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Regional Gott: „Ein bisschen Spaß habe ich auch dran“
Nachrichten Kultur Regional Gott: „Ein bisschen Spaß habe ich auch dran“
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11:36 21.12.2017
Bernd Gieseking blickt im Apex auf das fast vergangene Jahr. Quelle: Heller
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Göttingen

„Ab dafür“: Der ostwestfälische Kabarettist Bernd Gieseking plaudert seinem mittlerweile 24. Jahresrückblick über Drecksäcke und Diktatoren, über Nutella und Kabarett aber auch über sich und seine Eltern. Denen hat er auch sein neuestes Buch gewidmet: „Früher hab’ ich nur mein Motorrad gepflegt“.

Das Telefon klingelt. Überhaupt klingeln viele Telefone an diesem Abend. Vor und auf der Bühne. Es ist einer der roten Fäden im diesjährigen Gieseking-Programm. Mal spricht er mit Bayerns zukünftigen Ministerpräsidenten Markus Söder über dessen Machtansprüche und nennt ihn „Kim Jong-uns unehelichen Halbbruder“, mal mit seiner Mutter. Bei weiteren Anrufen melden sich ein völlig entfesselter Christian Lindner, der missverstandene Dokumenta-Chef Adam Szymczyk oder sogar US-Präsident Donald Trump. Ein besonderes Telefonat hebt sich Gieseking für das Finale auf.

Zwischendurch verarbeitet der gelernte Zimmermann verschiedenste Themen des fast vergangenen Jahres. Dabei bleibt er weder chronologisch noch anderweitig sortiert. Es ist eher eine lose Schüttung. Das Programm lebt davon, dass eben nicht alles hintereinander passt. So subsumiert Gieseking unter der Zwischenüberschrift „schlimme Sachen 2017“ die geänderten Rezepturen von Nutella und Maggie-Brühwürfel und die alarmierende Entwicklung des Kabaretts im digitalen Zeitalter.

An anderer Stelle springt der Kabarettist vom Dschungelkönig Marc Terenzi zum Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und wieder zurück. Ersterem wird der Satz „Dies are the Regels. We must them halten.“ zugeschrieben, den Gieseking mehrfach an diesem Abend platzieren kann. Letzterem werde hingegen kaum ein Satz zugeschrieben. Von dem höre man so wenig, dass man ihm nicht mal etwas vorwerfen könne. „Der denkt doch: Hoffentlich habe ich bei, was ich gerade geredet habe, nichts gesagt.“

Natürlich streift der 59-Jährige auch immer wieder mal die AfD, die „DrecksäckeTrump, Putin und Erdogan. Er arbeitet sich auch an dem Kanzlerkandidatenduo Merkel (trinkt Grüne Wiese mit Katrin Göring-Eckhardt) und Schulz („er hat Stallgeruch statt Eau d’Europa“) ab. Und er identifiziert Gerd Schröder als Deutschlands geeignetsten Diktator-Kandidaten. Dabei hält sich Gieseking erfreulich wenig mit kalauerndem Politiker-Bashing auf. Möglicherweise fehlt es dadurch dem TV-rückblicksverwöhnten Zuhörer an knalligen Pointen. Das versucht der Mann auf der Bühne, der in den 1980er Jahren in Kassel Kunst und Theologie studiert hat, mit hohem Informationsgehalt, messerscharfer Analyse und einer Prise Kulturpädagogik zu kompensieren.

Als Gegenstück zum großen Weltgeschehen gibt Gieseking außerdem etliche Einblicke ins Private. Nach eigener Aussage ist er am Tag des Auftritts von Dortmund nach Minden umgezogen. Zu seinen Eltern. Sein jüngstes Buch ist nicht nur in einem Wohnwagen in deren Garten entstanden, es schildert auch das Zusammenleben der beiden Generationen. Und hier liegt eine große Stärke des Gieseking-Programms. Seine Mutter ist weit unterhaltsamer als es die großen Köpfe dieser Welt sein könnten. Wenn ihr Sohn vorliest, wie sie in schönstem Dialekt einen Hund von Hof jagt, macht es einfach Spaß zuzuhören.

Und zum Schluss klingelt dann noch einmal das Telefon. „Hier ist der Boss“, meldet sich eine tiefe sonore Stimme. Niemand geringeres als Gott will von Gieseking wissen, ob er denn nun mit dem Jahr 2017 zufrieden sei. Schließlich mache er den ganzen Quatsch ja für dessen Jahresrückblick. Der Kabarettist erschrickt: „Nur für mich?“ Und Gott gesteht: „Naja. Ein bisschen Spaß habe ich auch dran.“

Von Markus Scharf

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