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Regional Benjamin von Stuckrad-Barre zu Hause in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Benjamin von Stuckrad-Barre zu Hause in Göttingen
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14:22 23.11.2018
Benjamin von Stuckrad-Barre liest am 22.11.2018 in Göttingen. Foto: Swen Pförtner Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

„Rechtschaffen aufgeregt“ – so beschreibt Stuckrad-Barre seinen Zustand vor Auftritten in Göttingen. Diesmal also in der Lokhalle, zum ersten Mal und vor deutlich mehr als 500 Zuschauern. In der ersten Reihe Mitte, sitzt Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer des Göttinger Lesefestivals Literaturherbst. Er hat den Auftritt initiiert, und er wird noch eine Rolle spielen an diesem Abend, auch Göttingen, auch Christoph Reisner, der Erfinder des Literaturherbstes.

Halbtagspunks aus dem Ostviertel

Gerne erinnert sich Stuckrad-Barre nicht an seine Göttinger Zeit. Umso lieber spricht er in Göttingen davon. Er erzählt von den Halbtagspunks aus dem Ostviertel damals in der halbverfallenen Lokhalle mit den eingeworfenen Fensterscheiben, die heute Orthopädiepraxen leiten. Eine Technoparty soll es dort gegeben haben „bevor es Techno gab“, sagt Stuckrad-Barre. Im Ostviertel wohnte er auch, Hainholzweg 10, fast Wurfweite zum Max-Planck-Gymnasium. Dort baute er sein Abitur. Noch heute träume er alle zwei Monate davon, dass er die Prüfung nicht mitschreiben dürfe, weil er Erdkunde zu früh abgewählte habe. Einen ehemaligen Mitschüler, der sich lauthals zu Wort meldet, bügelt er umgehend und sehr deutlich ab. Zwischenrufe von dem Mann oben auf der Bühne unerwünscht.

Würdigende Plaketten mit seinem Namen darauf habe er auch diesmal vergeblich gesucht bei seinem Rundgang durch die Stadt. Nicht mal an seiner Schule in der Raucherecke, dort, wo früher die Telefonzelle gestanden habe. „Die einzige Statue, auf die man sich verlassen könne, sei der Baumkuchen von Cron & Lanz. Doch alles halb so wild: „Ich bin nicht sauer, ich bin einfach nur enttäuscht“, sagt er, und das klingt nur bedingt ironisch.

Nur Wasser auf rauschenden Partys

Wasser trinkt Stuckrad-Barre während des Abends, hektisch und in kurzen Schlucken. „Nüchtern am Weltnichtrauchertag“ heißt denn auch der erste Text, den er liest, erschienen in einem kleinen Band. Das erste Thema: Nüchternheit. Er schildert, wie es sich anfühlt, auf rauschenden Partys derjenige zu sein, der immer nur Wasser trinkt. Zur Wahl stehen „still, medium oder prickelnd“. Fein hat der Autor beobachtet und in Worte gefasst. Dann sein Blick auf die Uhr. „Ist ja eigentlich geil. Schon eine Stunde rum und einen Text geschafft.“

Wirklich viel mehr Texte werden es an diesem Abend auch nicht. Das liegt vor allem daran, dass Stuckrad-Barre so gerne plaudert. Er erzählt Anekdötchen aus seinem Leben in Los Angeles. Dort logiert er in dem legendären Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard. Dort begegnet er den Reichen und Schönen, von denen er die meisten so verachtet und deren Nähe er doch immer sucht.

Eine Liebe in Neukölln

Auf der Geburtstagsfeier eines Jurors der Castings-Show „Germany’s next Topmodel“ habe er die Chefin der Show getroffen. „Guten Tag, Frau Klum“, habe gesagt, Sie kennen sich doch aus damit, wenn man Sachen wegmachen will.“ Stuckrad-Barre hat keinerlei Scheu, seine Aussetzer, Fehltritte und Unzulänglichkeiten zu offenbaren.

Weg sollte ein Tattoo, dass er sich um einen Finger herum haben stechen lassen. Gemeinsam mit seiner großen Liebe in Neukölln, eine Liebe, die dann doch nicht so groß war, wie sie anfangs schien.

So überraschend emotional er sich in diesem Liebestext zeigte, so scharf und bisweilen ätzend kommentierte Stuckrad-Barre politisches Geschehen in Deutschland. Körperliche Angst habe er vor Friedrich Merz (CDU), der nur noch einen Haarkranz besitze, dazu aber vorne drauf oberhalb der Stirn allerdings noch Amrum trage. Niemand in seiner Umgebung sei wie Merz. Andrea Nahles (SPD) kenne man doch aus der Schule. Solche wie sie ließen „in Geschi abschreiben und setzten sich für überdachte Fahrradständer ein“. Die TV-Journalistin Dunja Hayali schließlich bezeichnete er als „überintegriert“.

Das Leben maßgeblich beeinflusst

Furios dann noch das Ende, in dem Stuckrad-Barre dann aus einem Text las, in dem er seinen ersten großen Auftritt schilderte, gemeinsam mit seiner Freund Christian Kracht 1998 beim Göttinger Literaturherbst im Alten Rathaus. Großspurig waren sie damals wohl und vollgedröhnt. Umsorgt wurden sie von dem „technischen Assistenten des Festivals“, jener Herberhold, der heute die Geschäfte führt. Eine große Hommage wurde dieser Teil, weil Stuckrad-Barre den damaligen Chef Christoph Reisner noch immer hoch verehrt. Stuckrad-Barre-Leser wissen, dass er dessen Leben maßgeblich beeinflusst hat.

Mit dem Publikum feierte Stuckrad-Barre dann noch eine kurze, knackige Karaoke-Party. Mit dabei: die Backstreet Boys und Robbie Williams. Auch das kriegt er ziemlich gut hin..

Von Peter Krüger-Lenz

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