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Regional Erstaufführung: Chor Cantus Cordis präsentiert Bikkembergs Weihnachtshistorie
Nachrichten Kultur Regional Erstaufführung: Chor Cantus Cordis präsentiert Bikkembergs Weihnachtshistorie
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10:01 02.12.2019
Der Chor Cantus Cordis aus Hardegsen war mit der Weihnachtshistorie des belgischen Komponisten Kurt Bikkembergs zu Gast in St. Nikolai Quelle: Michael Schäfer
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Göttingen

Eine deutsche Erstaufführung war am Sonnabend in der Nikolaikirche zu erleben. Der Chor Cantus Cordis aus Hardegsen sang die Weihnachtshistorie des belgischen Komponisten Kurt Bikkembergs, der zu diesem Konzert eigens aus Belgien gekommen war.

Cantus Cordis wird geleitet von Gerhard Ropeter, der diesen Chor 1987 gegründet und mit ihm bereits etliche anspruchsvolle Projekte erarbeitet hat. Im Chor singen Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren. Ein erster Platz beim Niedersächsischen Landeschorwettbewerb 2017 in Bad Pyrmontund der fünfte Platz unter den Kinderchören beim bundesweit ausgetragenen 10. Deutschen Chorwettbewerb 2018 in Freiburg bezeugen die Qualität dieser Arbeit, die angesichts des altersbedingten kontinuierlichen Wechsels der Besetzung nicht eben einfach ist. Die Arbeit mit einem Kinderchor sei „immer eine Baustelle auf dünnem Eis“, beschrieb Ropeter. Zum Konzert nach Göttingen waren ausschließlich Mädchen gekommen: je elf Soprane I und II, dazu acht Altistinnen.

Frühbarocke Historientradition

Mit der „Historia nativitatis Domini nostri Iesu Christi“ (Geschichte von der Geburt unseres Herrn Jesus Christus), so der vollständige Titel, setzt Bikkembergs die frühbarocke Historientradition fort, die später ins aufwendigere Oratorium mündete. Den roten Faden bildet bei ihm eine schlichte Vertonung des biblischen Textes, den er mit alten weihnachtlichen Chorälen und Liedern aus verschiedenen Ländern kombiniert. Zu Beginn erläuterte der Komponist die Struktur dieser Historia. Sie ist zweiteilig angelegt mit Texten aus dem Lukas-Evangelium im ersten und dem Matthäus-Evangelium im zweiten Teil.

„Lukas erzählt von den Hirten, nicht von den Königen, Matthäus von den Königen, aber nicht von den Hirten“, erläuterte Bikkembergs. Eingelassen in den Bibeltext sind sieben alte europäische Volksweisen, zwei in flämischer Sprache, zwei auf Deutsch, zwei auf Englisch und eine auf Französisch. Einziges Begleitinstrument ist die Harfe, der Chorsatz ist dreistimmig mit zwei Sopran- und einer Altstimme, wobei die rezitativischen Abschnitte mit drei Solostimmen, die Choräle chorisch besetzt sind. Die Soloparts hatte Ropeter mit je drei Sängerinnen bestückt.

Positive Resonanz

Bikkembergs’ musikalische Sprache ist eingängig und ausdrucksstark, dabei nicht unkompliziert. Längere Strecken im Unisono wechseln mit Mehrstimmen-Passagen ab, in denen auch hier und da herbere Reibungen auftreten. Manche Führungen erinnern an gregorianische Melodien, die Strophen der eingefügten alten Choräle sind sehr abwechslungsreich gesetzt. Das ist für ein derart jugendlich besetztes Ensemble nicht gerade leicht zu bewältigen, doch hatte Ropeter seine Schützlinge gründlich auf diese Aufgaben vorbereitet. Sie sangen mit selbstbewusstem Stimmeinsatz, schön homogen im Zusammenklang, beherzt, nirgends ängstlich. Hier und da gab es kleinere Trübungen der Tonreinheit bei komplizierteren Fügungen, aber das reparierte sich im weiteren Verlauf stets von selbst. Auch bei längeren A-cappella-Abschnitten verrutschte den Choristinnen nichts: Die wieder einsetzende Harfe zeigte dies zuverlässig an.

Eingeleitet hatte der Chor den musikalischen Abend mit zwei klanglich frischen Chorwerken des 20. und 21. Jahrhunderts: dem Magnificat der rumänischen Komponistin Rucsandra Popescu und einer Auswahl aus der „Ceremony of Carols“ von Benjamin Britten. Die Publikumsresonanz in der gut besuchten Nikolaikirche war einhellig positiv. Der Chor, die zuverlässige Harfenistin Nathalie Amstutz, Dirigent Gerhard Ropeter und nicht zuletzt Komponist Kurt Bikkembergs wurden mit Standing Ovations gefeiert.

Der belgische Komponist Kurt Bikkembergs Quelle: Michael Schäfer

Kurt Bikkembergs

Kurt Bikkembergs, geboren 1963 im belgischen Hasselt, leitet zahlreiche renommierte belgische Chöre, darunter den Chor des Lemmens-Instituts in Löwen, an dem er seit 1986 lehrt, und den Chor der Flämischen Oper. Er hat bisher etwa 200 Kompositionen geschaffen, vor allem geistliche Musik mit drei Oratorien und mehreren Kantaten, aber auch Kammer- und Bläsermusik. Bikkembergs wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, so 1993 für sein bis dahin entstandenes Gesamtwerk mit dem „Prijs Cera-Jeugd & Muziek Vlaanderen“. Auf der Homepage der Flämischen Oper heißt es über seine Kompositionen: „Mit experimentellen Techniken, die immer in der Tradition verwurzelt sind, versucht er, Innovationen in die zeitgenössische religiöse Vokalmusik zu bringen.“ Die „Historia nativitatis Domini nostri Iesu Christi“ für dreistimmigen Chor und Harfe ist ein Auftragswerk des Chores der Flämischen Oper. Uraufgeführt wurde das Werk Weihnachten 2018 in Antwerpen und Gent.

Von Michael Schäfer

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