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Regional Blockflötist Stefan Temmingh im Händel-Talk
Nachrichten Kultur Regional Blockflötist Stefan Temmingh im Händel-Talk
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14:29 14.03.2019
Der erste Händel-Talk 2019 mit dem Flötisten Stefan Temmingh. Foto (v. l.): Tonkost-Geschäftsführer Stefan Lipski, der geschäftsführende Intendant der Händel Festspiele Tobias Wolff und der Flötist Stefan Temmingh. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Temmingh ist ein Shooting Star der Barockszene. Dass er, wie die Süddeutsche Zeitung einmal geschrieben hat, „die aufregende Seite der Blockflöte“ zu zeigen vermag, bewies er eingangs mit einer Fantasie von Georg Philipp Telemann für Blockflöte solo. Das war ungeheuer spannend, die Musik schien zu sprechen, jeder Augenblick war mit Emotion aufgeladen.

Doch es geht im Händel-Talk nicht allein um musikalische Beiträge. Festspielintendant Tobias Wolff erkundete im Gespräch mit dem 41-jährigen Musiker dessen persönliches Profil, fragte nach seinen Vorlieben, nach seinem Verhältnis zu seinem Instrument. „Die Blockflöte war nicht die Primadonna des Barocks“, konstatierte Temmingh und relativierte damit den Stellenwert dieses Instruments. Das habe auch seine Entscheidung beeinflusst, sein Heimatland, die Republik Südafrika, zu verlassen: „Vom Konzertieren kann ich in Südafrika nicht leben.“ Außerdem habe es dafür auch familiäre Gründe gegeben. Temmingh stammt aus einer Musikerfamilie, sein Vater ist Komponist, viele weitere Verwandte sind musikalisch tätig. „Wenn ich in Südafrika in Wettbewerben gespielt habe, saß immer irgendein Onkel von mir in der Jury.“

Als Student nur Händel-Opern gehört

Die absolute Stärke der Blockflöte sei ihre Fähigkeit, gesangliche Linien darzustellen. Als Student habe er nur Händel-Opern gehört, „Anne-Sofie von Otter rauf und runter, dazu Magdalena Kožena, das hat mich wahnsinnig beeinflusst.“ Diese Sanglichkeit im Blockflötenton habe besonders Händel in seinen Sonaten verwirklicht, die Temmingh gerade in einer CD-Aufnahme mit der Cembalistin Wiebke Weidanz herausgebracht hat. Diese Sonaten seien „das Alte Testament der Blockflöte“, schwärmt er. Ob es ihm auf Perfektion ankomme, wollte Wolff wissen. Nein, Perfektion sei nicht Kunst, antwortete der Flötist. „Es ist gerade das kleine Stückchen Dreck im Ton, das das Erlebnis ausmacht.“ Das perfekteste Kompliment, das er sich als Musiker vorstellen könne, sei der Satz „Das hat mich berührt.“ Auch habe er nur begrenzt sportlichen Ehrgeiz beim Musizieren. Sicher könne man mit rasenden Tempi Eindruck schinden, in seinem Repertoire habe er auch eine entsprechende Zugabe. Doch die spiele er nur noch selten: „Solche Affennummern brauche ich nicht mehr.“

Improvisation über ein südafrikanisches Volkslied

So war sein zweiter musikalischer Beitrag auch überhaupt nicht von Virtuosität gekennzeichnet, sondern beinahe meditativ und dem Ausdruck verpflichtet: eine Improvisation über ein südafrikanisches Volkslied, bei der Temmingh stellenweise zweistimmig musizierte, indem er den geblasenen Flötenton mit einem gesungenen Ton ergänzte. Improvisation sei für ihn – seit 2010 hat er einen Lehrauftrag an der Münchner Musikhochschule – ein wichtiger Unterrichtsgegenstand. Man müsse mit kleinen Schritten beginnen: „Erst klitzekleine Spiele nur auf dem Flötenkopf, später beispielsweise Quatsch machen zu Gedichten von Christian Morgenstern, das funktioniert wunderbar.“

Die rund 40 Besucher in der Weinkellerei Bremer verfolgten das Gespräch mit sichtlichem Interesse und Genuss. Stefan Lipski, Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Internationale Händel-Festspiele Göttingen, bereicherte den Abend mit CD-Tipps. Dem Herkunftsland des Gastes zollte Hausherr Philipp Bremer mit einer Auswahl südafrikanischer Weine Tribut. Abgerundet wurde der Händel-Talk durch ein bezauberndes drittes Blockflötensolo mit Stefan Temmingh, die „Nachtigall“ aus „Der Fluyten Lust-hof“ des Niederländers Jacob van Eyck.

Stefan Temmingh gastiert im Stiftungskonzert der Göttinger Händel-Festspiele am Sonntag, 26. Mai, um 11 Uhr in der Aula der Universität. – Im zweiten Händel-Talk am Mittwoch, 24. April, um 20 Uhr sind Mitwirkende des Teams der diesjährigen Festspieloper „Rodrigo“ in der Weinkellerei Bremer zu erleben.

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