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Regional Betörender Zauber
poetischer Gedanken
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poetischer Gedanken
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17:15 18.09.2009
Anmut und kraftvoller Zugriff: die Pianistin Hisako Kawamura.
Anmut und kraftvoller Zugriff: die Pianistin Hisako Kawamura. Quelle: Vetter
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Am Donnerstag, 17. September, kam sie mit einem Bündel von Lieblingsstücken ins GDA-Wohnstift an der Charlottenburger Straße. Werke von Haydn, Schumann, Mendelssohn und Chopin hatte sie mitgebracht. Schon gleich in der eröffnenden Haydn-Klaviersonate G-Dur zeigte sie perlende Geläufigkeit, transparente Klänge und klare Formstrukturen, dazu feines Gespür für Haydns geistreiches Spiel mit den Hörerwartungen seines Publikums.
Schumanns „Kreisleriana“ wurden unter ihrem beherzten, kraftvollen und immer wieder auch wunderbar zartem Zugriff zu einer Blütenlese schönster poetischer und leidenschaftlicher Gedanken. Einen ähnlichen Kosmos entfaltete sie in Mendelssohns „Variations sérieuses“, deren ernst-schlichtes Thema in den vielfältigsten Beleuchtungen, Stimmungen und Temperamentsnuancen immer wieder durchscheint, auch wenn es sein Gesicht bisweilen völlig verändert.
Hisako Kawamuras pianistisches Zentrum aber ist die Musik von Frédéric Chopin: Das ist den Göttinger Hörern mindestens seit ihren frühen Erfolgen beim Göttinger Chopin-Wettbewerb Ende der 1980er Jahre bekannt. In der Polonaise-Fantaisie op. 61 entfaltete sie betörenden Klangzauber, breitete schier unendliche wohllautende Klangflächen aus.
Was nicht heißt, dass sie Chopin unangemessen versäuselt oder verzärtelt: Auch die energisch-straffen tänzerischen Rhythmen, von denen dieses Werk bestimmt ist, gestaltet sie kraftvoll und markant. Die Begeisterung ihrer Zuhörer war wesentlich lautstärker, als man sonst in diesem Saal gewöhnt ist. Zum Dank spielte sie einen brillant-schwebenden Chopin-Walzer als Zugabe.

Von Michael Schäfer