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Regional Interview mit Bryan Adams über seine Arbeit als Fotograf
Nachrichten Kultur Regional Interview mit Bryan Adams über seine Arbeit als Fotograf
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20:11 27.08.2013
Bloß nicht zu nah ran: Bryan Adams 2011 in seinem Londoner Studio. Quelle: Galerie Akira Ikeda
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Mr. Adams, sogar die englische Queen sieht auf Ihrem Porträt locker aus. Haben Sie Tricks, die Sie anwenden, damit Menschen sich entspannen?
Wenn ich jemanden fotografiere, geschieht das ohne Bewusstsein darüber, irgendetwas Spezielles zu tun. Ich lasse die Menschen einfach ihren eigenen Platz finden – und dann geht’s los.

Lieben Sie es umgekehrt, fotografiert zu werden? Mögen Sie es, wenn die Kamera auf Ihr Gesicht zoomt?
Ich habe mit jedem Menschen Mitleid, auf dessen Gesicht gezoomt wird.

Als Sänger bewegen Sie sich im Rampenlicht, als Fotograf können Sie einen Schritt zurück machen. Ist es das, was Sie so sehr daran reizt, dass Sie Ihre Fotoaktivitäten zunehmend ausbauen?
Mir gefällt in gewisser Weise beides. Allerdings bin ich in den vergangenen dreißig Jahren vor dem Rampenlicht innerlich zurückgescheut. Freiwillig gehe ich nur höchst ungern aus der Deckung.

Sie haben Dustin Hoffman am Strand von Malibu getroffen und die charismatische Sängerin Amy Winehouse noch kurz vor ihrem Tod in ihrem Studio in London. Welches Fotoshooting war am eindrucksvollsten?
Alle waren auf ihre Weise außergewöhnlich und überraschend. Für den Bildband „Exposed“ habe ich einfach meine Favoriten aus den vergangenen dreizehn Jahren ausgewählt. Damit habe ich ein Kapitel abgeschlossen, um ein neues öffnen zu können.

Wieso haben Sie ausgerechnet Celebritys porträtiert, die ohnedies dauernd fotografiert werden. Fühlen Sie sich mit berühmten Menschen, also Ihresgleichen, einfach besonders wohl?
Es ist schlicht so, dass die meisten Porträts Auftragsarbeiten für verschiedene Magazine sind. Hinzu kommt, dass mich einfach Charaktere interessieren und ich es liebe, Möglichkeiten zu finden, häufig Porträtierte in einer neuen Weise zu fotografieren.

Im scharfen Kontrast zu den lächelnden Stars stehen Ihre Aufnahmen von schwer verletzten Kriegsheimkehrern. Wieso interessieren Sie sich für diese Motive?
Ein Bekannter von mir, ein Journalist, wollte einen Kalender zu dem Thema machen. Kalender aber interessiert mich nicht. Ich begann schließlich einfach ohne klare Vorstellung, wohin es führen sollte. Das war vor ungefähr drei Jahren. Ich fand dann verwandte Motive.

Inzwischen habe ich genügend Fotos und Geschichten zusammen, um ein Buch daraus zu machen. Das erscheint mir die angemessene Präsentationsform für dieses schwierige Thema.

Die meisten Menschen sind froh, eine Karriere zu haben. Sie haben zwei. Ist der Fotokünstler manchmal neidisch auf den berühmten Musiker und vice versa?
Die beiden ergänzen und befruchten einander. Ich bin in beiden Bereichen sehr emsig und kann es kaum erwarten, etwas Neues anzufangen. Weil ich mich niemals mit mir selbst langweile, habe ich immer irgendein Schlupfloch, um zu entkommen.

Interview: Johanna Di Blasi

Die Ausstellung „Exposed“ ist ab September in der Galerie Akira Ikeda, Christinenstraße 18/19, in Berlin zu sehen. Das Buch „Exposed“ (304 Seiten, 68 Euro) erscheint im Göttinger Steidl-Verlag.