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Regional Comedian Achim Knorr gastiert im Göttinger Apex
Nachrichten Kultur Regional Comedian Achim Knorr gastiert im Göttinger Apex
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19:17 30.11.2010
Plaudert gern: Achim Knorr im Göttinger Apex.
Plaudert gern: Achim Knorr im Göttinger Apex. Quelle: Heller
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Schuleschwänzen hat auch nicht geklappt, es war zu schwer, einen Termin zu finden, immer sprach etwas dagegen, dem Unterricht fern zu bleiben. Rauchen war auch nichts für ihn. In der Punkband hat er nur mitgespielt, weil der Proberaum in einer Schokoladenfabrik war. Aussehen wie der Junge auf der Kinderschokolade wollte er aber trotz seiner Liebe für Süßes nicht. Ach, und im Grunde wollte er auch viel lieber Rockstar werden.
Inzwischen steht Knorr dazu, nur etwas unangepasst zu sein. Die Haare sind immer noch kurz. Das karierte Hemd kaschiert geschickt die Figur (laut Gewichtstabelle könnte er gut und gerne über 1,90 Meter groß sein, dazu fehlen ihm allerdings zehn Zentimeter). Aber immerhin besitzt er inzwischen eine Gitarre, die er nicht wie seine erste – eine Lego-Version – zertrümmert hat. Und seine früh angelegte Rolle als Klassenclown hat er ausgebaut. Sie beschert ihm nicht nur im Apex ein volles Haus.
Spektakulär ist es nicht, was Knorr zu sagen hat. Er plaudert, gern übers Essen: Seine Leidenschaft ist Schokolade. Und er zelebriert fürs Göttinger Publikum seine Nutellaglas­trommel, erzählt vom Saure-Gurken-Puzzle und singt eine „Fromage“ an den Harzer Roller. Unspektakulär, aber extrem unterhaltsam. Manchmal wird Knorr auch ein wenig kritisch, allerdings ist die Gesundheitsreform nur am Rande sein Thema („Ich kenne Leute, die kamen vom Orthopäden zurück, und es gab die DDR nicht mehr). Quasseln kann der Mann aus Ostwestfalen. Komisches ohne Punkt und Komma. Und immer wieder lässt er sein Publikum wissen, was am meisten an ihm nagt: die vermasselte Karriere als Rockstar.
Aber der verhinderte Rebell hat eine eigene Geschäftsidee. Wer nicht so gut spielt, dass die Leute einem Geld dafür zahlen, sollte so schlecht spielen, dass das Publikum Geld gibt, damit er möglichst schnell wieder aufhört. Wie das geht, zeigte Knorr dann auch. Er spielte die Hitliste seiner unerträglichsten Stücke: „Lemon Tree“, „Live is Life“ – da fliegen schon 50 Cent. Für „Last Christmas“ gibt es sogar fünf Euro in die Brusttasche, und das Publikum ist erlöst.
Tja, einer wie Knorr kriegt keine Kuscheltiere und auch keine roten Rosen. Nur eine olle Blumenvase haben ihm vier Damen aus der ersten Reihe mitgebracht und Applaus, sehr viel Applaus.

Von Eida Koheil