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00:17 27.03.2018
Comedian Bülent Ceylan gastiert mit seinem neuen Programm "Lassmalache" in der nicht ganz ausverkauften Göttinger Lokhalle. Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

Ceylan liebt den großen Auftritt. Heavy Rock dröhnt aus den Boxen und Flammensäulen schießen empor, als der 42-Jährige als Zirkusdirektor die aus zahlreichen Videowänden installierte Manege betritt. „Der Türk is do“ begrüßt Ceylan die Besucher in breitestem „Monnemer“ Dialekt. Sofort nimmt er unmittelbaren Kontakt zu seinem Publikum auf und steigt von der Bühne. Bereits innerhalb der ersten Viertelstunde könnte er es sich mit mindestens fünf Nationalitäten verdorben haben, die er sich unter den Besuchern sucht, um Witze über sie zu machen.

Aber das geschieht nicht, denn augenscheinlich darf sich dieser sympathisch-zynische Komiker beinahe alles erlauben. Schließlich hat er über die Jahre selbst von üblen Zoten bis hin zu persönlichen Anfeindungen vieles einstecken müssen. Diesen Bonus kostet Ceylan an diesem Abend reichlich aus, wenn er beispielsweise einen griechischen Besucher fragt, ob er die Eintrittskarte bezahlt habe oder die Deutschen. Nein, der bissig-witzigen Langmähne kann niemand wirklich böse sein. Im Gegenteil: Die Besucher quietschen vor Vergnügen und haben ihren täglichen Lachdurchschnitt in wenigen Minuten locker überschritten.

Yoga statt Domina

Mit Sport und Esoterik hat der Comedian wohl wenig am Hut und das Publikum erfährt, dass Yoga nur von Menschen praktiziert wird, die sich nicht zu einer Domina trauten und sich selbst gerne Schmerzen zufügten. Zwischen Lebensweisheiten und witzigen Familienanekdoten schlüpft der Mannheimer immer wieder in seine vom Publikum geliebten und sehnsüchtig erwarteten Figuren wie das arbeitslose Muttersöhnchen Harald, den türkischen Macho-Proll Hassan, die kichernde Pelzhändlerin Anneliese und den dauernörgelnden Hausmeister Mompfred mit seinem Flammenwerfer.

Carmen Giese ist aus Kassel angereist und kann sich, wie auch der Rest des Publikums vor Lachen kaum in ihrem Sitz halten. Sie kannte Ceylan bisher nur aus dem Fernsehen und ist überglücklich ihn heute zum ersten Mal live zu erleben, dank ihrer besten Freundin Anja, die ihr das Ticket im Januar zum Geburtstag schenkte. Als eine der ersten 100 Gäste des Abends konnten sie an der Autogramm- und Fotosession des Comedians teilnehmen. „Ich mag alles an diesem Mann, der ist total authentisch“ sagt sie überglücklich in der Pause.

Zweistündige Show

Ceylan macht aus seiner Abscheu vor dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan und vor Nazis keinen Hehl: In der Türkei gebe es inzwischen noch weniger Kritiker als Schweinschnitzel. Und der Gauland habe Hitlers fehlenden Hoden gefunden und ihn damit geklont. Da verschlägt es den ansonsten befreit auflachenden Besuchern doch das Grinsen. Zum Ende der rund zweistündigen Show bedankt sich der Komiker, der seit rund 20 Jahren auf der Bühne steht, mit einer melancholischen Ballade. „Ohne euch wäre ich nicht hier“, ruft er dem Lokhallen-Publikum zu und erntet dafür stehende Ovationen. „Wenn in Göttingen einer aufsteht“, kommentiert Ceylan, „dann hast du es weltweit geschafft“.

Von Christoph Mischke

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