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Regional Premiere von „Fabian“ nach Erich Kästner
Nachrichten Kultur Regional Premiere von „Fabian“ nach Erich Kästner
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00:20 20.03.2019
Cornelia (Gaja Vogel, li.) und Fabian (Gregor Schleuning, re.) treffen sich im Berliner Nachtleben. Quelle: Thomas Müller
Göttingen

Dicht dran ist das Publikum bei diesem Stück. Der Blick fällt auf eine große Kulisse, die die Bühne quasi abschließt, der eigentliche große Bühnenraum verschwindet. Eine Art Hausfassade ist aufgerichtet, in ihr drei Nischen, davor sind es nur noch ein, zwei Meter bis zum Bühnenrand. Klein, dicht, nah soll es hier sein (Bühne: Johannes Frei). In den Rängen sind keine Zuschauer, das Parkett hat mit einem roten Tuch noch eine Decke bekommen.

Schnelle Wechsel

Sehr dicht ist auch die Bühnenfassung, die Regisseurin Messing und die Dramaturgin Sonja Bachmann fürs Deutsche Theater erarbeitet haben. Kästner hat seinen Roman in den späten 1920er Jahren geschrieben, erschienen ist er 1931. Der bis dahin vor allem als Kinderbuchautor und Journalist bekannte Kästner hat darin ein gesellschaftliches Panorama einer schwierigen Zeit abgebildet. Schnelle Wechsel der Orte, der Millieus prägen seinen Roman. Messing nimmt diese schnellen Wechsel auf. Rasant geht es an diesem Abend durch die Begebenheiten aus dem Leben des Jakob Fabian.

Labude (Marius Ahrendt) und Fabian (Gregor Schleuning) bezahlen den Nachtclubmitarbeiter (Gerd Zinck). Quelle: Weimar

Der Germanist Fabian arbeitet als Werbetexter in Berlin, nachts ist er in der Großstadt unterwegs, das frivole, zügellose Nachtleben erforscht er mit seinem Freund Labude, der auf die Annahme seiner Habilitation wartet. Fabian ist distanzierter Beobachter dieser Gesellschaft, Labude dagegen ist politisch aktiv. Ihre Analyse aber deckt sich: Hier stimmt etwas nicht, sie stehen im Wartesaal der Geschichte, vor dem Umsturz. Soziale Missstände, Wohnungsmangel, Auseinandersetzungen zwischen den politischen Lagern beleuchtet Kästners Text. Als sein Freund Labude Selbstmord begeht, Fabian nach kurzer Verliebtheit seine Freundin Cornelia an einen einflussreichen Filmproduzenten verliert ebenso wie seine Anstellung, ist es vorbei mit seiner entspannten Haltung. Verzweifelt fährt er in seine Heimatstadt Dresden zurück.

Auf engem Raum

Aus vielen kleinen Szenen setzt sich das Stück zusammen. Alle spielen sie in den kleinen Nischen, äußert sparsam werden Requisiten eingesetzt, mal eine alte Stehlampe, eine Schreibmaschine, ein Stuhl. Hektisch und schrill geht es oft zu. Das Spiel auf dem engen Raum verlangt den Schauspielern auch körperlich alles ab. Getragen wird der Reigen von der Musik, die Fabian Kuss für die Aufführung komponiert hat und die Michael Frei, Leiter der Schauspielmusik am DT, am Klavier spielt.

Messings Roman-Adaption muss nur selten auf einen Erzähler zurückgreifen, manchmal sprechen die Schauspieler den Text im Chor, mal vom Rang, mal aus dem Parkett. Auch so schließt sich der Reigen, unterstützt von einigen schönen Ideen wie der Darstellung eines Traumes von Fabian. Die Schauspieler spielen hier mit kleinen Puppen in der Nische, in der auch das Klavier untergebracht ist. Gleichzeitig läuft diese Traumdarstellung als Film auf der Hauswand. Schön ist auch Cornelias (Gaja Vogel) angedeutete Gesangseinlage, in der sie Fabian ihre Liebe ausmalt. Kurz vor dem Ende – hier schlägt alles über Fabian zusammen, Messing wählt dafür sich überlagernde, fast geschriene Dialoge – , hätten einzelne Szenen allerdings mehr Zeit verdient gehabt.

Viel Spielfreude

Das Ensemble – Gregor Schleuning als Fabian, Marius Ahrendt als Labude, Gaja Vogel als Cornelia sowie, Florian Eppinger, Christina Jung, Rebecca Klingenberg und Gerd Zinck in wechselnden Rollen – glänzt mit Spielfreude. Schleuning legt seinen Fabian sehr ruhig an, als zunächst selbstgewissen jungen Mann, der selten um eine gute Formulierung verlegen ist. Eppinger spielt eine Reihe gönnerhafter, arroganter Männer, schön sein Rechtsanwalt Moll. Christina Jung gibt die taffen Rollen, Rebecca Klingenberg eine gierige Irene Moll und eine fast schon zur Karikatur geratene Zimmerwirtin.

Ein vielschichtiger Text voller pointierter Einschätzungen, eine dichte Inszenierung und ein stimmig agierendes Ensemble: Ausdauernder Applaus vom Publikum für eine gelungene Roman-Umsetzung.

Weitere Vorstellungen

Nächste Vorstellungen: Dienstag, 19. März, um 19.45 Uhr, 3. April um 20.30 Uhr und am 30. April um 19.45 Uhr. Karten können beim Deutschen Theater bestellt werden unter der Telefonnummer 0551/49 69 300 oder online unter theaterkasse@dt-goettingen.de.

Von Christiane Böhm

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