Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Selten gespielte Oper in Göttingen inszeniert
Nachrichten Kultur Regional Selten gespielte Oper in Göttingen inszeniert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 15.05.2019
Regisseur Walter Sutcliffe hat sich der Händel-Oper „Rodrigo“ angenommen und ist inzwischen begeistert von dem Frühwerk des großen Barockkomponisten, wie er im Gespräch mit dem Tageblatt versichert. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Georg Friedrich Händel hat 42 Opern und 25 Oratorien geschrieben. Seine fünfte Oper, die heute den Namen „Rodrigo“ trägt, gehört nicht zu den bekanntesten Werken des großen Barock-Komponisten. Über Jahrhunderte war das 1707 fertiggestellte Werk nur zum Teil erhalten, bevor das verschollene Libretto wieder auftauchte. Erst 1984 gab es eine Neuinszenierung. In diesem Jahr steht die italienische Oper Rodrigo auf dem Programm der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen. Der britische Regisseur Walter Sutcliffe wird das Werk inszenieren. Der 43-Jährige ist seit mehr als sechs Wochen dabei, die in Spanien angesiedelte Geschichte um den letzten Gotenkönig auf die Bühne des Deutschen Theaters zu bringen. Es geht um Verrat, Treue, Edelmut, Krieg, Liebe und Gnade. Am Ende ist es tatsächlich die Güte, die die Rache überwindet. Premiere ist am Freitag, 17. Mai, 18 Uhr, im Deutschen Theater, eine Werkeinführung beginnt hier um 17 Uhr – in deutscher und englischer Sprache.

„Fantastisches Material“

Warum gerade Rodrigo? Die Entscheidung haben Laurence Cummings und Tobias Wolff getroffen, der eine ist der künstlerische Leiter, der andere der Intendant der Festspiele. „Die haben ihre Titelvorstellungen“, stellt Sutcliffe im Gespräch mit dem Tageblatt fest. Er sei gefragt worden, ob er die Inszenierung übernehmen möchte. Da habe er sich erst einmal schlau machen müssen, denn Rodrigo war auch dem umtriebigen Opern- und Theaterregisseur nicht näher bekannt. Sutcliffe sagte zu, arbeitete ein Konzept aus und schlug ein Bühnenbild vor. Aber: „Das Stück entdeckt man natürlich erst dann, wenn man anfängt, mit ihm zu arbeiten. Vorher hat man allenfalls einen Eindruck“, erklärt er den Kennenlernprozess. Mittlerweile sagt Sutcliffe von der Händel-Oper, dass es sich um ein „fantastisches Material“ handle. Besonders gut gefällt ihm, dass das Werk zahlreiche Rezitative enthält, also Sprechgesang. Nach seinem Geschmack sei so richtig gutes Theater möglich. Von all zu vielen Arien in einem Stück hält der gebürtige Londoner nicht viel.

„Das finde ich provozierend“

Zu den Kostümen und dem Bühnenbild gibt sich der Regisseur einsilbig, da soll wohl nichts verraten werden. Zur Handlung sagt Sutcliffe, dass sie sich um „konfliktgeladene Situationen“ dreht. Für ihn sei interessant, wie die Figuren mit ihren Entscheidungen umgehen. „Es ist ein sehr ernstes Stück. Ein Drama - was ich versuche auch ernst zu nehmen.“ Die Handlung sei geprägt von Obsessionen, auch von Absurdität. Man könne das Stück durchaus zu einer Art Comedy umschreiben, das sei aber nicht die Art und Weise, wie er die Oper darstellen will. Er möchte auch kein Lehrstück auf die Bühne bringen, sondern einfach eine Geschichte erzählen, in die die Zuschauer eintauchen können. „Und ich glaube, mit diesem Stück ist das sehr gut möglich“, sagt Sutcliffe. Eine Beziehung zum Heute sei fraglos möglich: „Die Figuren leben in einer kurzsichtigen Gesellschaft. Sie betrachten ihre persönlichen Probleme als das Wichtigste. Sie merken gar nicht, dass sie am Ende einer gesellschaftlichen Epoche stehen. Das finde ich provozierend, weil es Denkanstöße gibt.“ Den Titelhelden beschreibt der 43-Jährige so: „Kein Held. Kein Antiheld. Einer, der oft ratlos ist. - Im Grunde ein moderner Mann.“

„Ich mag alles hier“

Die Frage, ob es unerfüllte Wünsche für die Inszenierung gegeben hat, beantwortet Sutcliffe verneinend. „Es gibt ein Budget, so wie überall auf der Welt. Es würde keinen Sinn machen etwas zu verlangen, was sich nicht umsetzen lässt“, findet er.

Aber ist Göttingen dem Mann, der oft in Metropolen wie New York arbeitet, nicht zu klein? „Die Größe hat nichts zu sagen. Das Theater ist sehr schön hier, die Funktionalität ist sehr gut, die Mannschaft der Festspiele ist sehr gut.“ Außerdem sei es viel schöner, alles zu Fuß erreichen zu können und für weite Wege nicht die U-Bahn nutzen zu müssen. Sutcliffe bekennt: „Ich mag alles hier.“

Die Aufführungen

Weitere Aufführungen der italienischen Oper „Rodrigo“ laufen am 19. Mai, 17 Uhr; 20. Mai, 15 Uhr; 22. Mai, 19 Uhr; 25. Mai, 15 Uhr; 26. Mai, 17 Uhr. Eine Familienfassung wird am Sonntag, 26. Mai, ab 12 Uhr aufgeführt. Am 20. Mai, 19 Uhr, gibt es ein Public Viewing auf Großleinwand im Zentralen Hörsaalgebäude auf dem Gelände der Universität, wenn die Oper Rodrigo aufgezeichnet wird. Der Eintritt ist frei. Für alle anderen Aufführungen können noch Karten im Vorverkauf erworben werden, zum Teil nur noch Restkarten. Tickets sind exklusiv beim Göttinger Tageblatt Ticketservice, Weender Straße 44, der Tourist-Information, Markt 8 und dem Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, erhältlich.

Von Ulrich Meinhard

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Reihe der Freitag-Abend-Orgelmusiken lädt die Kantorei St. Jacobi zu einem Orgelkonzert am 17. Mai ein. Kantor Stefan Kordes spielt Orgel und erläutert das Programm.

14.05.2019
Regional Märchen- und Chansonabend in Göttingen - Nele Quaas ist glücklich mit ihrer Musik

Eine Stelle als Lehrerin hat die gebürtige Göttingerin Nele Quaas aufgegeben, um sich ganz der Musik zu widmen. Als Sängerin und Gesangslehrerin ist sie inzwischen in Hamburg heimisch geworden und gibt am Freitag gemeinsam mit zwei Künstlerinnen einen Märchen- und Chansonabend im Holbornschen Haus.

15.05.2019

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Göttinger Band „Sleeves“ gewannen „wolf:gang“ mit ihrem furiosen Auftritt den regionalen Local Heroes Wettbewerb 2019.

14.05.2019