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Regional Bad Hersfelder Festspiele: Volker Lechtenbrink inszeniert „Die drei Musketiere“
Nachrichten Kultur Regional Bad Hersfelder Festspiele: Volker Lechtenbrink inszeniert „Die drei Musketiere“
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16:50 29.07.2014
Alle für einen: Athos (J. Weigend), Porthos (J. Müller) und Aramis (P. Chugh) (von links) umringen D’Artagnan (J. Minthe, 2. von rechts). Quelle: Iko Freese / drama-berlin.de
Bad Hersfeld

Volker Lechtenbrink hat jetzt gemeinsam mit seiner Tochter Saskia Ehlers für die Bad Hersfelder Festspiele eine eigene Version des Abenteuerromans geschrieben. Und um das Familienunternehmen auch entsprechend auszulasten, schrieben beide für seine zweite Tochter Sophie Lechtenbrink gleich eine neue Figur in das Stück.

Die 23-Jährige mit dem Kleine-Mädchen-Charme spielt eine Art Schutzengel. Und natürlich hat Lechtenbrink das Werk auch inszeniert. Co-Regie: Ehlers. Uraufführung war am Donnerstag in der stimmungsvollen Stiftsruine.

Der Grundplot hat Bestand. Der junge Gascogner D’Artagnan geht von zu Hause fort, um in Paris Musketier zu werden. Kaum angekommen, rumpelt er mit den drei tapfersten Kämpfern der Garde zusammen, mit Athos, Porthos und Aramis. Das sind die drei Musketiere, D’Artagnan wird der vierte, denn er ist ein genauso lebensfroher Raufbold wie seine Vorbilder. Gemeinsam retten sie die unglückliche Königin, können aber nicht verhindern, das zwei wichtige Menschen im Leben D’Artagnans sterben. Ach, was soll’s. Einer für alle, alle für einen.

Lechtenbrink hat diese Abenteuergeschichte nicht wirklich ernst genommen, und das ist schade. Bei seinem Versuch, den Stoff zu komödiantisieren, geht viel Abenteuer verloren. Der Film „Fluch der Karibik“ wird als Referenz immer wieder genannt. Doch bleibt die Lechtenbrinkroduktion weit entfernt von dem Schalk des Films. I

mmerhin stapfen Julian Weigand (Athos), Johnny Müller (Porthos) und Parbeth Chugh (Aramis) sehr entschlossen und trinkfreudig über die Bühne. Jonas Min­the ist ein temperamentvoller jugendlicher Held. Zu viert fechten sie in schön choreographierten Massenszenen gegen die Truppen des Kardinals Richelieu.

Den gibt Nikolaus Kinsky etwas trotteliger als man sich einen solch mächtigen Mann vorstellt. Sehr jovial legt Manfred Stella seinen Hauptmann der Musketiere an. Und so dämonisch, wie Birthe Gerken ihre Lady de Winter spielt, so begeisterungsfähig und schlicht ist Emily Roberts als Constance.

Dass Levio Cecini als Herzog von Buckingham in der Badewanne erdolcht wird und er deswegen nackt über die Bühne hüpft, ist nicht notwendig, aber zu verschmerzen. Und Sophie Lechtenbrink? Ihre Centime (in England dann Penny) ist ein fröhlicher Schutzengel. Oder Diener zweier Herren. Oder Puck. Eine Figur also, die manches Stück in der Theatergeschichte belebt hat.

Bei den drei Musketieren wird sie sich kaum durchsetzen. Das Publikum amüsierte sich bei der Uraufführung prächtig, für viele Fechtszenen gab es Applaus – am Ende sogar sehr ausdauernd im Stehen.

Bis 2. August zahlreiche weitere Vorstellungen. Kartentelefon: 0 66 21 / 64 02 00.

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