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Regional Blues’n’Boogie-Küche im Göttinger Exil
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15:02 22.06.2018
Zogen alle ihre gesanglichen Register: Kristina Schmidt, Joe Pfändner und Tosha. Quelle: lin
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Göttingen

Was für ein Auflauf an bekannten Gesichtern der Göttinger Kulturszene: Neben der Stammformation um den Pianisten Gregor Kilian und den Schlagzeuger Nils Conrad versammelte sich mit Peter Schultz am Saxophon, Jan Finkhäuser und Johannes Park an den E-Gitarren, Dietmar Goretzki am zweiten Klavier, Harald Richter an der Blues-Harp und den Stimmen von Tosha, Kristina Schmidt und Joe Pfändner eine illustre Schar MusikerInnen im stetigen Wechsel auf der Bühne des Exils.

Sascha Münnich Quelle: lin

Dazu kamen noch zwei ganz spezielle Ehrengäste aus der Göttinger Kulturszene. Wer kennt ihn nicht, die bekannteste Soulstimme Göttingens, Sascha Münnich. Und stimmlich hatte der Abend mit Franziska Lather vom Jungen Theater auch noch eine weitere großartige weibliche Note zu bieten. Wenn dazu noch die neue Band von Tosha „Streetwise“ die Pause zwischen den Sets verkürzen darf und Göttinger Swingtänzer mit ihren fließenden Bewegungen auf der Tanzfläche beeindrucken, weht ein Hauch von Las Vegas durch das Exil.

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Conrad kam nach acht Stunden Fahrt noch gerade rechtzeitig zur Show, wie Kilian nach dem Auftritt erzählt und musste ganz ohne Soundcheck einsteigen. Kilian hatte seinem angestammten Schlagzeuger, mit dem ihn noch ein Bandprojekt in Hamburg verbindet, die Setliste vorsichtshalber per WhatsApp auf sein Handy geschickt, so dass dieser sich von Stau zu Stau wenigstens in die Stücke reindenken konnte.

Honky Tonk Train Blues“ in kleiner Besetzung

Mit einem Trommelwirbel geht’s dann auch direkt in den „Honky Tonk Train Blues“ und in kleiner Besetzung nimmt der Zug gleich ein atemberaubendes Tempo auf. Dann wird’s voll auf der Bühne und Pfändner darf in „Caldonia“ und dem mitreißenden „My Girl Josephine“ erste stimmliche Akzente setzen. Zu „Unchain My Heart“ stellt Gitarrist Jan Finkhäuser mit seiner Reibeisenstimme sogar Woodstock Legende Joe Cocker in den Schatten.

Fliegende Hände über weißen und schwarzen Tasten prägen den Boogie Woogie, zu dem beide Pianisten zwischenzeitlich vierhändig über die Tasten eines Klaviers wirbeln. Jazzig wird’s mit Swing der 30er-Jahre im Fats Waller Stil und seinem „Honeysuckle Rose“ sowie dem Nina Simone Klassiker „My Baby Just Cares For Me“. Gekonnt drehen dazu immer mehr SwingtänzerInnen ihre Pirouetten auf der Tanzfläche. Zu „Fly Me To The Moon“ darf unter lautem Jubel Münnich zum ersten Mal seine Stimme erheben, nachdem er zuvor im Hintergrund nur den E-Bass bedient hat.

Unaufhörlich rollt der Zug Stück für Stück durch die Musikhistorie. Nach knackigem Rock´n Roll und „Blue Suede Shoes“ liefern sich Tosha und Pfändner in „Big Daddy, Won´t You Please Come Home“ ein herrliches Zwiegespräch. Die direkt von der JT-Bühne herbeigeilte Franziska Lather gibt ihre beeindruckende stimmliche Visitenkarte zu „As Time Goes By“ und „All Of You“. Auf den Spuren der Andrews Sisters bewegen sich Tosha, Schmidt und Lather im humorig interpretierten „Bei mir bist du scheen“ und wenn Münnich zu Sonnenbrille und Hut greift ist Blues Brothers Time. Zum absoluten Abräumer wird „Just A Gigolo“, in dem Tosha, Schmidt und Pfändner noch mal alle gesanglichen Register ziehen.

Ein musikalisches Vergnügen der Extraklasse, das mit „Im Walking“ in den frühen Morgenstunden des neuen Tages seinen passenden „Rausschmeißer“ findet.

Von Jörg Linnhoff

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