln ist in Mode, weil unser Leben in den vergangenen 50 Jahren so friedlich war – Gott sei Dank.“ In ihrer Kindheit, sie ist Jahrgang 1938, gab es kaum Kinderbücher. Wie die meisten der älteren Autoren aus der Runde hat sie Karl May gelesen, Bücher also, die in eine andere Welt führten. „Wir haben so viel Grauen erlebt, dass wir keine Sehnsucht nach Gruselbüchern hatten“, sagt die Erfinderin von Kommissar Kugelblitz.

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Auch Krystyna Kuhn gruselt sich im wirklichen Leben nicht gern. Die Autorin von Thrillern und Krimis ist ein bekennender Angsthase. Blut sehen kann sie gar nicht. Als ihre Tochter sich verletzt hatte, musste sie deshalb sogar mal die Nachbarn zu Hilfe ­holen.

Cornelia Franz erzählt von einem schaurigen und gleichermaßen berührenden Erlebnis. Ihre Großmutter, bei der Franz aufgewachsen ist, war gestorben, und die damals 17-Jährige war allein im Haus. Plötzlich fühlte sie, wie ihr jemand sanft übers Haar strich. „Das kann nur Oma sein“, dachte Franz und drehte sich vorsichtig um. Es war aber die Antenne des Kofferradios, das auf ihre Bettdecke gerutscht war.

„Es gab aber etwas in mir, das glaubte, dass Tote sich melden können“, sagt Franz, die dieses Erlebnis als ein Mosaiksteinchen in eine ihrer Geschichten eingebaut hat, an deren Anfang zwar ein Plan steht, der sich im Verlauf der Buches aber immer wieder ändern kann. Von dieser Arbeitsweise hält Dietlof Reiche nichts. Seine Bücher bekommen genau wie die vor Angela Gerrits vor der Niederschrift eine feste Struktur. Der Erfolg bei den jungen Lesern gibt allen drei Autoren Recht.

Martin Klein und Uta Krause sind in ihrer Arbeit als Schriftsteller eine besondere Verbindung eingegangen. Krause hat für den „Fluch der Karibik“-Fan „das Raubschaf“ und der „Ruf der Karibikwölfe“ illustriert. Klein sagt über seine Geschichten: „Meine Bücher halten keiner genaueren Gruselbestimmung stand.“ Für die Organisatorin der Jugendbuchwoche Ruth Cornelie Hildebrandt steht das allerdings außer Frage. Das Grauen halte sich zwar in Grenzen, es sei aber auf eine, wenn auch komische Weise, vorhanden. Im Anschluss an das Gespräch mit der Jubu-Crew las Krystyna Kuhn aus ihrem neuen Thriller aus der Reihe „Das Tal“. Die Serie spielt an einem Elite-College in den kanadischen Rocky Mountains.

Die Jugendbuchwoche geht am heutigen Mittwoch mit einer Lesung von Ute Krause weiter. Sie liest um 16 Uhr in der Sparkasse Duderstadt, Bahnhofstraße 41, aus ihrem Roman „Osman – Der Dschinn in der Klemme“ (für Kinder ab acht Jahren).

Von Eida Koheil