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Regional Strompreis und Energiewende
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07:48 05.10.2018
Claudia Kemfert Quelle: r / Murmann Verlag
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Göttingen

Claudia Kemfert sorgt sich um die Energiewende. Die Expertin für Energie- und Klimaökonomie sieht die erreichbaren Ziele schwinden, weil der „alte“ Energiemarkt um seine Vormachtstellung kämpft. Mit einer aufklärerischen Schrift will sie verdeutlichen, was gerade schief läuft und „warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen“. Nach Ansicht der Spitzenforscherin hat weltweit „ein dramatisches Comeback fossiler Energien“ eingesetzt: die fossilen und atomaren Lobbyisten setzen ihre Interessen durch. Und damit wehren sie sich gegen ihre Vertreibung vom Energiemarkt, stellt Kemfert fest.

Posten auf der Stromrechnung

„Der Strompreis setzt sich im Wesentlichen aus drei Blöcken zusammen: zum einen aus den Kosten, die der Energiversorger für die Beschaffung, für den Transport und für den Vertrieb aufwendet und mit denen er die Abrechnung und alle sonstigen Kosten deckt. Der zweite Block sind die Netzentgelte samt der Konzessionsabgabe, und der dritte besteht aus den Steuern und Abgaben, die der Energieversorger weitergeben muss: die Umsatzsteuer, die Stromsteuer und – neben diversen anderen Umlagen – die EEG-Umlage, die Umlage für die Einspeisung der erneuerbaren Energien.

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Die Netzentgelte sind einer der größten Posten auf der Stromrechnung, sie gehen an die Netzbetreiber und steigen von Jahr zu Jahr: Im Februar 2017 machten sie mit 25,6 Prozent ein Viertel des gesamten Strompreises aus. Seit der Liberalisierung der Strommärkte 1998 müssen die Betreiber ihre Netze allen Energieanbietern am Markt zur Verfügung stellen und erhalten dafür ein Entgelt. Für die Bereitstellung und die Instandhaltung gibt es eine garantierte –traumhaft hohe – Rendite, die den Netzbetreibern gesetzlich zugesichert wird.

Verzögerung des Kohleausstiegs

Kein Verbraucher kann sich seinen Netzbetreiber aussuchen, das Angebot ist alternativlos. Der Ausbau ist daher ein sicheres und lukratives Geschäft für die Betreiber – selbst dann, wenn die Netze nicht der Energiewende, sondern der Verzögerung des Kohleausstiegs dienen. Mehr Netze bedeuten mehr Gewinne für die Betreiber und höhere Entgelte für die Verbraucher –mit Ausnahme der immer zahlreicheren energieintensiven Unternehmen, die von der vollen der Netzentgelte ausgenommen sind. Was den Netzbetreibern dadurch an Erlösen entgeht, wird auf die Rechnungen der privaten Verbraucher draufgeschlagen.“

Claudia Kemfert: „Das fossile Imperium schlägt zurück“. Murmann Verlag, 144 Seiten, 14,90 Euro. Die Autorin stellt das Buch in der Wissenschaftsreihe des Göttinger Literaturherbstes vor am Donnerstag, 15. Oktober, um 19 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14, in Göttingen. Eintrittskarten sind in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, erhältlich.

Von Angela Brünjes

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