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Regional Bauhaus-Töpferei in Dornburg wird zum Museum
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16:47 26.03.2019
Im thüringischen Dornburg steht die Töpferei des Bauhauses. Anlässlich des 100. Bauhausjubiläums 2019 soll aus den historischen Räumen ein kleines Museum werden. Quelle: epd
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Dornburg

Im thüringischen Dornburg steht die Töpferei des Bauhauses. Es war die einzige Werkstatt der Weimarer Designschule außerhalb der Klassikerstadt. Heute ist es bundesweit die letzte erhaltene Bauhaus-Werkstatt mit originaler Ausstattung. Anlässlich des 100. Bauhausjubiläums 2019 soll aus den historischen Räumen ein kleines Museum werden.

Bislang war Dornburg vor allem für seine drei Schlösser bekannt. Schon Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) fühlte sich von der Lage auf dem weißen Muschelkalkfelsen hoch über dem Saaletal inspiriert. Er soll etliche Gedichte hier oben verfasst haben. Dass aus dem pittoresken Örtchen auch ein kleiner Bauhaus-Standort wurde, liegt vielleicht ebenso an der exponierten und zugleich abgeschiedenen Lage.

Denn Bauhaus-Gründer Walter Gropius (1883-1969) suchte vor gut 100 Jahren dringend einen Standort für seine Keramik-Werkstatt. In Weimar waren offenbar die Mieten zu teuer. Andernorts fehlten die Fachkräfte. In Dornburg fand Gropius beides: bezahlbare Wohn- und Arbeitsräume für seine Studenten - und das Wichtigste: „Traditionelles Töpferhandwerk sowie mit Max Krehan (1875-1925) einen Töpfer, der zur Ausbildung des Bauhaus-Nachwuchses bereit war“, sagt Konrad Kessler, Historiker und Leiter des Keramik-Museums Bürgel, zu dem auch die Dornburger Töpferei gehört. Der Bildhauer und Grafiker Gerhard Marcks (1889-1981) wurde als Formmeister der Keramik-Werkstatt verpflichtet.

Die Töpferei des Bauhauses ist es bundesweit die letzte erhaltene Bauhaus-Werkstatt mit originaler Ausstattung. Quelle: epd

Die Geschichte der Dornburger Bauhaus-Töpferei währte von 1920 an allerdings nur knapp fünf Jahre. „Als das Bauhaus nach Dessau zog, wurde eine Keramik-Werkstatt nicht mehr gebraucht“, betont Kunsthistoriker Kessler. Dennoch sei in der kurzen Bauhaus-Epoche in Dornburg unter einfachsten Bedingungen eine neue Gefäßästhetik von europäischem Rang entwickelt worden. Viele der bedeutenden deutschen Keramiker des 20. Jahrhunderts haben hier ihre Ausbildung absolviert: Theodor Bogler, Otto Lindig, Marguerite Friedländer, Werner Burri, Johannes Driesch oder Franz Rudolf Wildenhain.

Dann geriet die kleine Töpfer-Werkstatt zunächst in Vergessenheit. 1949 übernahmen die zuvor in Berlin tätigen Bildhauer und Keramiker Heiner-Hans Körting und Gerda Körting die leerstehende Werkstatt. Noch heute ist sie in der Hand der Familie und wird von Ulrich Körting geführt. Dem 63-Jährigen kommt nun die Aufgabe zu, einen Teil der Räume in eine Museums-Werkstatt zu überführen. Einen Vorgeschmack können Besucher am Ostersamstag (20. April) erhalten. Als offizieller Eröffnungstermin für das kleine Museum wird der 1. Juni 2019 angepeilt, sagt Museumsleiter Kessler.

Quelle: epd

Nach fast 100 Jahren soll hier das Schaffen und Leben der Bauhaus-Lehrer und ihrer Schüler hautnah erlebbar gemacht werden. Originale Arbeitsgeräte wie eine Gipsdrehscheibe, Waagen, Glasurmühlen und eine noch funktionstüchtige Tonaufbereitungsanlage geben einen authentischen Einblick in das Wirken der Künstler. Präsentiert werden auch originale und stilprägende Keramiken aus Dornburg wie ein Henkeltopf, eine Teekanne oder eine Schnapsflasche aus Ton. Ins Museum integriert wird auch die aktive Körting-Werkstatt.

Weil viele Bauhaus-geprägte Kreative nach der deutschen Teilung ihre Arbeit lieber im freien, westlichen Teil Deutschlands fortsetzten, förderte die DDR kaum die Erinnerung an die innovative Designschule. Die Freigeister des Bauhauses waren den Realsozialisten ebenso suspekt wie zuvor den Nationalsozialisten. Erst seit etwa zehn Jahren besinnt sich Dornburg seiner Bauhaus-Tradition wieder intensiver.

Die Ideen der Freigeister mögen häufiger mit denen der Bewohner kollidiert sein. So macht folgende Anekdote die Runde: Eine Dornburgerin - hoch oben vom Schlossberg runter ins Flusstal blickend - soll sich einst bei Walter Gropius per Brief heftig beschwert haben, dass die Bauhaus-Studenten der Keramik-Werkstatt - junge Frauen und Männer - am Saalestrand nackt baden würden. Gropius entgegnete der empörten Dame, sie möge doch einfach ihren Feldstecher weglegen, dann könne sie das Treiben gar nicht sehen.

Von epd

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