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Regional Choreographin Judith Kara über das Tanz- und Musik-Festival in der Lokhalle
Nachrichten Kultur Regional Choreographin Judith Kara über das Tanz- und Musik-Festival in der Lokhalle
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00:16 26.08.2013
Hat „Le Sacre“ schon lange im Kopf und im Herzen: Choreographin und Tänzerin Judith Kara. Quelle: Vetter
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Göttingen

Noch zwei Wochen bis zur Premiere. Sind Sie mit dem Großprojekt im Zeitplan?

Ich bin unglaublich erfüllt, weil alles gut läuft: wir sind im Zeitplan, die Proben klappen gut, alle sind motiviert. Das Projekt benötigt durch die Größe viel Kraft neben der üblichen Arbeit in meiner Ballettschule. Aber das habe ich vorher gewusst und war darauf eingestellt, dass es eine unglaublich intensive Zeit wird.

Es soll an die 300 Inszenierungen von „Le Sacre du Printemps“, das 1913 in Paris Premiere hatte, geben. Wird die 300. in Göttingen zu sehen sein?

Wenn es die 300. Inszenierung in Göttingen wäre, wäre das schön. Aber ich kenne nicht die genaue laufende Zahl. Auf jeden Fall aber ist auch diese eine sehr individuelle, die dazu kommt. Und das ist für mich das spannende an dieser Musik, die so viele choreographische Interpretationsmöglichkeiten zulässt und nie langweilig wird.

Warum muss es „Le Sacre“ sein?

„Le Sacre“ habe ich im Kopf und im Herzen seit dem Ende meiner Ausbildung, das heißt seit mehr als zehn Jahren. Ich habe mir immer gesagt, irgendwann möchte ich dieses Stück in Gänze choreographieren. Vor zwei Jahren war ich soweit nach der Aufführung der Carmina Burana. Bei einem Gespräch mit Nils König, der schon einige Festivals in der Lokhalle organisiert hat, war es Thema, dann kam Christoph-Mathias Mueller vom Göttinger Symphonie-Orchester dazu, und wir haben es in Angriff genommen.

Haben sich Ihre Pläne durch diese Kooperation geändert?

Meine Idee war immer die kammermusikalische Version von „Le Sacre du Printemps“, die ich hier für die Fechthalle umsetzen wollte. Aber dann hat sich dieses Göttinger Projekt ergeben mit dem Aufführungsort Lokhalle.   Inhaltlich arbeitet dieses Stück seit zehn Jahren in mir mit den entsprechenden choreographischen Vorgedanken. Auf drei Bühnen gleichzeitig zu tanzen, ist ein toller Spaß, und es grenzt auch auf eine bestimmte Art und Weise ein. Das alles ist eine Herausforderung.

Welche Rolle spielt dabei der  Aufführungsort Lokhalle?

Die Lokhalle hat was Raues und was Feines zugleich. Man geht rein in die Halle und ist überwältigt von der Größe, von der Struktur und Schönheit des Raumes. Und das hat uns bei dieser Inszenierung zusätzlich inspiriert. So kommt noch eine vierte Bühne hinzu. Das ist möglich, weil die Bühnen aus Licht entstehen. Und weil es keine herkömmliche Bühne gibt, gewähren wir dem Publikum durch die offenen Auf- und Abgänge auch besondere Einblicke. Deshalb passt die Lokhalle ganz wunderbar zu diesem Ballett mit dieser Musik.

Die Lokhalle hat keinen Tanzboden. Das ist für die Tänzer doch  eine weitere Anstrengung, und Sie muten denen viel zu.

Ja, das tue ich. Aber Tänzer sind Künstler durch und durch. Jeder muss bereit sein, sich auf die Gegebenheiten einzulassen. Das haben wir vorher besprochen, und es war bekannt, dass wir keine richtige Tanzbühne haben, aber einen tollen Aufführungsort.

Das Ensemble mit 80 Tänzern und ein riesiger Raum machen diese Aufführung zu einem besonderen Ereignis. Wie bekommen Sie diese Größe in den Griff?

Die Größe macht mir keine Angst, weil ich aus der Ballettschul-Pädagogik komme und es gewohnt bin, mit Schulklassen und Laien zu arbeiten. Aber jetzt haben wir drei verschiedene Level: Schulklassen, meine Ballettschülerinnen und die Profitänzer. Ich bin Choreographin, Organisatorin und Koordinatorin. Der Moment der Zusammenführung in der Lokhalle wird ein spannender Moment werden.

Haben dort noch nicht alle zusammen geprobt?

Nein. Die bisherigen Proben in der Lokhalle waren mit den Ballettschülern und den Profis, damit die ganz sicher um ihre Plätze wissen.

Wann beginnen die Proben mit dem GSO und den Schulklassen?

Zwei Tage vor der Premiere: Mittwoch und Donnerstag.

Das heißt, die endgültige Musik ist noch nicht bekannt?

Bei den Proben haben wir fünf verschiedene Versionen von Le Sacre eingespielt, damit die Schüler verschiedene Interpretationen kennen und auf diese Weise vorbereitet sind auf eine neue, weitere Version des GSO. Christoph-Mathias Mueller wird ganz sicher auf seine Art und Weise Beethovens „Schicksalssymphonie“ und Strawinskys „Le Sacre“ spielen lassen.

Was wollen Sie bei den Zuschauern mit Ihren Choreographien erreichen?

Ich hoffe, dass es mir gelingt, jeden Zuschauer einen kurzen Moment mit Le Sacre ganz tief bewegen zu können und es  einen Schub durchs Herz gibt. Ich gehe mit der  Inszenierung aufs Ganze. Jeder wird mit seiner eigenen Geschichte des Erwachsenwerdens konfrontiert. Der Zuschauer, das wünsche ich mir, soll sich berührt fühlen. Wir beginnen ja mit Beethoven zart und führen hin zu Le Sacre – da knallt es. Es sind zwei völlig verschiedene Choreographien.

Interview: Angela Brünjes