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Regional Buchladen Rote Straße: Zuhause zwischen Marx und Graphic Novels
Nachrichten Kultur Regional Buchladen Rote Straße: Zuhause zwischen Marx und Graphic Novels
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18:48 14.01.2020
Der Buchladen Rote Straße ist seit 1997 am Nikolaikirchhof zu finden. Quelle: lel
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Göttingen

Der Buchladen Rote Straße ist seit bald 50 Jahren in Göttingen ansässig. Als Institution der linkspolitischen Szene und des inhabergeführten stationären Buchhandels haben sie sich die Inhaber einen Namen gemacht. Am Sonnabend, 25. Januar, feiern sie im Theaterkeller eine Soli-Party, bei der nicht so sehr die monetäre Armstütze als der Austausch mit den Göttingern gesucht wird. Ein Podiumsgespräch zum „Buchladen in der Welt des (linken) Buchhandels“ eröffnet den Abend. Was sie dabei besprechen wollen und warum, haben zwei Kollektivmitglieder dem Tageblatt erklärt.

Eigentlich führt der Name an eine andere Adresse. Der Buchladen Rote Straße ist seit 1997 am Nikolaikirchhof zu finden, zwischen Antiquariat und P-Café leuchtet es heimelig aus den Fenstern. Der „Rote Buchladen“, wie er auch genannt wird, setzt seinen Fokus auf Sachbücher zu Politik und Gesellschaft, die Kunden kommen aus allen gesellschaftlichen Strömungen und Altersklassen. „Wir haben hier Kunden, die seit den 70-ern bei uns einkaufen“, erzählt Meggi Röttering, Kollektivmitglied und Geschäftsführerin mit Klaus Schild. Über die Geschichte des Ladens, der sowohl Sachliteratur als auch Belletristik, Comics und Kinderbücher vertreibt, sprechen sie gern – „da steckt viel Herzblut drin“. Ein „besuchbares Zuhause“ soll der Laden sein.

Alle wurden Buchhändler

1972 gründete das damalige Kollektiv den Buchladen in der Roten Straße. Die Mitglieder kamen aus verschiedenen Sparten, im Laufe der Zeit haben alle eine Ausbildung zum Buchhändler abgeschlossen. Für die Buchführung, das Verlagswesen und schwarze Zahlen sei das unerlässlich gewesen – und sie wollten auf demselben Stand sein. „Wir verfolgen das ,Alle können alles’-Prinzip, auch wenn im Alltag nicht jeder alles macht“, so Röttering. Sie selbst kam nach dem Umzug aus der Roten Straße an den Nikolaikirchhof dazu, mittlerweile liegt der aber auch 23 Jahre zurück. „Wir sind ziemlich beständig, von den sechs Kollektivistas sind nur zwei nach ’97 dazu gekommen“, sagt Röttering.

Kollektivmitglied und Geschäftsführer Klaus Schild im Roten Buchladen am Nikolaikirchhof. Quelle: lel

Die Inhaber führen den Laden als Teilzeitjob, davon zu leben ist schwierig. „Buchhandel ist aber allgemein kein Metier, in dem man viel Geld verdient“, sagt Röttering. Der Göttinger Laden schreibe derzeit schwarze Zahlen, das sei aber „ein ewiges Zickzack“. Zweimal im Jahr kommen beispielsweise die Vertreter der Büchergilde vorbei, wovon der linke Buchladen ein Partner ist – obwohl die Büchergilde „vielleicht linksliberal, aber nicht mehr“ sei. „Dann geben wir unsere Bestellungen ab, was natürlich immer eine große Summe ausmacht“, so Schild. Die Rechnungen müssen quartalsweise beglichen werden. Meistens komme das Geld aber im Laufe einiger Wochen wieder vollständig rein. Die Umsätze seien gut und „extrem stabil“.

Auch Rechercheleistung bringen die sechs

Ohne linke Verlage könnte sich kein Buchgeschäft linker Buchladen nennen. Bei Unrast und Edition Assemblage bestellt das Kollektiv viel. „Die vertreiben viel Queer-Literatur, junge Menschen um die 20 sind daran sehr interessiert“, erzählt Röttering. Aber es komme auch so manche Großmutter, um Vorlesebücher für die Enkel zu holen. Oft kurz vor knapp. Kein Problem für den Buchladen, innerhalb von 24 Stunden haben sie die meisten Bände im Laden – schneller als durch Amazon. „Seltene niederländische Museumskataloge brauchen etwas länger“, so Röttering lachend. Tatsächlich suche sie manchmal einen halben Tag nach Extrawünschen, die man nicht bei den großen Anbietern findet und wird fündig – die Kunden freuen sich und kommen immer wieder. „Geld ist nicht alles, es ist mir wichtiger, dass das Buch zum Kunden kommt“, sagt sie.

Der Buchladen Rote Straße ist Partnerhandlung der Büchergilde und in der Innenstadt Göttingens zu finden. Quelle: lel

Damit noch mehr Menschen dem Buch entgegen gehen, soll das Gespräch über die linken Verlage und den Handel aufklären – und vielleicht noch mehr Kunden in den Laden locken. Jeder ist eingeladen, dort selbst zu stöbern. Bei Fragen stehen die Inhaber gerne zur Seite. Meggi vor allem als Beraterin für Krimis, Klaus für alles rund um Karl Marx und wer mehr über Graphic Novels wissen will, sollte nach Ute fragen. Was die anderen gerne lesen, findet man am besten vor Ort heraus – oder bei der Soliparty im Theaterkeller.

Info: Die Buchladen-Soliparty startet am Sonnabend, 25. Januar, um 21 Uhr im Theaterkeller, Geismar Landstraße 19, mit dem Podiumsgespräch, für 22 Uhr ist eine Lounge geplant, um 23 Uhr beginnt eine Show, die in eine „fetzige Party mit 80s und elektronischer Musik“ übergehen soll. Die Spenden für den Eintritt kommen dem Buchladen Rote Straße zugute.

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E-Mail: l.lang@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @LeaLangGT

Von Lea Lang

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