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Regional „Bierkind“ heißt der neue Roman von Rex Richter
Nachrichten Kultur Regional „Bierkind“ heißt der neue Roman von Rex Richter
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21:00 26.07.2019
An der Nordsee: Rex Richter mit seinem Hund Spike. Quelle: R
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Göttingen

Am Anfang und am Ende steht der Vater, ein Kind seiner Zeit. Das Saufen, die Helden-Verortung durch meisterhaftes Stehvermögen an der Theke ist in den 70er-Jahren ein regelrechter Sport – und in der Provinz hat sich daran nicht viel geändert, glaubt Richter.

„Ich war zu Ostern in meinem Heimatort, und da gehen die Jungs morgens um 10 Uhr zum Aufschichten des Osterfeuers und trinken erst mal Bier. Daran ändert sich nichts“, sagt Richter. Im Roman heißt sein Heimatdorf Ramelshausen – wie es wirklich heißt, möchte er nicht verraten, denn ein Wiederkennungwert ist durchaus gegeben. „Der Roman ist teilweise autobiografisch und teilweise fiktiv, doch ich möchte niemanden kompromittieren“, sagt der Autor. „Die Ereignisse haben sich wirklich so zugetragen, aber ich habe die Figuren teilweise verändert und alles etwas zugespitzt.“

Alles, was im Leben wichtig ist, fängt mit F an

Sven „Svennie“ Bitter wächst in Ramelshausen auf. Alles, was im Leben wichtig ist, fängt mit „F“ an – Fußball, Feuerwehr, Frauen. Flaschbier würde auch in die Reihe passen, aber der Gerstensaft kann auch ruhig aus dem Hahn kommen. Die Klammer der Handlung bildet Svennies Vater Werner, der eine typische Provinzkarriere hingelegt hat. Die Theke, das ist allabendlich sein Platz. Am Ende ist das Pflegeheim sein Platz.

Das ist Rex Richter

Rex Richter wurde 1961 in Göttingen geboren. Nach abgebrochenem Anglistikstudium spielte er 25 Jahre als Berufsmusiker in verschiedenen Bands. Er ist Songschreiber für diverse Musiker und Autor der Romane „Baden-Baden Blues“, „Schwarze Töne“ und „Endstation gelobtes Land“. Er lebt in Friedrichskoog.

„Die Passagen mit den Eltern waren für mich natürlich sehr schwierig zu schreiben. Ich möchte niemanden verunglimpfen, denn die Wahrheit tut oft weh“, sagt der ehemalige Musiker, der mit seinem Rex Richter Quintett einst auf der Schlagerwelle surfte und heute in Friedrichskoog an der Nordsee wohnt.

Die fiktiven Ramelshäuser Kumpels wie Bernd, „die Freunde von damals“, treffe er bei seinen Besuchen in der Heimat auch heute noch. „Die sind in meinem Alter und gehen demnächst in Rente. Die spielen immer noch am Freitagabend Skat und stehen sonntags am Fußballplatz.“ Richter selbst hat sich später dafür entschieden auszubrechen, die ehemaligen Kumpels hingegen „wollen gar nicht ausbrechen. Sie sind so glücklich, und was gibt es Schöneres?“

Schreiend komische Erlebnisse

Ramelshausen ist überall, und bei vielen Lesern dürfte die anekdotengeschwängerte Rückschau eigene Erinnerungen wecken. Richter versteht es, die Leser auf eine Zeitreise mitzunehmen, die schreiend komische Erlebnisse passiert, aber auch ein bedrückendes Gefühl der Enge, des Gefangenseins in der Unausweichlichkeit des Gruppendrucks beschreibt.

Das wesentliche Thema von „Bierkind“ ist der Alkohol, das Öl, das die Maschine schmiert – und in dieser Hinsicht entwickelt Richter durchaus aufklärerischen Eifer. „Am Alltag auf dem Land hat sich nichts geändert. Klar, die Dorfkneipen sterben ein bisschen aus, aber dann ist halt Homedrinking angesagt“, unterstreicht der Autor.

Großteil des Landes ist Provinz

Warum musste dieser Roman geschrieben werden? Weil „ein Großteil des Landes aus Provinz besteht“, sagt Richter. „Die Erlebnisschilderungen der Jugendzeit spielen ja sonst immer nur in Großstädten.“ Der Autor und Songschreiber hat die Enge des Dorfes, wo die Kirmesbuden am Misthaufen aufgestellt waren, gegen die Weite der Nordsee eingetauscht – und erinnert sich schmunzelnd zurück an die Sauferei in adoleszenten Zeiten. „Ich bin froh, die Zeit überlebt zu haben“, sagt er. „Ich habe Glück gehabt.“

Info: Rex Richter, „Bierkind“, Schardt Verlag, 198 Seiten, 12,80 Euro.

Von Eduard Warda

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