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Regional „Belebte Fläche“: Jahresausstellung des Kreises 34 im Göttinger Künstlerhaus
Nachrichten Kultur Regional „Belebte Fläche“: Jahresausstellung des Kreises 34 im Göttinger Künstlerhaus
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19:00 12.08.2013
„Auf verbrannter Erde schuf Großvater Gartenzwerge, Bambis und Fliegenpilze“: So hat Wolfgang Hiltscher seine 2012/13 entstandene Installation zum Kreis-34-Thema „Belebte Fläche“ betitelt. Quelle: Heller
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Göttingen

Eine Katze, die ihre Beute fokussiert und den richtigen Augenblick für ihren Angriff abwartet? Oder lauert in der Dunkelheit nicht doch etwas Gefährlicheres?

Das Bild „Nachtbelebte Oberfläche“ stammt von Joana Krause und ist zurzeit in der Jahresausstellung der lokalen Künstlervereinigung Kreis 34 im Künstlerhaus Göttingen zu sehen. In seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung zeigt sich Rainer Lynen, Vorsitzender der Künstlergruppe, von Krauses Bild begeistert. Unschuldige Katzen sieht er aber nicht. Er spricht von wilden Alligatoren.

„Belebte Flächen“ lautet der Leitgedanke der Schau. Lynen hat recht, wenn er verneint, dass es unbedingt Tiere braucht, um dieses Motto zu realisieren. Petra Biertümpfel arbeitet lieber mit tierischen Hinterlassenschaften. Die Materialien ihrer Bilder sind Spinnweben und Asche. Ihre Bilder zeigen interessante Gegenüberstellungen, sie konfrontiert Spuren des Lebendigen mit Spuren des Toten. Und obwohl die Spinne ihr Netz wohl nur als Netz geplant hat, lassen Biertümpfels Bilder bekannte Formen in den Werken der Kriechtiere sehen. Ein Flussdelta etwa oder Formen, die an Weltraumfotografie erinnern.

Als seinen „genetischen Fingerabdruck“ bezeichnet der Bildhauer und Maler Frank Helge Steuer das Material Blattgold. Sein Bild zeigt die Himmelscheibe von Nebra vor einem elektrisierend blauen Hintergrund. Er habe schon ein paar Wochen an dem Bild gearbeitet, als das Original zum Unesco-Welterbe erklärt wurde. Das Motiv hat Steuer gewählt, weil er wieder etwas Malerisches machen wollte. „Ich komme eigentlich aus der Malerei“, sagt der zuletzt eher bildhauerisch tätige Künstler. Dass er als Rückkehr zu seinen Anfängen das Motiv der Himmelsscheibe gewählt hat, die als früheste Abbildung des Sternenhimmels gilt und auf 3600 Jahre geschätzt wird, scheint konsequent.

Seine Skulptur „Run a way“  habe Revolution zum Thema, bekräftigt der Künstler. Auf einer runden Schneckenform sind zwei menschliche Silhouetten angebracht. Das Material ist acht Millimeter starker, polierter Stahl, die Schnittkanten sind mit Blattgold umfasst. Sehr deutlich spürt der Betrachter die Bewegung in der Skulptur. Doch wie die Bewegung auf die menschlichen Figuren wirkt, bleibt ein Rätsel. Stehen sie fest oder kippen sie, tanzen sie gar oder befinden sie sich im freien Fall?

Das Thema Umbrüche und ihre Wirkung auf den Menschen stellt Steuer in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Eigentlich sei das Werk nicht für den Innenraum konzipiert, macht Steuer klar. Er liebe die Veränderung des Materials, das Rosten des Metalls und wie die Jahreszeiten auf die Skulptur wirken, sagt der Künstler. Seine „belebte Fläche“ verändert sich nicht nur aktiv. Seine Arbeit zeigt, dass Leben auch Beeinflussung von Außen bedeutet.

Die Ausstellung macht deutlich, dass Kunst nicht aus sich selbst heraus ein  en lebendigen Eindruck leisten kann. Vielmehr braucht es den Betrachter, der die Anzeichen des Lebendigen zu lesen vermag. Jemand, der Katzen sieht oder eben Alligatoren. Mit dem Thema „Belebte Flächen“ gelingt dem Kreis 34 eine Ausstellung, die die Interaktion zwischen Kunstwerk und Betrachter in den Fokus stellt. Ebenso wird die Kommunikation zwischen den Betrachtern befördert, denn jeder sieht etwas anders. Keine Schau, die nur zum Angucken gedacht ist, sondern zum Verhandeln, Diskutieren, Streiten und Sich-Versöhnen.

Geöffnet bis 9. September im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1: dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 16 Uhr.

Von Daniela Lottmann