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Regional Bad Hersfelder Festspiele: Stefan Huber begeistert mit „Kiss Me, Kate“
Nachrichten Kultur Regional Bad Hersfelder Festspiele: Stefan Huber begeistert mit „Kiss Me, Kate“
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16:47 29.07.2014
Von Peter Krüger-Lenz
Perfekt besetzt: Katharine Mehrling als Lilli Vanessi / Kate und Thomas Borchert als Fred Graham / Petruchio. Quelle: Iko Freese / drama-berlin.de
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Bad Hersfeld

Bei den Bad Hersfelder Festspielen steht „Kiss Me, Kate“ auf dem Programm, eine Produktion, bei der das alles bis ins kleinste Detail stimmt, wie die Premiere am Mittwoch, 18. Juni, zeigte.

Die Geschichte, die erzählt wird, geht auf William Shakespeare zurück und ist ein bisschen verwinkelt erzählt. Eine Theatertruppe will „Der Widerspenstigen Zähmung“ auf die Bühne bringen.

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Der mäßig erfolgreiche, aber begeisterte Theatermann Fred Graham inszeniert das Stück und spielt die Hauptrolle, den italienischen Adeligen Petruchio, der die widerborstige Kate heiraten will ­­– weil ihr Vater ein reicher Kaufmann ist. Besetzt hat Graham diese Rolle mit Lilli Vanessi, einer Verflossenen. Und weil das ganze ein Musical ist, kriegen sich am Ende alle, die das wollen.

„Leicht verdaulich, und für jeden ein Lied hinein geschrieben“, urteilte ein Theaterbesucher am Ende der Premierenvorstellung. Stimmt, aber dahinter steckt weit mehr: ein großartig arbeitendes Team.

Rhythmischer Wechsel

Regisseur Stefan Huber hat das Werk, zu dem Cole Porter Ende der 50er-Jahre die Musik hitträchtig komponierte und das zu den bekanntesten und erfolgreichsten Broadway-Produktionen zählt, ungeheuer präzise inszeniert. Er hat einen schön rhythmischen Wechsel hinbekommen zwischen der Bühnenturbulenz der Commedia dell‘ Arte und den zarten berührenden Momenten zwischen Fred und Lilli. Und sein Ensemble ist perfekt besetzt.

Thomas Borchert gibt diesen theaterbesessenen Fred mit großer Geste, starker Stimme und sehr viel Präsenz. Selbst seine bewussten Ausflüge ganz dicht ans Schmierentheater bewältigt er mit Größe. All das bringt auch Katherine Mehrling mit. Und ein wenig darüber hinaus. Ihr Spiel bietet noch mehr Facetten und ein wenig mehr Tiefgang, musicaltauglichen, versteht sich.

Weitere Paare tummeln sich in der Szenerie. Sascha Luder und Marie-Anjes Lumpp stehen für den künstlerischen Nachwuchs. Er spielt Bill Calhoun, einen Popsänger und Hallodri, sie das Nachtclubsternchen Lois Lane, das so gerne ein Star werden möchte und ein ganz großes Herz hat. Lumpp agiert mit viel Temperament, das Luder ein wenig abgeht.

Beeindruckende Leichtfüßigkeit

Einen großen Auftritt hatte Eric Lee Johnson als Paul. Er singt den Hit „Too Darn Hot“. Dabei tanzte der korpulente Mann mit dem großem Ensemble und beeindruckender Leichtfüßigkeit. Für diese wie für die vielen anderen shakespearenahen Szenen haben Susanne Hubrich und Andrea Wagner zauberhafte Kostümträume in Rosa entworfen.

Einen bemerkenswerten Einfall hatte Bühnenbildner Stephan Prattes. Er baute die imposante Bühne in der Stiftsruine im Kleinen nach und gestaltete sie drehbar, was einige schöne Effekte ermöglichte. Und vor der Bühne, fast unsichtbar im Graben verborgen, spielte das vielköpfige Festspielorchester unter der Leitung von Christoph Wohlleben sehr präzise und manchmal auch mit herrlichem Schmelz.

Das alles ist schon viel. Was den Abend aber zu einem wirklichen großen werden lässt, ist der ungeheure Spaß, mit dem alle Akteure auf der Bühne zu Werke gehen. Die Spielfreude strahlt aus ihren Augen, dass es eine Pracht ist. So muss Musical sein.

Bis Sonntag, 3. August, zahlreiche weitere Vorstellungen in der Stiftsruine in Bad Hersfeld. Kartentelefon: 0 66 21 / 64 02 00.

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