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Regional Bad Hersfelder Festspiele: „Show Boat“ in der Stiftsruine
Nachrichten Kultur Regional Bad Hersfelder Festspiele: „Show Boat“ in der Stiftsruine
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16:48 29.07.2014
Von Peter Krüger-Lenz
Großes Glück am Hochzeitstag: Magnolia Hawks (Milica Jovanovic) und Gaylord Ravenal (Jan Ammann) heiraten.
Großes Glück am Hochzeitstag: Magnolia Hawks (Milica Jovanovic) und Gaylord Ravenal (Jan Ammann) heiraten. Quelle: Iko Freese / drama-berlin.de
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Bad Hersfeld

Bei den Festspielen stand jetzt die nicht ausverkaufte Premiere des Musicals „Show Boat“ auf dem Programm. Die Geschichte habe nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, haben viele der Organisatoren und Kritiker beschworen. Selten hat eine Floskel unsinniger geklungen.

„Show Boat“, uraufgeführt 1927 in New York, gilt als das erste Musical, bei dem nicht allein die Show im Vordergrund steht. Hier werden tatsächlich auch soziale und zwischenmenschliche Probleme verhandelt – in den Grenzen, die das Genre Musical setzt. Die Unterhaltung steht natürlich weiter im Vordergrund, die Brüche bleiben an der Oberfläche.

Rassentrennung

Magnolia Hawks, die Tochter des „Show-Boat“-Kapitäns, verliebt sich in den smarten Gaylord Ravenal. Der verdient sein Geld als Spieler und verlässt Frau und Kind. Das Ehedrama spielt sich zum einen vor der Kulisse eines menschenverachtenden Showbusiness ab, zum anderen aber auch vor der Rassentrennung. „Nur für Weiße“ steht auf dem einen Wasserfass geschrieben, direkt daneben steht das für die Schwarzen.

Bühnenbildner Knut Hetzer hat den hinteren Teil der Bühne mit einem Baumwollfeld ausgestattet, ganz am Ende baumeln Farbige am Galgen, und der Ku-Klux-Klan hetzt einmal Schwarze umher. Das spiegelt einerseits vielleicht eine Realität der 20er-Jahre, ist aber an Klischee kaum mehr zu überbieten. Selbstverständlich muss das Musical Kontroversen auslösen, wenn diese Historie derart schlicht reflektiert dargestellt wird. Das allerdings ist das einzige, was schlicht gebaut ist in dieser Produktion. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert.

Kleines Bühnenbild im großen

Vom Show Boat sieht man die Reeling und den großen Namensschriftzug. Buchstaben können gewendet werden, dann sind sie kleines Bühnenbild im großen. Hier wirbelt ein zahlenmäßig großes Ensemble, choreographiert von Melissa King, die auch Regie geführt hat. Ganz oben auf der Liste der Darsteller stehen Milica Jovanovic, die sehr solide eine brave Kapitänstochter Magnolia spielt. Ihren Ehemann Gaylord Ravenal legt Jan Ammann mit starker Stimme, aber facettenarm wie eine ganz dünne Version von Clark Gable als Rhett Butler an. Ausstatterin Judith Peter hat dem Charmeur auch noch dessen feines Oberlippenbärtchen verpasst. Beide werden klar in den Schatten gestellt von Walter Reynolds. Er altert als Joe mit ganz viel Würde und besingt kraftvoll den „Ol’ Man River“.

Und dann ist ja auch noch Michael Schanze dabei. Er gewann im vergangenen Jahr den Publikumspreis für seinen Milchmann Tevje in „Anatevka“. Diesmal ist er der Show-Boat-Kapitän und spielt ihn mit ebenso großem Herzen wie den armen Milchmann, der so reich beschenkt ist mit seinen Töchtern. Ach, im kommenden Jahr findet sich bestimmt wieder eine Rolle, in der der TV-Entertainer wenig spielen muss und einfach sein darf.

Unterhält glänzend

Man muss kein großer Prophet sein, um der Produktion großen Erfolg vorherzusagen. Sie unterhält die Besucher glänzend, sie ist sauber inszeniert, und es gibt viel zu sehen auf der Bühne. Rund 135 Minuten dauert das Spektakel, langweilig ist es nie. Dafür sorgt auch das blendend aufgelegte Festspielorchester unter der Leitung von Christoph Wohlleben.

Bis Sonntag, 4. August, zahlreiche weitere Vorstellungen bei den Bad Hersfelder Festspielen, teils um 17, teils um 21 Uhr in der Stiftsruine. Kartentelefon: 0 66 21 / 64 02 00.